Plattenkritik

Polar Bear Club - Death Chorus

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Release Date: 19.11.2013
Datum Review: 13.01.2014

Polar Bear Club - Death Chorus

 

Es ist noch lange nicht her, kaum ein halbes Jahr, da durfte ich diese Band live im Kleinen Klub in Saarbrücken bewundern. Das letzte Album „Clash Battle Guilt Pride“ ist für mich noch immer ein Highlight und dreht sich in schöner Regelmäßigkeit auf dem Plattenteller. Und live ließen die Jungs um Frontmann Jimmy Stadt auch nichts anbrennen und überzeugten mit einer schweißtreibenden, authentischen Show und sympathischem Auftreten. Und was da angekündigt wurde, nämlich ein in Bälde erscheinendes neues Album, ließ mich in Vorfreude ausharren.

Und da ist sie nun. Aber gleich vorweg - sie braucht Zeit. Denn sie klingt anders. Glatter, weniger charismatisch. Sänger Jimmy musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Gesangsstil auf Empfehlung seines Arztes umkrempeln. Die leicht kratzende, emotional berührende Stimme der Marke HOT WATER MUSIC gehört der Vergangenheit an; an ihre Stelle tritt nun eine leicht seichte JIMMY EAT WORLD-Stimmfarbe. Schade drum? Ja, ist es. Denn machen wir uns nichts vor, genau das gab doch der Musik POLAR BEAR CLUB's diesen Kick und bewahrte sie zu einem guten Teil vor dem Einheitssound anderer Bands dieses Genres. Aber gut; manche Dinge muss man einfach akzeptieren. Schauen wir also nach vorne.

„Blood Balloon“ eröffnet in flotter Manier die scheinbare Frischzellenkur, spätestens nach einer Minute entpuppt sich der Opener aber in meinen Ohren als Rohrkrepierer der unlauteren, weil allzu bekannten Art. Bands wie BLINK 182 lassen deutlich grüßen, nur leider steht das den Bären überhaupt nicht. Wenn also an der alten Weisheit „ein guter Opener ist die halbe Miete für ein gutes Album“ was dran sein sollte, könnten wir an dieser Stelle bereits aufhören, uns die Langrille hinein zu quälen. Doch Gott sei Dank gibt’s zu jeder Regel auch eine Ausnahme.
Denn die beiden folgenden Songs „Graph Paper Glory Days“ und auch „So I Buy“ überzeugen, und das trotz der neuen Gesangsfarbe von Jimmy Stadt, der scheinbar aber überhaupt kein Problem mit einer wirklich beachtlichen Range hat. Und auch „For Show“ ist ein wirklich gelungener Track, der schön nach vorne rockt und live sicherlich für einige Action auf der Tanzfläche sorgen wird. Doch dann geht’s steil bergab, denn mit einer Schnulze wie „Siouxsie Jeanne“ kann man anno 2014 als Mucker nur noch den Trostpreis für den belanglosesten Song gewinnen. Da sieht man bildlich gesprochen bereits ein Meer aus Feuerzeugen auf den nächsten Konzerten bei diesem Song; nun, ich möchte ja nicht allzu böse sein, aber dann sollte es bitteschön auch brennen. Oder?

Himmel und Hölle sei Dank, dass die Formkurve aber mit „WLWYCD“ wieder eine klare Trendwende nach oben ausweist, bevor mit „Chicago Spring“ für mich der Hit des Albums kommt. Der Song ist rund und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Wer da live bei der nächsten Tour den Text nicht auf der Pfanne hat, darf sich gerne bei der Kapuzenpolizei als Spaßbremse bewerben. Und auch „When We Were College Kids“ oder „Twang (Blister to Burn)“ bewegen sich auf dem gleichen Niveau; das macht Spaß, das rockt und gefällt.

Wen jetzt Ängste plagen,dass mit „Upstate Mosquito“, dem letzten Song auf dem Longplayer, wieder so etwas Halbgares kredenzt wird wie beim Opener, dem sei ausdrücklich widersprochen, denn dieser Song tilgt auf versöhnende Art und Weise die Anfangsschmach und die Fremdscham. Lust auf mehr? Gerne, für mich schon, auch wenn ich den Vorgänger „Clash Battle Guilt Pride“ diesem hier vorziehe.

„Death Chorus“ ist alles andere als ein schlechtes Album. Musikalisch hat sich bei dem Fünfer nun nicht soviel verändert, wenngleich ich das Gefühl nicht los werde, dass man beim Songwriting mit mindestens einem Auge verstärkt Richtung Radio-Airplay geschielt hat. Das muss mitnichten schlecht sein, aber auch nicht unbedingt gut. Denn auch der musikalische Tiefgang der Polarbären hat nun übergesiedelt in seichtere Wasser und genau hieran muss man sich erst gewöhnen. Wenn man es denn kann und will.

Trackliste:

01.Blood Balloon
02.Graph Paper Glory Days
03.So I Buy
04.For Show
05.Siouxsie Jeanne
06.WLWYCD
07.Chicago Spring
08.When We Were College Kids
09.Twang (Blister To Burn)
10.Upstate Mosquito

Alte Kommentare

von ike 14.01.2014 10:06

Kann ich nur zu Teilen unterschreiben, leider nur die negativ Punkte. Die vermeintlichen Stärken der anderen Songs blieben mir auch nach fünf Durchläufen verborgen und damit habe ich das Album für mich ad acta gelegt. Gerade der letzte Song, der hier als ein gelungenes Ende angepriesen wird, ist für mich spätestens nach dem zweiten Hören zu einem der nervtötensten des ganzen Albums geworden und ich war nach jedem Durchlauf froh, dass der Song endlich vorbei ist. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass diese Band ein schlechtes Album abliefert, aber man wird ja immer wieder aufs neue überrascht. In diesem Falle eine traurige Überraschung.

von lol 14.01.2014 19:55

die waren noch nie gut das merkt ihr erst jetut?

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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