Plattenkritik

Pechsaftha - Dick In Frisco

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Release Date: 17.08.2007
Datum Review: 21.07.2007

Pechsaftha - Dick In Frisco

 

Konventionell. Dieses Wort bitte im Zusammenhang mit PECHSAFTHA streichen. Restlos.
Das fängt schon beim dadaistisch anmutenden Namen an, der aufgrund einer missverstandenen Hotelreservierung entstanden ist, geht über die Mitglieder, die teilweise von EA80 stammen, teilweise von GRAFZAHL und „Herrn“ Büsser, seines Zeichens Musikjournalist, involvieren und mündet in der Arbeitsdevise, die da besagt: keine Proben.
Anyone can play guitar und so.

PECHSAFTHA sind schon seit mehreren Jahren unterwegs, veröffentlichen in Handarbeit Vinyl EPs und meiden Live-Auftritte wie die Pest, denn die enden sowieso nie wie geplant, sondern meistens damit, dass die Instrumente sich einfach verselbstständigen und alles in einem Aufstand milder Empörung verläuft.. Die „Intro“ versprach PECHSAFTHA schon vor über 5 Jahren eine großartige Zukunft als das neue Art-Rock/Post-Punk Ding der Stunde.
Fehleinschätzung. Erst jetzt konnten PECHSAFTHA über Tumbleweed Records eine CD veröffentlichen. Das wurde langsam Zeit.

„Dick In Frisco“ ist eine Sammlung kruder Songs geworden, die Easy Listening den blanken Hintern zeigen, in Punk-Attitüde schwelgen und in ihrem beißendem Spott gegen Gesellschaft, Pop und larmoyantes Bürgertum nur noch Sympathie hervorrufen. Die Ironie im Pop-Biz gefangen zu sein, seine oftmalige Belanglosigkeit zu verachten und doch auf ihn angewiesen zu sein, um das Gewollte zu sagen, ist immer schmerzhaft präsent.
Der treffendste Vergleich wäre noch Mark. E. Smith (THE FALL), der ebenfalls mit Spoken Word und Etwas, war nur noch als Anti-Gesang bezeichnet werden kann, auf alles speit. PECHSAFTHA gehen in der Hinsicht noch weiter. Post-Punk, wie in „Hirnschlag Baby“ ist nur ein Aspekt, daneben gibt es noch lo-fi Hip-Hop Beats („You!“) und anstrengende Noise Attacken („Schiefe Zähne, Sexsymbol“). Das alles ist nicht unbedingt ein Hörgenuss, aber das wollen PECHSAFTHA gar nicht.

Wenn dann aber doch noch mit „All You Can Eat“ dem faden Kleinbürgertum der Spiegel vorgehalten wird und in „R.O.B.E.R.T“ ein Hauch Mitleid für die Generation Praktikum mitschwingt bröckelt die Mauer des entrückten Avantgarde Kunstprojekts, das Melodiereiter TOMTE und Konsorten so verachtet. Und es bleibt gerade in seiner trotzigen und dann doch wieder naiv scheiternden Verweigerungshaltung ein unglaublich spannendes Album.



1. Hirnschlag Baby
2. Für Immer In Pop
3. You!
4. Pizza Blitz
5. All You Can Eat
6. Alter Gast
7. Schiefe Zähne, Sexsymbol
8. Die Ordnung der Dinge
9. R.O.B.E.R.T
10. Frei=Willige Feuerwehr
11. Mannheim Mitte

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Dennis

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