Plattenkritik

Robert Pehrsson - Humbucker

Redaktions-Rating

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Release Date: 08.11.2013
Datum Review: 01.11.2013

Robert Pehrsson - Humbucker

 

Ein Humbucker ist ein äußerst populärer Gitarren-Pickup, der einen recht charismatischen Klang hat. Das Besondere an diesem Tonabnehmer für elektronische Gitarren ist, dass sie aus zwei Single-Coil_Pickups bestehen, die gegenläufig zu einander gewickelt sind und umgekehrt ausgerichtete Magnetfelder besitzen. Bedeutet: Durch die Schwingung der Saiten werden nun in den Magnetfeldern phasenverdrehte Signale erzeugt, was durch die spezifische Wicklung aber ausgeglichen wird. Die Signale beider Spulen verdichten sich zu einem unheimlich fetten Sound, in dem Störgeräusche wie Brummtöne (aus dem Stromnetz – die Musiker unter uns werden das kennen, was besonders auf Bühnen lästig sein kann, wenn der HiWi Licht und Ton nicht adäquat von einander getrennt hat) gelöscht, wodurch das reine Nutzsignal direkt an den Amp geht. Also: Ein Humbucker mit seinem charakteristischen, mittenlastigen Klang ist also etwas zeitloses. Etwas, das einen besonderen Wert besitzt, und wie eine Gibson Paula eine Top-Position in der Wunschliste vieler Musiker einnimmt.

Daher ist der Titel zu ROBERT PEHRSSON´s derzeitigem Output schlichtweg passend. Wer dieser PEHRSSON ist? Keine Ahnung. In der Pressemitteilung stehen ein paar Namen mit denen er gearbeitet hat, die mir aber überhaupt nichts sagen und daher auch nix zur Sache tun. Warum auch? Scheiß egal woher der Typ kommt. Meiner Meinung nach sollte der weitere Weg ihn aber definitiv ganz weit nach oben führen. Der Schwede, der eigentlich aus dem Thrash und Death Metal kommt, legt hier eine Platte vor, die einfach nur genial ist. Klar, total Siebziger, das hört man sofort, aber so unfassbar gut gemacht. THIN LIZZY, UFO, THE KNACK, DEEP PURPLE und sogar KISS Anleihen sprudeln einem aus den Lautsprechern entgegen, aber es klingt dennoch nicht nach Kopie.
Gemeinsam mit anderen Musikern wie Olle Dahlstedt (ENTOMBED) und Robert Eriksson (ex-THE HELLACOPTERS) hat PEHRSSON mit Songs wie „Haunt My Heart“, „Serious“, „Running For Shelter“ oder „Wasted Time“ exzellente Kompositionen aufgenommen, die mich die Platte bereits drei Mal hintereinander haben hören lassen. Ich kann keinen speziellen „Hit“ empfehlen, denn diese Platte ist an sich ein Hit!

Vintage Sound, dicke, authentische Drums, rollende Bässe, fantastische Soli und sehr guter Gesang, dazu ein geschicktes Händchen beim Arrangieren und eine mehr als nur gute Scheibe feiert ihre Geburtsstunde. 'HUMBUCKER' avanciert zu meiner derzeitigem Lieblingsscheibe. Ist Retro, ohne alt zu klingen. Klingt schon wie, aber nicht nach. Klingt schlichtweg fett. Vor allem der Sound ist geil – ich hab nichts gegen Kompression, aber hier atmet die Musik noch. Hier “mumpfelt“ der Sound stellenweise noch ein bisschen (sonst wäre es auch nicht wirklich 70er) und die Vocals kippen an wenigen Stellen fast aus der Intonation. Aber genau das macht 'HUMBUCKER' so ehrlich und erfrischend. Es könnte genauso gut eine Live-Plattte sein.

Ich weiß nicht, ob ich die Höchstpunktzahl geben sollte. Der LIZZY und PURPLE Einfluss fällt (mir) schon auf. Das ist aber auch schon alles an Kritik. Denn auch wenn die Einflüsse klar herausstellbar sind, kann man PEHRSSON nicht Plagiat vorwerfen. Höchstens freie Adaption.
Große Bands bekommen so oft gute Bewertungen nur auf Grund ihres Namens oder ihres Labels, dass wie eine Mutti mit einem schimpft, weil man den Buben mit seiner Rezension Sand in die Augen geschmissen hat, dass es eigentlich auch nur fair ist, einem Unbekannten die angebrachte Punktzahl zu geben oder? Ich liebe Musik – vor allem wenn sie gut ist. Da ist mir das Lager schnurz und auch der Erfolgsstatus der Band, und wenn Musik im Ohr des Betrachters liegt, beziehungsweise ein subjektives Geschmacksempfinden ist, dann sollte ich nach meinem Bauch gehen und alles geben, was ich geben darf/kann. Ob jemand diese Meinung mit mir teilt? Ist mir egal. Sollte meiner Auffassung nach auch so sein – „unabhängig immer, neutral nimmer“ (ist nicht von mir).


Tracklist:

1.Haunt My Mind
2.Serious
3.Keep Me In Your Heart
4.Can't Change
5.Running For Shelter
6.Wasted Time
7.Mesmerizing Shadows
8.Who Else Is On Your Mind
9.Falling Into Darkness

Alte Kommentare

von RockOn 21.11.2013 21:12

Finde auch fett. Hat mich echt überrascht die Platte!

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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