Plattenkritik

Rocky Votolato - Suicide Medicine

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Release Date: 01.01.1970

Rocky Votolato - Suicide Medicine

 

Es ist nahezu eine Schande, dass der Name Rocky Votolato hierzulande ein unbeschriebenes Blatt ist, wenn man von ehrlicher Songwriter Musik mit dem Herz auf der Zunge redet. Mister Votolato hat unlängst auf seinen 3 (?) diesjährigen Deutschland Shows bewiesen, was für ein großartiger und sympathischer Musiker er ist, und wie man es schafft durch Minimalaufwand eine Menschenmenge von etwa 150 Menschen den Atem zu nehmen. “Suicide Medicine“ ist nicht mehr wirklich neu und war meiner Meinung auch schon über Hometown Caravan zu erhalten, aber wird jetzt via Sore Point Records ein weiteres Mal veröffentlicht.

Wer den Waxwing Mastemind kennt, – ob nun mit Band oder ohne – weiß, dass es für ihn ein leichtes ist sein Seelenleben, in bedächtiges und nachdenkliches Songgut zu projezieren. Der Kopf ist immer leicht gesenkt und starrt auf den Boden, aber erhebt sich des Öfteren um die nahenden Sonnenstrahlen zu empfangen, um diese in Hoffnung auf Besserung zu wandeln. Textlich dreht sich die weitergeführte Rocky Votolato Saga hauptsächlich um sein Leben (mit seiner Frau), die sich ihm immer wieder in den Weg stellenden Probleme, und Vergangenheitsbewältigung. Die neuen Songs stehen ganz in der Tradition der beiden Vorgängeralben „Burning My Travels Clean“, dem selftitled Album und den diversen Kleinformaten, aber sind etwas weniger verspielt und weisen klarere Strukturen auf, die sich sofort in des Hörers Ohr und Herz bohren. Besonders die Songs „Alabaster“ und „Suicide Medicine“ gehen sofort nahe und bringen eine fragwürdige Wärme zwischen Selbstzerstörung und Geborgenheit mit sich. Ach was rede ich; jeder Song weist diese Charakteristik auf. An schwachen Tagen wie diesem trostlosen Sonntag muss ich bei Hörgenuss dieses Albums mit den Tränen kämpfen, und der Telefonhörer liegt auch schon wieder neben mir und will angefasst werden. Der Name „Suicide Medicine“ ist etwas irreführend, denn was für Herrn Votolato Therapie in Form von „Sich Dinge von der Seele schreiben“ ist, ist für den Hörer eine Kraft und Nerven zerrende Achterbahnfahrt der Gefühle, die eher dazu verleiten lassen das zweite Wort im Albumtitel einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Unterirdisch tiefe Melancholie! Ich liebe diesen Mann, der mich nunmehr seit 2 Jahren begleitet und mir sowohl in verdammt miesen und aussichtlosen Situationen, in denen mir Zweifel über den Kopf wuchsen, aber auch in Stunden des Glücks und der Hoffnung zur Seite stand. Vielen, vielen Dank!


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Werner

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