Plattenkritik

Rasta Knast - Trallblut

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Release Date: 20.07.2012
Datum Review: 11.07.2012

Rasta Knast - Trallblut

 

Geschichten aus der Haft: Vom Würfeln um Bandmitglieder und die eigene Zukunft. Und vom Spuk in der Stadt der Muscheln. Von den Zeiten, die vergangen und den Menschen die da waren. Deutschpunk? Martin Kliems nennt es lieber: Schwedenpunk aus Deutschland. Das klingt nicht so nach „stumpf“ und „Klobürste als Mikro“.


Schlanke einhundertunddreißig Monate wollten Kliems und seine Kollegen Atti, Dom und Schlagzeuger Nils lieber Gastspielreisen bestreiten und beiläufig „neue“ Veröffentlichungen streuen – Best-Of-Release und Südamerika-Visite inklusive. „Friede, Freude, Untergang“ und „Die Katze Beißt In Den Draht“ aber waren nicht genug der Worte von RASTA KNAST, die sich bereits seit 1997 auf einen Meilenstein in der deutsch(en) Punk-Historie bewerben. „Trallblut“ atmet zum Glück heutigen Dunst und gerät mit „Zeichen Der Totale“ schon ab Minute zwei melodisch und ungeduldig ins Schnauben. Textlich dürfen Martin K. und seine Band aus Celle gern dreizehn Filzstifthäkchen auf die Recording-Tafel schmieren - von „Fahnen Hoch“ bis „Waidmanns Unheil“ spült die Schreibe elegant und doch deutlich viele (deutschsprachige) Versuche an die Wand. Bass und Schlagzeug knüppeln vereint wie noch zu Zeiten von „Wohlstandsland“ durch das hymnische „Psychodrama“, „Blaufeuer“ zückt noch in der Aufwärmphase eine breite Mitsingscharte.
RASTA KNAST gehen ihr elftes Release mit Selbstvertrauen und Geltung an - da zwinkert die Introgestaltung von „Trug“ und „Waidmanns Unheil“ doch nicht etwas zufällig in Richtung SOCIAL DISTORTION? Oder „Haunted House Of Sligo“ als einziger englischer Titel auf den Arrangement-Teller von Brett Gurewitz und Greg Graffin? Kann nicht sein, schließlich ist das ursprüngliche ASTA KASK-Coverprojekt ja mit schwedischem Pass zur Welt gekommen und leiht sich höchstens mal Chöre oder Herzfrequenz aus.

„Verkenntnis“ unterstreicht das mit Elan und Hookline, „Trallblut“ nicht zuletzt mit einer kickenden Gesamtnote. RASTA KNAST machen einem szenevertrauten Hamburger Gefolge vor, wie sich nach Abstinenz und Winterschlaf aus der Versenkung zurückgemeldet wird: Beim ersten Date sicherlich lieber mit Popcorn als mit „Surströmming“– mit „Trallblut“ dann spätestens zum gemeinsamen Festivalausflug. „Fahnen Hoch“ – bei RASTA KNAST lohnt sich alle Anstrengung noch.

Trackliste:

01. Surströmming
02. Zeichen Der Totale
03. Blaufeuer
04. Psychodrama
05. Retroaktiv
06. Verkenntnis
07. Trug
08. Waidmanns Unheil
09. Moritate
10. Haunted House Of Sligo
11. Die Anderen
12. Schatten Eurer Selbst
13. Fahnen Hoch

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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