Plattenkritik

Reasons Not Rules - by Nora Bendl and other.

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Release Date: 01.02.2010
Datum Review: 24.02.2010

Reasons Not Rules - by Nora Bendl and other.

 

Wieviel Literatur über die aktuelle Hardcoreszene gibt es eigentlich? Leider viel zu wenig. Da fallen mir spontan „PUNK, DC“ ein, wobei jenes Buch sich eben im speziellen auf die DC-Szene wirft. Ein anderes wäre „BURNING FIGHT“ von Brian Peterson, welches im Juli letzten Jahres auf den Markt kam. Ich muss gestehen, seit ich dieses Buch habe, habe ich nicht einmal reingeschaut. Aber das nur am Rande. Was aber eindeutig fehlt, das sind Bücher über das Geschehen in der deutschen Szene. Das wäre mit „REASONS NOT RULES“ zwar nur sekundär gefunden, aber immerhin kommt dieses Buch aus der deutschen Szene, was ja schon mal lobenswert genug ist.

In Zusammenarbeit mit Cobra Records veröffentlicht die Autorin Nora Bendl mit „REAONS NOT RULES“ also den ersten literarischen Erguss aus Deutschland. Aber auch hier müssen Abstriche gemacht werden, die, um es direkt in aller Klarheit festzuhalten, keine negativen sein sollen. Denn REASONS NOT RULES ist in erster Linie ein Bildband, welches die großartigen Bilder des FACETHESHOW-Teams zeigt. Das geschriebene Wort, das man zu lesen bekommt, beschränkt sich auf Songzitate (vorzugsweise BANE) und Interviews, die fast alle nach dem Gleichen Schema aufgebaut sind. Aber dazu später mehr.

Schlägt man das, von außen, verdammt edel aussehende Buch auf, so klafft einem gleich eine zerquetschte Menschentraube entgegen. Man erkennt die Qualität der Bilder von Burkhard Müller eben an ihrem Wiedererkennungswert. Wer auf der Show war, der weiß genau, wie speziell dieses Bild ist. GOLDUST stellten im Essener Cafe Nova ihre „Noir“ EP vor, der Headliner an dem Abend waren THIS IS HELL, jene wurden allerdings direkt von der zweiten Band in den Schatten gestellt. Die GOLDUST-Fans waren zahlreich, die Songauswahl genial. Dass der sogenannte „Abriss“ kommt, das war logisch. Dass die Fans Sänger Lars aber so sehr unter sich vergraben würden, sollte niemand ahnen. Die Bilder, die Burkhard Müller an diesem Abend knippst, sie werden legendär. Was sich liest wie der RTL-Jahresrückblick mag übertrieben klingen, ist aber nunmal so. Die nachfolgenden Bilder in „REAONS NOT RULES“ sind dann mal als Collage angereiht, mal als zweiseitiges Monument und zeigen neben den üblichen Publikumsbildern auch Impressionen aus Backstage-Räumen, Promofotos und private Einblicke. Ein Narr, wer die Qualität dieser Bild nicht zu schätzen weiß.

Das erste Interview ist mit Brian Peterson angesetzt, dem Autoren von „BURNING FIGHT“. Seine Antworten auf die Fragen sind überaus ehrlich und ausführlich, sodass man an diversen Stellen gerne einen Absatz überspringen möchte, was der Informationsdrang allerdings verhindert. Als erstes Interview in der Mitte eines Buches ist das schon sehr gelungen. Besonders hervorzuheben sind die nachfolgenden Interviews mit COLD WORLD oder Michelle Olaya Ortega, der Gründerin der clitocorezine.cjb.net Seite und Team bei FTS. Besonders hübsch zu lesen ist auch der, sehr ausführliche, Tourbericht von DEATH IS NOT GLAMOROUS und das dazugehörige Interview mit Sänger Terje Moxness Kortner.

Aber wenn dieses Buch schon aus Deutschland kommt, dann hofft man insgeheim auch auf Schilderungen aus der hiesigen Szene. Dabei enttäuscht einen das kurze Kommentar von BLACK FRIDAY Björn, im Gegenzug begeistert die Story von Schumitz und Marco von Hardcore Ink., in der ausführlich das Antasten an die Hardcoreszene in Deutschland beschrieben wird. Ebenso nett zu lesen ist die Story von POISONFREE-Gründer Flint Stelter und das Interview mit Sven, dem Drummer der dahingeschiedenen SINK OR SWIM. Im Endeffekt erfährt man aber auch in diesen Interviews wenig über die deutsche Szene und in jedem sehr viel über den Straight Edge Lifestyle, zumindest im direkten Vergleich. Doch allein die angesprochene Interviews/Kommentare/Storys sind es wert sich dieses Buch zu kaufen. Informativ und interessant arbeitet die Autorin mit ihren Gegenübern eine Szene auf, in der noch immer viel Handlungsbedarf besteht. Gerade im literarischen Sinne, denn da schließt „REASONS NOT RULES“ leider keine Lücke.

Sieht man das Buch aber in aller Gesamtheit, mit den großartigen Bildern vermischt, so kann man ganz klar eine Kaufempfehlung aussprechen und sagen, dass „REASONS NOT RULES“ ein wichtiges Werk ist. Wer sich allerdings drauf einstellt, reine Literatur zu bekommen, der sollte seine Erwartungen ein Stück herunterschrauben. Trotzdem: Toll.

Mit:
Interviews mit Brian Peterson, dem Autoren von „Burning Fight: The 90s Hardcore Revolution in Ethics, Politics, Spirit and Sound“, Björn Esser (BLACK FRIDAY 29), Alex Russin (COLD WORLD), Hardcore Ink, Flint Stelter (Poisonfree-Gründer), Michelle Olaya Ortega (Clitocorezine.cjb.net), Daniel Gerigk (Cobra Records), SINK OR SWIM, TACKLEBERRY, Ulrich Schroeter (Imperial Clothing) und einem Tourdiary von Christian Medaas (DEATH IS NOT GLAMOROUS).

Alte Kommentare

von legendär? 24.02.2010 07:59

haha. biste am arschkriechen oder was. müssen ja mal nicht übertreiben. mir geht dieses selbstabfeiern der kleinen pseudoszene voll auf den sack.

von Raphael 24.02.2010 09:49

habe lange mit mir gekämpft, ob ich diese formulierung wählen soll. im endeffekt aber finde ich ist es so und deshalb habe ich sie auch genommen. arschkriechen - nein. aber weißt du was mir voll auf den sack geht? dieses schlechtreden der kleinen szene! so geht viel kaputt.

von jb 24.02.2010 11:01

danke raphael

von xxx 24.02.2010 11:35

es ist einfach jeglichen kritischen blickwinkel als schlechtreden zu pauschalisieren. gerade du, lieber raphael, schwingst doch gerne die polemikkeule. scheinbar bis du echt noch recht grün hinter den ohren und kanst distanz nicht wahren. entweder total unkritisch abfeiern oder sich rigoros verweigern. üben!

von das stimmt! 24.02.2010 11:44

diese schwarz weiß malerei bei Raphael ist nervig entweder 7 oder 8, oder 3 und mieser

von xxx 24.02.2010 12:06

der bildband ist trotzdem nicht schlecht. aber derart unkritisch geht es hier zuletzt doch eigentlich seltener vor.

von Raphael 24.02.2010 12:15

habt ihr das review gelesen? ich kritisier doch viel. gerade die interviews.

von . 01.03.2010 20:44

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