Plattenkritik

Pentimento - Wrecked

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Release Date: 19.07.2011
Datum Review: 03.08.2011

Pentimento - Wrecked

 

Penti-was? Kunststudentenpop für Fremdwortstreber? Kunst ja, aber lediglich ein schlichter Begriff für den Herren oder die Dame vom Fach: Die Beweisspuren für das Herumschrauben an Gemälden, das Nachbessern und Übermalen am Objekt von Seiten des Künstlers schimpft man (im einzelnen) PENTIMENTO. Mit dem musikalischen Outfit aus Buffalo, New York das Schimpfen zu beginnen wäre hingegen zwecklos, denn diese zahmen, blutehrlichen Gesellen schreiben sich einer gänzlich anderen Kunstform zu: dem Arschtreten.

„Wrecked“. Nicht mehr und nicht weniger. So lassen Jerry, Mike, Vinnie und Lance ihre Hörer nach sechs wunderbaren Aufklärungsversuchen zurück. In den gut 23 Minuten haben sie alles versucht: Emotionen, Melodien, Druck, Wut, Schweiß. Sogar Ansätze von Gitarrensoli. Und sicherlich sind sie nicht gescheitert. „The Rules Of Attraction“ streicht sich so leicht und cremig wie IRON CHIC oder LIFETIME aufs Brot, klingt mehr nach dem Großraum NY (dem u.a. ja auch POLAR BEAR CLUB oder LATTERMAN entstammen) als die City selbst. Roh und ungezwungen, leidenschaftlich und direkt docken „Words With Friends“ (mit brilliant gestrechter Mitgröhloption) und „Everything´s Eventual“ an den lebendigen Punkrockpier an, der mit seiner gelebten Stimmung von „schroff“ bis „zuckrig“ reicht. Große Melodiearbeit und gute Behandlung der Songstrukturen werden im Hause PENTIMENTO in gigantischen Lettern in den WG-Küchentisch geritzt. „Walking Calmly In Your Wake“ reicht als Vorspeise die Unbeschwertheit der dauerhaften Jugend im Chorus und bohrt mit der Faust zum Nachtisch in der Wunde.

Trotzdem kommt „Wrecked“ ungeschoren davon, mit einer wohligen Portion Kellerraumcharakter und dem lieblichen Charme eines warmen, letzten Dosenbieres auf der Rückbank des Tourvans. Warum Weichspülergeruch vortäuschen, wenn das Bühnenhandtuch seit der Kinderstube nach Rotz und tiefer Treue stinkt? Und wo soll sie zu finden sein, die Spur der Verfälschung? Die justierte Version des ursprünglichen Werkes? Auf „Wrecked“ und jedem seiner Beiträge ist davon nicht ein Hauch zu spüren.

Trackliste:

1. Rules Of Attraction
2. Walking Calmy In Your Wake
3. Words With Friends
4. Everything's Eventual
5. Maybe, Just Maybe
6. Isn't It Obvious?

Alte Kommentare

von surecamp 03.08.2011 15:25

oh je, schreib doch einfach, dass es eine tolle Platte ist, dass sie rotzig und punkig klingt aber lass doch diese nervigen methapern von rückbänken im van und weichspüler/bühnenhandtuch...liest sich echt holprig. und das intro, erst als du bands, wie lifetime oder polar bear club genannt hast, konnte ich mir vorstellen, in welche richtung die platte geht... weniger wörter, aber mehr inhalt! pleazzeee

von Olivier H. 03.08.2011 21:49

ich bin und bleibe moppi-fan! wer's halt trocken mag soll sich seine reviews wo anders geben, bei rezensenten wie moppi (sehr vergleichbar auch mit rené) bekommt man halt auch was zu lesen! (und das sag ich nicht nur, weil beides kollegen sind!) muss man nicht mögen, aber ich mags!

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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