Plattenkritik

Philip Selway - Familial

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Release Date: 31.08.2010
Datum Review: 21.09.2010

Philip Selway - Familial

 

Als Schlagzeuger in einer Band hat man immer den nicht zu vergessenen Vorteil, dass man sich hinter seinem Instrument verstecken kann. Für alle anderen stellt sich das eher schwierig dar, außer sie verschanzen sich bewusst hinter komischen Gebilden, Kostümen oder ähnlichem. Nun kommt Philip Selway, der Schlagzeuger von Radiohead, aber mit einem überraschend intimen Album um die Ecke. Vor allem er selbst als Persönlichkeit, als Songschreiber steht im Mittelpunkt. Das kann natürlich ordentlich schief gehen, hier nochmals mehr durch den übergroßen Schatten der Hauptband.

Vielleicht auch deshalb hat Philip Selway den Versuch gestartet alles was im Entferntesten nach Radiohead klingt von seinem Solodebüt zu verbannen. Hat natürlich nicht ganz geklappt, 'Beyond Reason' wäre ohne Radiohead oder Thom Yorkes Soloalbum so gar nicht möglich gewesen. So einen dicken fetten Punkt kann man nicht aus seinem Lebenslauf streichen. Indes ist Familial ansonsten das Werk eines überraschend versierten Songwriters geworden, der sich häufiger Nick Drake oder auch Lloyd Cole (in seinen reduzierten Momenten) angehört hat. Auch die Themen überraschen. Wie der Titel schon sagt ist es ein Album über die Familie, das einfache Leben, die damit verbundenen Ängste und den darin schlummernden Möglichkeiten entstanden. Passend natürlich auch der Song 'All Eyes On You' der die Exposition des plötzlichen im Mittelpunkt Stehens beschreibt. Mehr Scheinwerfern wird Philip Selway definitiv ausgesetzt sein, sobald er auf Tour geht.

Das Mitwirken von Lisa Germano, Glenn Kotche und Pat Sansone (beide letztgenannten auch Mitglieder von Wilco) bleibt zumeist gut versteckt und ist eher schmückendes Beiwerk, als überbordendes Gastspiel. Es pluckert zwar schon viel Elektronik im Hintergrund und auch Geigen oder sanftes Schlagwerk sind auf Familial enthalten, aber das dient alles mehr der Atmosphäre. Es geht hier vor allem um Philip Selway, seine Gitarre und seine zarte Stimme und das ist auch das Problem des Albums. Gerade zum Mittel- und Endteil hin wirken die Songs doch zu selbstvergessen, als wären sie mehr für den Schreiber persönlich gemacht worden und nicht für die breite Öffentlichkeit. Aber wer einen Song über den Halt der Familie mit den Zeilen 'and those I love will carry me home' besingt, dem kann man nicht wirklich böse sein.

Tracklist:
1. By Some Miracle
2. Beyond Reason
3. A Simple Life
4. All Eyes On You
5. The Ties That Bind Us
6. Patron Saint
7. Falling
8. Broken Promises
9. Don't Look Down
10. The Witching Hour

Alte Kommentare

von dalles was im entferntesten 22.09.2010 22:44

nach radiohead klingt verbannen??? 6 punkte?? du kennst radiohead nicht so wirklich, oder?!

von ja nö also 22.09.2010 22:48

"...den Versuch gestartet alles was im Entferntesten nach Radiohead klingt von seinem Solodebüt zu verbannen." Hä? Meinen wir beide die gleiche Band? Kennst du die neueren Scheiben überhaupt?? 6 Punkte? komisch.

von Kilian (Allschools) 23.09.2010 01:07

Ich kenne sowohl die alten wie auch neueren Sachen von Radiohead und gerade vom letzten Album sind nochmals einige Songs hängen geblieben. Dennoch hat Philip Selway nach eigener Aussage versucht alles was eben im 'Entferntesten' nach Radiohead klingt von seinem Solodebüt zu streichen, da er seine eigene Musik gestalten wollte um nicht einen Radiohead-Abklatsch zu veröffentlichen. Ist ihm soweit auch gelungen, da es sich nun mal um ein Singer-Songwriter Album handelt, nur merkt man gerade bei 'Beyond Reason' dann doch wo seine Wurzeln liegen. (Was natürlich auch kein negativer Kritikpunk ist)

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