Plattenkritik

Rich Kids On LSD - Greatest Hits - Live In West Berlin 1988

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 14.10.2011
Datum Review: 13.10.2011

Rich Kids On LSD - Greatest Hits - Live In West Berlin 1988

 

Selbst Mama Rose, Papa Bomer und Schwester Lori konnten damals in Hollywood´s berühmten Whisky-A-Go-Go nicht stillstehen, als eine Gruppe völlig irrer, Ärsche tretender und dem Konsum jeglicher noch so abwegiger Substanzen nicht abgeneigter Wilder mit einschlägigem Bandnamen die Nächte zum Tage machten – oder andersherum. Schon fast mehr Best-Of-Compilation als bloß Livealbum, lodert 23 Jahre nach dem Überschwappen der RICH KIDS ON LSD nach Europa nun ein heißes Thrashpunkeisen im Höllenfeuer.


In alt-klassischer Besetzung mit Gründungstrommler Bomer und Jason Sears am Gesang, musste ein Mix aus zwei Aufnahmesessions her, um die „Zustände“ und die „wahren Performanceskills“ der kalifornischen Skatepunks bestmöglich und recording-trächtig einander beizuführen. Trotz gewöhnungsbedürftigem Sound, der aufgrund der Umstände und Möglichkeiten der damaligen Zeit nach frischem Mastering und liebevollem Feingefühl in ein wirklich gutes Licht gerückt wurde, brauchen Songs wie „Drink Positive“, „Sargasm“ oder „Seein´You“ keinerlei Erklärung oder Befürwortung. Die Einflüsse des Vierers um Sears (RIP), Gitarrist Chris Rest (ex-LAGWAGON, jetzt NO USE FOR A NAME) , Barry Ward, Joe Raposo am Bass und Drummer und Bandkopf Bomer (RIP), der nebenbei auch Größen wie Dave Raun (ME FIRST & THE GIMME GIMMES, LAGWAGON) oder Derrick Plourde (MAD CADDIES, THE ATARIS) beanspruchte, sind weit gesät und bis heute nicht ohne Grund obenstehend auf den Listen von Fat Mike oder Brett Gurewitz.

In bester und dreckiger Manier plustern sich auf „Greatest Hits – Live In West Berlin 1988“ u.a. „Scab On My Brain“ und „Pothead“ um chaotisches Gitarrenspiel und das verflixt schnelle Schlagzeug, des weiteren warten nach der einstündigen Liveaufnahme ganze fünf Songs – aufgenommen zwischen 2000 und 2001 in San Francisco - die bis dato unveröffentlicht daherkommen: „Don´t Take Us“ und „Twisting And Turning“ schlagen teils schon in die melodischere Kerbe, die RKL später (in ihrem zweiten Leben) mit „Riches To Rags“ auflebten lassen. „Revenge“ kommt trotz durchgeknallter Stimmung im VANDALS-Stil sogar beinahe befremdend daher. Die Platte mit weit über zwanzig Songs beweist trotz des gewöhnungsbedürftigen Halls des Mitschnittes aus dem Berliner Quartier Latin (heute Wintergarten) mit weit heraushängender Zunge, dass diese Jungs aus Santa Barbara (später dann San Francisco) dem Verlauf der US-Skatepunk/Thrashcore-Szene große und schwere Pflastersteine zu Grunde legten. Im dazugehörigen Coversheet finden sich neben Kollagen aus Fotos und „Beweisen“ der damaligen Zeit auch Interviews mit Chris Rest, ein Statement des NOFX-Sängers Fat Mike zu RKL sowie ein rückblickender Artikel zu Jason Sears und Bomer – verfasst von Barry Ward.
Liebevolles, nötiges und wegweisendes Stück kalifornischer Skatepunkgeschichte, dass alteingesessene Großmäuler genauso wie blutjunge Neu-Thrasher im Regal stehen haben sollten.

Trackliste:

01. Lies
02. Hangover
03. Drink Positive
04. Scab On My Brain
05. Dead Teds
06. Seeing You
07. Blocked Out
08. Rumors
09. Tribute To The Jester
10. Pot Head
11. Why?
12. Find A Way
13. Feelings Of Hate
14. Tell Me The Truth
15. Sargasm
16. Sensless Violence
17. Beautiful Feeling
18. Berlin Rock City
19. Life In A Bottle
20. Break The Camels Back
21. Lay Your Weapons Down
22. Catch Yer Breath
23. Don´t Take Us
24. Revenge
25. What Happens Next
26. Twisting And Turning
27. Maiden Goleta

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media