Plattenkritik

Richard Hawley - Truelove's Gutter

Redaktions-Rating

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Release Date: 22.09.2009
Datum Review: 31.12.2009

Richard Hawley - Truelove's Gutter

 

Kuschelrock für Mama beim Bügeln? Weihnachtlicher Kitsch für die älteren Semester? Weit gefehlt. Auch wenn HAWLEYs Ode an die Frau und die Liebe zunächst eher Assoziationen gen Kitsch hervorrufen könnte, so ist „Truelove’s Gutter“ ein Album mit Ansprüchen, mit gewagten Zitaten, mit befreiten, von gängigen Strukturen distanzierten Songs.

„Ladys Bridge“ erreichte Platz 6 der Album-, die Singleauskopplung „Tonight The Street Are Ours“ Platz 40 der Singlecharts. HAWLEYs Reaktion? Ein Album schreiben, welches nach eigener Aussage keine single-taugliche Nummer enthält. Tatsächlich wirkt „Truelove’s Gutter“ etwas anders als man es von ihm oder anderen, vergleichbaren Vertretern gewohnt ist. HAWLEY strukturiert seine Songs behutsam, nie auf die Melodie oder den Chorus ausgelegt; lieber lässt er sich Zeit, frönt dem Minimalismus und schreibt Songs, die bis zu 10 Minuten unbekümmert vor sich her laufen, und auch in ihrer Anwendung von beispielsweise hier mal jazzig-gedämpften Schlagzeug oder da mal sorgsam und filigran gespielten akustischen Klängen ihr Handwerk verstehen.

Auch wenn HAWLEY stets in schwarzweiß und mit Sonnenbrille posiert, das Artwork nahezu komplett in schwarz gehalten ist und auch wenn die Grundthematik natürlich etwas dunkler erscheint, so ist sie nie düster, bedrohlich, ja nicht mal wirklich melancholisch. HAWLEY, der mit seiner rauen Stimme so in etwa wie ein in den dunkelsten Gassen und Bars rumlungernder, einsamer SINATRA wirkt und klingt schafft zwar ebenso verlassene, abendliche Nummern, erscheint aber eher eingelullt und dem Leben positiv zugewandt als depressiv.

Somit ist „Truelove’s Gutter“ vor allem eins: Schön. Und sicherlich auch für jene zu empfehlen, welche sonst mit SINATRA & Co eher wenig anfangen können.


Tracklist:

01. As The Dawn Breaks
02. Open Up The Door
03. Ashes on The Fire
04. Remorse Code
05. Don't Get Hung Up in your Soul
06. Soldier On
07. For Your Lover, Give Some Time
08. Don't You Cry

Alte Kommentare

von jarvis 31.12.2009 19:35

8 punkte? whatever. man hätte ja mal pulp und jarvis cocker erwähnen können

von Olivier H. 31.12.2009 20:12

Was soll ich denn sagen? In nem Nebensatz irgendwie unterbringen dass er vor seiner Solokarriere bei Pulp gesungen hat? Ich wollt mich eher auf das Wesentliche, nämlich die Musik konzentrieren; die Person selbst interessiert hier doch sicherlich die wenigsten.

von jarvis 31.12.2009 20:15

hawley hat nie bei pulp gesungen aber jarvis cocker hat ihn zu weitestgehend zu seiner solokarriere überredet etc.

von Geschmaxpolizei 04.01.2010 13:43

Ist ja ganz nett was man da auf Myspace zu hören kriegt, mir fällt aber keine Lebenslage ein, in der ich das zu Hause hören würde. Ist wie Sinatra, man hat den obligatorischen Best-of Sampler im Schrank und hört ihn doch nie.

von Clement 04.01.2010 13:59

Frank Sinatra, Net King Cole, Dean Martin und natürlich Johnny Cash (vor allem "Hurt") sind bei mir in der Weihnachtszeit auf Dauerrotation

von Olivier H. 04.01.2010 14:06

Ich hörs sehr gerne spät Abends und alleine; verkörpert da ne sehr eigene, einlullende Atmosphäre. Tagsüber kann ich's mir aber auch nicht geben.

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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