Plattenkritik

Primordial - Redemption At The Puritan's Hand

Redaktions-Rating

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Release Date: 23.04.2011
Datum Review: 21.04.2011

Primordial - Redemption At The Puritan's Hand

 

Der Pagan Metal gehört – ähnlich dem Power Metal – zu den spezielleren Subgenres des ohnehin für Außenstehende sehr speziellen Metals. Die an das Heidentum und an die Natur angelegte Thematik, welche sich auch stark in der Art wiederspiegelt, wie die entsprechenden Bands auftreten, aber auch die gerne sehr ausgefallen instrumentalisierten Stücke waren immer und sind auch heute noch ein Phänomen, welche eher einzelne ansprechen. Oft liegt es aber vor allem am stark an die Grenzen vieler Geschmäcker gehenden Kitsch oder Pathos, der viele Hörer abschreckt. PRIMORDIAL sind ein Sonderfall: Sie gehören zu den wenigen Bands dieses Subgenres, welche in der gesamten Metal-Szene eine respektable Reputation besitzen. Warum das so ist, zeigt auch ihr neues Album „Redemption At The Puritan’s Hand“.

Denn auch mit ihrem aktuellen Ableger verbinden PRIMORDIAL dieses Anlehnen an Natur und Tradition, dieses Epische und Große mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, mit einer gewissen Authentizität. Außerdem lehnt sich ihr Stil zwar an klassische Arrangements und Riffs des Pagan-Metals an, wirkt aber aufgrund starker Black-Metal-Einflüsse und der sehr markanten, ausdrucksstarken, aber eben auch nie übertriebenen Stimme Alan Averills nicht weltfremd. Dabei sind PRIMORDIAL aber keine heruntergeschraubte Light-Version üblicher Pagan-Metal-Vertreter, sondern machen ihr ganz eigenes Ding – und das schon zu Zeiten, als der Pagan Metal gerade erst laufen lernte. Der Ausdruck ihrer Musik, ihres ganz eigenen Stils lässt dabei immer auf die Heimat PRIMORDIALs – Irland – schielen; als wäre ihre Musik eine Vertonung der weiten grünen Flächen Irlands und all der sonstigen Bilder, die man sonst von dem Land im Kopf hat. Dadurch haben sich PRIMORDIAL über die Jahre auch oder gerade in ihren eigenen Reihen einen guten Ruf, ja eine Ausnahmestellung erspielt.

Dass PRIMORDIAL so groß sind, liegt aber nicht zuletzt an der Qualität ihrer Alben. Gerade die letzten beiden Alben „The Gathering Wilderness“ und vor allem „To The Nameless Dead“ waren eine große Sache für PRIMORDIAL – so groß, dass man sich langsam fragen muss, ob nicht bald der Zenit erreicht wird, oder bereits erreicht wurde. Tatsächlich ist ihr neues Album „Redemption At The Puritan’s Hand“ nicht ganz so gut wie sein Vorgänger und potenzieller Klassiker „To The Nameless Dead“: Dafür fehlen dem Album so zerreißende Momente wie in „As Rome Burns“, dafür hat sich die Band mit ihrem neuen Album zu wenig weiterentwickelt. Doch an der Aufgabe, einen Vorgänger wie „To The Nameless Dead“ zu schlagen zu scheitern, ist keine Schande – genauso, wie „Redemption At The Puritan’s Hand“ kein schlechtes Album ist.

