Plattenkritik

Radio 4 - Stealing Of A Nation

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Release Date: 01.01.1970

Radio 4 - Stealing Of A Nation

 

Die New Yorker müssen eine Ruhe weg haben. 2 geschlagene Jahre musste die Belegschaft auf den Nachfolger zu „Gotham“ warten und mit „Stealing Of A Nation“ ist jetzt das dritte Album erschienen. Und es ist schon wirklich witzig wie sich Radio 4 entwickelt haben. Dazu muss ich ein wenig ausholen und eine kleine Anekdote erzählen: Es ist keine zwei Wochen her als ich bei unser aller Lieblingsauktionshaus eine Single der New Yorker Band Garden Variety ersteigerte. Wer sind Garden Variety? Das ist eine klassiche Indierock Kapelle der Mittneunziger, und niemand geringeres als der heutige Radio 4 Sänger Anthony Roman stand am Mikrophon. Schon wirklich seltsam zu sehen wie sich Künstler weiterentwickeln, denn mit dem heutigen Radio 4 Sound hat das ganze nicht im Entferntesten etwas zu tun.

Radio 4 anno 2004 sind noch einen Schritt weiter gegangen und sind sehr viel elektronischer, diskolastiger und vor allem tanzbarer geworden. Ohne jedoch die typische Handschrift unleserlich erscheinen zu lassen, mischt man typische, verzerrte Rockgitarren, mit Drumbeats dick wie Kuhhäute, und groovig als hätte man selber die Disco erfunden. Fernab vieler Wiederkäuer-Acts des Retrogenres machen Radio4 genau das richtige und versteifen sich nicht auf Altbackenes und Bewährtes sondern bringen Retrosound zum nächsten Level (Der Widerspruch in sich selber ist beabsichtigt). Ich muss zugeben, dass es mir beim ersten Durchlauf schwer fiel Gefallen an den neuen Songs zu finden, da ich den permanenten Einsatz von monotonen Drumcomputern eher langweilig als innovativ fand. Doch von Mal zu Mal wuchs „Stealing Of A Nation“ und wartete mit detailverliebten Songkonstruktionen auf, die immer mehr von sich preisgaben. Die Songs sind wie ein Ehepartner, bei dem man sich selbst nach langer Zeit der Zweisamkeit darüber wundert was noch in ihm verborgen ist und welche Eigenarten und Marotten er noch ans Tageslicht bringt. Aber ohne pathetisch zu werden ist das Album wirklich sehr sehr vielschichtig; Zum Großteil wimmelt es hier zwar von echten Discostompern und Tanzflächenfüllern, aber auf der anderen Seite überrascht man den Hörer auch mit einer nachdenklichen Nummer über die negativen und fragwürdigen Auswirkungen unser Informationsgesellschaft. Wer Radio 4 kennt weiß, dass man nicht nur im Stande ist die Disconationnation mit Heroin für die Beine zu füttern, sondern weiß um das soziale Engagement der Band, welches auch in den Lyrics zur Geltung kommt.

Nach etlichen Betätigungen der Playtaste muss der Hörer sich zweifelsfrei eingestehen, dass das neue Radio 4 Album ein echtes Highlight geworden ist. Songs wie „Money“, „Absolute Affirmation“ oder der oben besagte Titelsong sind Zucker in den Ohren jeden Hörers der sich traut über den Tellerrand zu gucken. Normalerweise schrecke ich davor zurück von Innovation zu reden wenn es um Musik geht, aber was hier veranstaltet wird ist wirklich mehr als smart. Next Level Shit!

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Werner

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