Plattenkritik

Samiam - Trips

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Release Date: 07.09.2011
Datum Review: 26.08.2011

 

They’ve been away for so long… Aber jetzt sind sie ja wieder da. Irgendwelche Kurskorrekturen im SAMIAM-Kosmos? Wir denken: jein. Das legendär hässliche Cover (hatte die Band jemals ästhetische Artworks?) kann es auch nicht verhehlen: SAMIAM stehen immer noch so halb auf der Sonnenseite des Lebens. „Trips“ ist sogar erfrischend straight geraten.

Und selbst diese, aufs Äußerste zielende Frage, beantwortet der leicht untersetzte Typ mit der übergroßen Hornbrille, den abgewetzten Doc Martens, den raspelkurzen Haaren und diesem Gewinnerlächeln, wie es eigentlich nur Menschen draufhaben, die auch wissen, wie es ist, haushoch zu verlieren, mit schonungsloser Ehrlichkeit: „The last time I cried was when we were in the studio recording Clumsy. For one, I was upset that the song we were recording, ‚Stepson‘, got cut down.“ Der Interviewte, Jason Beebout natürlich, weint also, weil einer der bewegendsten, sich in seinem emotionalen Klimax nahezu unerreicht weidenden Songs über die der-Stiefpapa-ist-ein-Riesenarschloch-Thematik, um anderthalb Minuten gekürzt wurde. Von irgendwelchen Plattenfirmenmenschen. Er sei sich im Nachhinein, naturgemäß, total bescheuert vorgekommen, vor all diesen Leuten, die da rumstanden in diesem Studio, die ihn anstarrten: „It was like a total cliché, like I was Bono or something.“ Keine Bange, Kopf hoch Jason, wir kaufen dir das durchaus ab. SAMIAM retten bisweilen Leben, nicht die Welt.

Siebzehn Jahre später und SAMIAM haben sich zum wiederholten Male zusammengerauft. Jason Beebout und Anhang sagen ja zum Leben. Die Pausen, das Aufrappeln, das schwere Erbe der unübertreffbaren Klassiker. Und Charlie Walker (SPLIT LIP/CHAMBERLAIN, NEW END ORIGINAL) wäre als relativer Neuzugang am Schlagzeug auch dabei. Vergessen der latent rumpelige Charme des nicht unumstrittenen Vorgängeralbums, die Schuhkartonproduktion. Aufgenommen wurde "Trips" nämlich – Achtung: Ironie der Bandgeschichte – im Studio von Billie Joe Armstrong. Und dann immer wieder diese Randnotizen, die davon zeugen, dass das Leben mit manchen einen anderen Plan hat: GREEN DAY (das sind die mit diesen Punkrock-Opern) spielten zu Beginn ihrer MTV-Punk-Karriere in versifften Basements vor SAMIAM. Kaum zu glauben eigentlich.

SAMIAM scheren sich nicht um diese Volten. Alles graue Vergangenheit. Sie reißen sämtliche Fenster auf, lassen untätowierte Arme aus selbigen baumeln, geben gemächlich Gas und nennen das dann '80 West' oder 'Clean Up The Mess'. Die Eckdaten, also happy-sad Schulterklopfmusik versus dringlich-schnörkellose Bay Area-Punk-Smasher mit massig Popappeal (bisweilen auch vereint in einem Song) wären damit zielführend abgesteckt. Wobei vor allem 'Clean Up The Mess' den Hymnentest besteht mit gedoppelten Chören und dezenten BEACH BOYS-„Whoooohoooos“ im Hintergrund. Dauergrinser Sergie Loobkoff schüttelt und klopft sich wieder simpel-melodische Dinger aus den dürren Ärmchen, die vielleicht nicht mehr so sprachlos machen wie früher aber dafür alles gut. Vieles klingt beinahe beiläufig, nie langweilig jedoch, so als habe die Band mal eben kurz die Luft angehalten und dann einfach losgeprustet. Aufgedrängt haben SAMIAM sich ja selten. Große Momente gibt es dennoch zuhauf. Da haben wir diese Gazevorhang-Gitarren im fantastischen 'Demon', ein musikalischer Gegenentwurf seines Titels – und dann wieder doch nicht. Oder 'El Dorado', das sich inhaltsschwer mal eben fünf Minuten Zeit lässt, tiefer geht als das meiste auf "Trips" aber (natürlich) nie die Schwere eines Songs wie 'Time By The Dime' erreicht. Was uns nicht schert. Weil SAMIAM ihre wahren Klassikeralben halt bereits geschrieben haben. Und 'Trips' mit seinen Nuancen wie dem BEATLES-Moment 'Happy For You' so verdammt gut geworden ist, wie man erwarten durfte. 'Stepson' wurde dann übrigens doch nicht ganz so radikal gekürzt. Weinen muss hier also niemand mehr. Nein, diese Zeiten sind vorbei.

Tracklist:

01: 80 West
02: Clean Up The Mess
03: September Holiday
04: Demon
05: Crew Of One
06: Over Now
07: How Would You Know
08: Nightly
09: Free Time
10: El Dorado
11: Magellan
12: Did You Change
13: Happy For You

Alte Kommentare

von jensen 26.08.2011 23:17

Ich freue mich so drauf. Und jetzt noch mehr, weil ich weiß, dass endlich wieder alles gut geworden ist. Zu den Covern: "Soar" ist doch zum Beispiel völlig okay und das gesamte Artwork der "Astray" finde ich jetzt auch nicht so schlecht. Das neue ist allerdings bescheuert, da stimme ich zu.

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René

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