Im Gegenteil: „Redemption At The Puritan’s Hand“ ist erneut ein großartiges Album geworden. Dabei fügen PRIMORDIAL ihren Stil zwar keine nennenswerten neuen Nuancen hinzu, schmücken ihre Songs aber mit gewohnter Dramatik und Spannung. „Bloodied Yet Unbowed“ ist da beispielsweise eine Ballade, welche schwerer und erdrückender kaum hätte ausfallen können, während sich „The Mouth Of Judas“ innerhalb eines wunderschönen Spannungsbogens aus TOOL-artigen Drumming und leisen Gitarrenmelodien wunderschön aufbaut. „Gods Old Snake“ ist hingegen ein schönes Beispiel für eine schnellere und lebhaftere PRIMORDIAL-Nummer, welche dabei aber (gerade durch das atmosphärische Solospiel) nichts an Dramatik und Düsternis vermissen lässt. Schön ist bei PRIMORDIAL übrigens immer noch dieser Kontrast aus eher folkigen, ruhigeren Klängen, sowie den Landschaften zeichnenden, durch den Verzerrer gejagten Akkorden. Und über all den thronend: Alan Averill – mit seiner von Tragik geprägten, emotionalen Stimme. Sein ausdrucksstarker Gesang ist sicherlich einer der Gründe, warum sich dieser Kontrast auch nicht wie ein Kontrast, sondern wie ein homogenes Ganzes anfühlt.

„Redemption At The Puritan’s Hand“ ist ein würdiger Nachfolger, der zwar etwas im Schatten seines überragenden Vorgängers steht, innerhalb dieses Schattens aber abermals unter Beweis stellt, warum PRIMORDIAL als solch eine Ausnahmeband gehandelt werden. Denn seien wir ehrlich: Hat es denn in der Zeit zwischen dem letzten und dem jetzigen Album irgendeine Band dieses Metiers geschafft, an die Emotionalität und Tiefe PRIMORDIALs heranzureichen?

Tracklist:

1. No Grave Deep Enough
2. Lain With The Wolf
3. Bloodied Yet Unbowed
4. Gods Old Snake
5. The Mouth Of Judas
6. The Black Hundred
7. The Puritan's Hand
8. Death Of The Gods

Alte Kommentare

von @Olli 21.04.2011 20:27

klasse review! antwort letzter satz: DARKEST ERA!!!

von toni 22.04.2011 11:18

ehm ... *gähn* -.-

von Enno 22.04.2011 11:25

Ich hoffe doch sehr das meine Kopie am Samstag im Briefkasten liegt.

von Joah... 22.04.2011 12:44

...kommt hin, aber die Ausführungen über Pagan-Bands hättest du dir sparen können. Primordial sind nämlich keine.

von @Joah... 22.04.2011 13:19

wenn sich eine band selber als pagan bezeichnet, gibt es natürlich immer wieder leute, die schlauer sind...

von Olivier H. 22.04.2011 15:06

@joah: find ich schon wichtig die da einzuordnen, weil primordial dieses naturverbundene sehr stark ausstrahlen, was sich beispielsweise im gebrauch irischer instrumente, den flächigen akkorden oder hin und wieder auch den texten ausdrückt. zudem haben sie das genre in den 90ern wesentlich mitangetrieben. dass primordial innerhalb des genres sehr herausstechen, ist aber sicher richtig. sehe diese kategorisierung übrigens nicht als belastend, sondern als interessanten bezugspunkt bei der betrachtung dessen, was primordial verkörpern.

von @alle 23.04.2011 09:30

Richtig, wenn sie es tut. Und wenn sie es audrücklich NICHT tut? Ich zitiere Alan mal aus einem aktuellen Interview: "Paganismus? Sind wir eine Pagan Band? Ich habe nicht realisiert, dass wir eine wären. Wenn es um mich geht, so bedeutet es zu versuchen, mit der Natur in Einklang und Harmonie zu leben mehr, als dagegen, das macht Sinn. Aber wir leben in 2011 und nicht vor 2500 Jahren. Ich lebe in einer großen Stadt und tue all die Dinge, die Menschen in großen Städten jeden Tag tun. Wenn es eine grundsätzliche Botschaft gibt dann die, dass man überleben kann, ohne Kompromisse einzugehen oder aufzugeben." Nicht weiter schlimm, is mir nur aufgefallen.

von hooker 23.04.2011 12:07

Pagan is doch eh Grauzone ihr Nazis

von antifallerifalleratrullala 27.04.2011 11:30

Deine Mudda hat ne Grauzone...

von Irk 27.04.2011 21:30

Ich hab gelesen, dass die Mama von dem echt Schimmel unter den Achseln hat so...

von Pagan Olaf 27.04.2011 21:31

Ruhe !

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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