Plattenkritik

Plemo - Exzessexpress

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Release Date: 30.03.2007
Datum Review: 13.04.2007

Plemo - Exzessexpress

 

Illegaler Lagerhallen Rave: Thomas Gottschalk zuckt bewaffnet mit engster Lederhose und Anzeichen von Schaum vorm Mund über die provisorische Tanzfläche. Seine Pupillen geweitet. TOMTES Thees Uhlmann steht skeptisch mit einem Bier in der Hand, nickt zu den 203 bpm im Takt. Überall Neon und Smileys. Schaukelnd auf dem Weg zur Toiltette kommt man vorbei an koksenden Party-People. Die Lichter flackern netzhautverätzend durch die dunkle Halle und aus der Parzelle nebenan dringt Gestöhne und….Tierlaute?

Klingt wie die Drogenfantasie eines äußerst kaputten Techno-Menschen auf einer Überdosis. Ist aber wohl der große Traum von Henning Schmidt aka PLEMO. Der Ex-Punk aus dem Sauerland und hauptberuflicher Tontechniker für namhafte deutsche Acts wie eben TOMTE, kredenzt auf „Exzessexpress“ die Musik für den gepflegten Feierabend Rave und schlägt dabei mit der 80er Mottenkiste wild um sich.

Da wird mal eben die „Na Sowas“(so ein Talk-Show Ding von vor 20 Jahren – den Ausmaß des Störfaktors kann sich jeder selbst dazu denken) Titelmelodie recycelt und zu einem „Wir Raven“ umgearbeitet. Konstant fühlt man sich an historische Momente, wie das VAN HALEN „Jump“ Intro erinnert. Auf Techno. Mit einer Wagenladung E!

Jemand hat mal gesagt, dass hierzulande eine Unfähigkeit vorherrscht, Gesprächsthemen zu finden, die nicht unbedingt etwas damit zu tun haben, was man gerade sowieso macht. Beim Essen wird also übers Essen geredet. Beim Wandern über die besten Wanderrouten und beim Raven, tja, übers Raven. Die 12 Tanz-Techno Stückchen bewegen sich auf dem schmalen Grad zwischen bombastischem Blödsinn und Auto-Scooter Proll Gedöns. „Gimme a white line, ich möchte breit sein“, nur getoppt von „Und wenn ich wirklich will, und wenn du wirklich willst, dann schrei ich Aua“. Textlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen
Das Augenzwinkern, die Ironie, mit der selbst SCOOTER ihre Party-Parolen auf die Großraumdiscos dieser Welt loslassen, geht bei PLEMO jedoch im stroboskopischen Flak-Lichtgewitter unter.

Musikalisch pure Geschmackssache und höchstens geeignet für den illegalen Rave im nachbarschaftlichen Kreis. Dann aber bitte auch mit Thomas Gottschalk, dem wird die betont peinliche 80er Atmosphäre wahrscheinlich als total charmant erscheinen


1. Schiffe Fliegen
2. Atomic Dreamboat
3. Wir Raven
4. Free'n'easy
5. I Sexy
6. Flashlight
7. DJDJ
8. Du Rufst Mich An
9. Es Regnet
10. Unsere Räder
11. Top 40 DJs
12. Exzess Express

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Dennis

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