Plattenkritik

Rentokiller - Vigil

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Release Date: 01.05.2006
Datum Review: 19.06.2006

Rentokiller - Vigil

 

Hm, habt ihr euch schon mal gefragt, wie es wohl klingen mag, wenn man Entomebd, Refused, Jazzer C. Parker, Fiona Apple, Yann Tiersen und Black Sabbath in ein Studio packt? Ok, ich mich auch noch nicht, weil die Vorstellung etwas abstrus ist, aber genau das ist die musikalische Umschreibung, die Rentokiller aus Schweden einem geben, wenn es darum geht ihren Stil zu explanieren. Bei all diesen Eilflüssen, muss man sich schon etwas mehr Zeit nehmen, denn Rentokiller in einem Durchgang zu hören ist schwer, da man erst durch mehrmaliges Hören jede musikalische Einzelheit (oder fast jede) mitbekommt. Nachdem man 2005 über Northpost Records, nach drei Demos, das Debut „cadaveri eccelente“ rausbrachte und bei P3 Guld, einem schwedischen Radiosender für den Award „best rock/metal record“ nominiert wurde, bereiste man weiterhin Schweden und den Rest Europas, um nun eine neue EP mit dem Namen „vigil“ über Monument Records nachzuschieben.

Über 20 Minuten und 21 Sekunden peitschen sich Rentokiller durch alle vorstellbaren Musikkategorien, man könnte es aber wohl unter „noise-core“ packen, wenn man dem ganzen denn einen Namen geben müsste.
Partiell poppige Melodien, treffen auf Brachialgitarren Arrangements, DeathMetal Growls und infernalisches Geschrei, dass durch wütendes HC-Shouting unterbrochen wird. Hier und da Jazz-Einlagen, die in einer „gewusst, wie“ Krachorgie enden, an der John Zahn oder auch Mike Patton mit Fantomas ihre Freude hätten.
Es ist wahrlich schwer zu beschreiben. Lyrisch gehet man sehr selbstkritisch gegenüber der eigenen Seelenwelt zu Werke. Sehr passend zur Musik. Zwei Songs kann ich nicht näher definieren (textlich), da sie auf Schwedisch sind.

Mir ist es auf die Dauer etwas zu extrem und es fiel mir schwer, an einem Stück zu zuhören, aber für Freunde von Refused und Converge, Dillinger Escapeplan oder Fight Paris wohl ein Ohrenschmaus. Nicht meine Welt, aber sehr gut produziert und doch individuell. Hier hält der Hörer definitiv kein massenkompatibles Endprodukt in den Händen; mein Schlagzeuger würde es wohl so bezeichnen: neoabstrakte Art mittels Audiokunst ein nicht greifbares, aber hör- und definitiv spürbares Kubismus-Gemälde auf eine Datenleinwand zu bringen…ich würde es als Hardcore-Fetischporno mit Fäkalienspielchen bezeichnen, der eine sensible und äußerst spannend rübergebrachte sozialkritische Story inne hat. Sucht’s euch aus und hört definitiv rein.

Tracklist
1. Levoton peto
2. Projection and interaction
3. Benediction moon
4. 29 Points of attraction
5. Hjärtats kleptoman
6. Naked neck
7. From chaos to everything

Autor

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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