Plattenkritik

Rise And Fall - Faith

Redaktions-Rating

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Release Date: 13.03.2012
Datum Review: 10.04.2012

Rise And Fall - Faith

 

Wenn eine Band Abrissbirnen schreibt, dann ja wohl die hier. Das Gute an RISE AND FALL und ihrem bedeutungsschwer betitelten Album "Faith": die besten Momente sind noch nicht mal die, in denen die Belgier sich der Raserei hingeben, Höllenhund Kevin Baker auch mal ins Mikro brüllen oder Kurt Ballou im Auge des Infernos seine Gastgitarre stimmen darf. Verdammt gut sind die aber auch.

„Es gibt Dinge, die nicht verschwinden. Zu ihnen gehört auch die Gewalt.“ Ein schlauer zeitgenössischer Philosoph schrieb das kürzlich. Wir stimmen zu. RISE AND FALL aus Gent, Belgien mit Sicherheit auch. Die Frage ist: Was machen sie daraus? Die einfache Antwort: ihr bisher dichtestes Album, das an den Rändern und in der Mitte gerne mal düster und noisig-zetternd ausfransen darf. Der Mischung aus alten INTEGRITY, allerlei okkulten Sperenzien (also schon wieder: INTEGRITY), dem, was die Band von der altehrwürdigen H8000-Garde (CONGRESS, irgendwer?!) gelernt hat und diesem besonderen Punkmetal-Furor, welcher ja beinahe Alleinstellungsmerkmal der Band ist, werden auf dem äußerst kompakten vierten Album einige neue dräuende Zaubertricks an die Seite gestellt. Jetzt könnte man fragen, warum das alles immer noch so unnachgiebig klingt, so unbeugsam und infernalisch, obwohl Bjorn „Onkel Fester“ Dossche doch privat so gerne FEIST hört und der Bassist kürzlich Papa geworden ist. Lauschen wir dem Untergang.

Der Anfang klingt zunächst einmal so, als hätten RISE AND FALL zwar sämtliche Stärken gebündelt, ohne dass ihnen allerdings allzu viel Neues einfiele. 'A Hammer And Nails' ist die perfekte musikalische Entsprechung seines Titels mit grabtief gestimmten Gitarren und einem glänzend schlecht aufgelegten Bjorn Dossche. Das nachfolgende 'Deceiver' ist der 'Forked Tongues'-Gedächtnissong des Albums. Ausgelutschte Höllenanalogien bitte jetzt. Todesschwadronen aus der Zwischenhölle, zu Staub verdampftes Land, brennende Nebelkrähen. Ok, haben wir? Dann schweigen Sie bitte jetzt für immer. RISE AND FALL besäßen jedoch nicht ihren Status, wenn sie nicht auf engstem Raum das verdichten könnten, was sie von ihrer Plattensammlung und ihren Bandkumpels gelernt haben. 'The Gallows Await' (mit Gaststimme von Justin De Tore an prominenter Stelle) ist die perfekte Mischung aus RISE AND FALLs punktgenauer Raserei und der D-Beat-Dreck-unter-den-Nägeln Riffaffinität von – sagen wir mal – DISFEAR. Ein komplettes Album in diesem Stil? VICTIMSTRAGEDYFROMASHESRISE-Anhänger hätten bestimmt nichts dagegen.

Interessant wird das Album für Menschen, die vermeintlich reinrassige Hardcore/Metal-Veröffentlichungen gerne mal auf beigemengte Genres abklopfen, dann noch einmal so ziemlich exakt in der Mitte: 'Breathe' klingt bisweilen so stoisch und nackenzerrend wie der Noise der Neunziger. 'Things Are Different Now' beweist, dass ein überlegter Einsatz von Effektpedalen durchaus für mehr Tiefe sorgen kann. Das Verwaschen-Dräuende dieses Songs bremst zudem die Erkenntnis, RISE AND FALL könnten nur draufhauen. Das machen sie später zwar wieder (u.a. mit Unterstützung von HOPE CON-ALL-PIGS-MUST-DIE Kevin Baker und einem Steve Brodsky, dessen Gitarre man tatsächlich raushört). Dennoch ist "Faith" eine sehr ausgewogene Platte geworden, die es wohl auch aufgrund ihres (LP-)Artworks auf einige Bestenlisten schaffen dürfte. Die obligaten J. Bannon-Design-Lobhuldigungen sparen wir uns jetzt einfach mal.

Überhaupt spricht es für die Unbeugsamkeit dieser Band, dass sie überhaupt noch existiert. Aufstrebende depressive Hardcorebands sind gekommen und gegangen, das New Oldschool (hä?) Revival hat auch nicht gerade gehalten, was es versprach und auf einmal spielen sie jetzt alle Hipster-Black Metal. RISE AND FALL verhalten sich zu so vielen Kaputtmacherbands der Jetztzeit immer noch wie David Lynch zu Roland Emmerich. Das weiß man spätestens, wenn sich der letzte opulente Song über einen legt wie eine schwarze Decke. „Torn at the seams. Love for the loveless – hope for the hopeless.” Am Ende steht immer die Hoffnung.

Tracklist:

01: A Hammer And Nails
02: Deceiver
03: The Gallows Await (feat. Justin De Tore)
04: Burning At Both Ends
05: Breathe
06: Things Are Different Now
07: Hidden Hands
08: Escapism (feat. Kevin Baker)
09: Dead Weight (feat. Steve Brodsky)
10: Faith/Fate (feat. Kurt Ballou)

Alte Kommentare

von Alex 10.04.2012 19:30

Endlich mal wieder ein tolles Review dem ich zu 100% zustimmen kann!

von Alex G. 10.04.2012 20:00

Die konstante Melodie im letzten Song macht mich dermaßen fertig. Saugut geworden!

von jensen 11.04.2012 14:24

Ja, diese Rezension möchte ich auch ausdrücklich loben, Spitzending! Und auf die Platte freue ich mich nach dem Lesen noch mehr, bestellt ist sie schon seit ein paar Tagen.

von Have Hacht 11.04.2012 18:32

FAITH/FATE ist einfach nur unglaublich...das lässt mich fast vergessen, das es THE CARRIER nicht mehr gibt. ATEMBERAUBEND !

von Wretched 12.04.2012 23:35

super scheibe und ein wirklich gelungenes Review

von axt 13.04.2012 07:18

finde die ersten beiden alben immer noch am besten u. kann der neuen scheibe nicht viel abgewinnen.

von Ted Turner 16.04.2012 04:57

Da brauchen wir gar nicht lange reden: Hammer Scheibe. Diese Band hat einfach noch nie Mist veröffentlicht. Wenn sie doch nur live ne 2te Gitarre hätten und der Sänger etwas mehr mitreisend wäre...hach...

von Ted Turner 16.04.2012 04:58

.....was zur Hölle....hat der Typ grade Carrier mit Rise And Fall verglichen... aaaaaaaaaaaaaalter

von jensen 25.04.2012 15:40

Nach mindestens zehn Rundläufen möchte ich die Platte an dieser Stelle ausdrücklich loben. Ganz starkes Ding, sowohl die Musik als auch das extrem gute LP-Artwork!

von Ted Turner 28.04.2012 18:41

und immer noch: Absoluter Volltreffer.

von Rosa McBlack 02.05.2012 23:52

und immer noch: BOOOOOOOOOOOOOOOOOM!!!!!!!!!

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René

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