Plattenkritik

Sailing On - EP

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Release Date: 03.07.2010
Datum Review: 22.09.2010

Sailing On - EP

 

Es ist ja nun wahrlich nicht so, als wäre der deutsche Hardcore eine brachliegende Angelegenheit. Ganz im Gegenteil. Allein in den letzten Monaten gab es mit dem GOLDUST-Album und der neuen AYS zwei wirklich großartige Platten zu hören, die ordentlich Staub aufgewirbelt haben. Ohne lange Überleitung daher die These: die deutsche Hardcoreszene ist fast schon zu stark besetzt!

Anders lässt es sich nicht erklären, warum eine Band wie SAILING ON ein Demo rausbringen kann, welches mit zu den stärksten Veröffentlichungen im gesamten Genre dieses Jahr gehört. Nur großartig mitgekriegt hat's keiner. Das Fragezeichen über dem Kopf wird nicht kleiner, wenn man sich anhört, was die Band innerhalb der knapp 12 Minuten, die dieses erste Lebenszeichen andauert, da zusammen spielt.

Leicht crustig, ziemlich melodisch, zugleich aber auch mächtig wütend und reichlich melancholisch gehen die Karlsruher zu Werke und sparen dabei weder an lyrischer noch an musikalischer Dringlichkeit. Doch nicht nur die Instrumenten-Fraktion leistet ausgesprochen überzeugende Arbeit. Auch an der Vocalfront gibt es nix zu meckern. Heiseres, angepisstes Geschrei dominiert, unterbrochen von gelegentlichen Gangshouteinlagen.

Es ist erstaunlich, wie sehr SAILING ON schon auf dieser ersten EP den Eindruck suggerieren, dass sie wirklich haargenau wissen, wohin sie musikalisch wollen und wie sie dieses Ziel auch erreichen können. Unterstützend kommt hierbei auch die überaus druckvolle Produktion dazu, die weit jenseits von typischem Demosound liegt, sondern vielmehr sowohl den ruppigen Charme der Songs als auch die ausgesprochen songdienlich eingesetzten Melodien vorzüglich einfängt.

Was bleibt ist eine Band, die mehr als nur das Potenzial hat, schon alsbald zur oberen Liga im deutschen Hardcore zu gehören. Auch live macht das alles einen schon ziemlich ausgereiften Eindruck, wie man vor ein paar Monaten im Zuge des New Noise Festivals in Karlsruhe sehen konnte. Überhaupt: Mit Karlsruhe muss man rechnen. Egal ob die Band KAISHAKUNIN, ENDE/AUS oder wie in diesem Falle SAILING ON heißt, sie alle eint eine Affinitiät sowohl zu Melodie als auch absolut aufrichtig dargebrachter Wut. Da wird was draus! Gesetzt dem Fall, die Band löst sich nicht sogleich wieder auf. Im Hardcore weiß man das ja nie so genau...

P.S.: Die EP kann man übrigens auf der Myspace-Seite der Band kostenlos herunterladen. Bestellen ist aber auch möglich. Lohnt!

Alte Kommentare

von axt 25.11.2010 17:27

richtig gut!

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Manuel F.

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Eher so der Kumpeltyp.

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