Plattenkritik

Pure Love - Anthems

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Release Date: 04.02.2013
Datum Review: 18.02.2013

Pure Love - Anthems

 

Vorlage, Treffer, versenkt: Vorbei an buntem Körperkult und Ausflügen aufs Land trägt sich Frank Carter lieber selbst ins Ziel - anstatt zu Grabe. Dabei bedarf es keinerlei Hilfe durch heimische Galgenmännchen mehr – für „Anthems“ soll ein einziger „ausgebildeter“ New Yorker an seiner Seite reichen, dessen Lebenslauf mitunter mehr zu bekunden hat als „shitty jobs“ oder eine Kindheit im Knabenchor.

Frank Carter und Jim Carroll leimten zuvor jeweils für sich zusammen, was GALLOWS in Großbritannien bzw. THE HOPE CONSPIRACY an der US-Ostküste über die Landesgrenzen hinaus erbrachten: Hardcore und Punk ohne Modezipfel, In-die-Fresse-Rock ohne Berührungsängste. Den Wifebeater gegen das Bügelfaltenhemd getauscht, mit Tageslichtidylle auf dem Debütcover und einem Fußbreit in der besenreinen Halle belehrt PURE LOVE nun nicht unbedingt eines Besseren, aber sicherlich einen ganz Anderen: Ein Widerstandsaufruf aus dem tätowierten Halse Carters klang so bislang erheblich anders als der „Riot Song“ und während „Bury My Bones“ erwischt man sogar die gelackte Hausfrau beim Mitschunkeln. Den Staubwedel hochhalten tun PURE LOVE dabei persönlich: „Beach Of Diamonds“ ist lupenrein aufbereiteter Formatrock, der zu glitzernd für Working Class-Siegel aber auch zu mitreißend arrangiert für den eigenen klaren Untergang ist. Das Schlagzeug ist und bleibt glatt, die Gitarren werden nie gefährlich laut. Carter jedoch - mitsamt Heiligenschein aus Pop und Klasse – bleibt fokussiert: „The Hits“ schmeckt nach Sommerferien mit besten Freunden, die grinsend ihr Aufnahmeformular für den „Handsome Devils Club“ ausfüllen. Melodische Chöre und Schellenkranz denken während „Heavy Kind Of Chain“ eher an MORRISSEY als ans Rumschreien im Moshpit und „Burning Love“ nimmt neben Brian Fallon auf dem Beifahrersitz Platz.

Von „Grey Britain“ zu „Anthems“ bietet das Duo mehr als genug Gelegenheiten sich von den „künstlerischen Differenzen“ zu überzeugen, die den Karriereweg von Carter und Carroll wappneten. Trotz des eigentlich viel zu unaufgeregten Pegels lassen PURE LOVE die elf Stadionmarken ihres Debüts aufleben, wenn man sich mit der „netten“ (oder kompatibleren) Seite der Rockmusik anfreunden kann. Damit dem Käufer letztes erleichtert wird, finden sich von „She (Makes The Devil Run Through Me)“ bis „March Of The Pilgrims“ mehr Netze und doppelte Böden, als Carter es aus letzter Kraft besänftigt: „And We Will Be Saved In The End“ Genau das verspricht „Anthems“ über seine gesamte Dauer. Und wird es hoffentlich auch halten.

Trackliste:

01. She (Makes The Devil Run Through Me)
02. Bury My Bones
03. The Hits
04. Anthem
05. Beach Of Diamonds
06. Handsome Devils Club
07. Heavy Kind Of Chain
08. Burning Love
09. Scared To Death
10. Riot Song
11. March Of The Pilgrims

Alte Kommentare

von Mulder 18.02.2013 18:15

"Heavy Kind Of Chain" ist der pure Schunkelsong und "March Of The Pilgrims" hätte so auch Cave In´s "Antenna" Album sein können. Sehr glatt, aber irgendwie gut.

von PillePalle 18.02.2013 19:58

Für mich 'ne klare 9. Großartiges Album.

von Ich 18.02.2013 23:38

find das Album auch nen Brett!

von Sascha 19.02.2013 14:36

Hm, echt besser, als erwartet. Richtig gute Rock-Musik - taugt!

von Niels.... 19.02.2013 16:51

....findet die ja leider verhältnismäßig langweilig. abgesehen von dem ein oder anderen (semi)hit. ich sag mal so: wenn da nicht frank carter drin stecken würde, würde sich kaum jemand für den wenig inspirierten und an einer mische aus oasis, the darkness und mittelalten manic street preachers geschulten pub/brit-pop/indie/poprock interessieren.... da gibt's gerade in dem genre unzählige spannendere bands, die aber eben nicht aus gallows- und hope con-menschen bestehen.....

von Sascha 20.02.2013 12:35

Sicher, der Hintergrund der Band-Mitglieder sorgt natürlich dafür, dass das Album so mehr Aufmerksamkeit bekommt, als andere aus dem Genre. Da die beiden sich aber in der Vergangenheit schon als Ausnahme-Musiker verdient gemacht haben, ist das aber auch völlig okay so. Und wer hätte gedacht, dass ein Frank Carter so gut bei Stimme ist und ein Jim Carrol richtig gute Pop-Songs schreiben kann?! Deswegen: positive Überraschung.

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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