Plattenkritik

San Angelus - Soon We'll All Be Ghosts

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Release Date: 26.09.2014
Datum Review: 02.10.2014

San Angelus - Soon We'll All Be Ghosts

 

Manche sich aus der Vergangenheit in die Gegenwart abzeichnende Schatten sind oder scheinen zumindest groß und zugleich beängstigend unüberwindbar, lassen Sie doch eine Erwartungshaltung aufkeimen, deren Befriedigung nicht selten unter einem Wust von Angst, Orientierungslosigkeit und Hemmungen begraben bleibt.

Dabei erotisieren – zumindest bei meiner Wenigkeit – Namen wie PELICAN oder auch SPARMARKER wie ein Rasenmäher am frühen Samstag Morgen: wenig bis gar nicht! Klar, schön zu wissen, dass die Musiker von SAN ANGELUS auch bereits eine gewisse Vita aufweisen können, ein musikalisch ansprechender Lebenslauf wäre allerdings vorteilhafter gewesen bei der Bewerbung um einen der vordersten Ränge in den Lesercharts. Vorschlag zur Güte: wir ignorieren geflissentlich das für den Pressemumpitz bereitgestellte Pamphlet und kommen direkt zur eigentlichen Farce, die da lautet: SAN ANGELUS bieten auf ihrem Debüt spannende und auch leidenschaftliche Musik.

Doch Stopp! Lasst uns zunächst bitte eine Schublade öffnen, in die wir die Band verstauen können. Hier und da ist von Alternative oder auch Post-Hardcore zu lesen. Wenn es sein muss, bitteschön. Schublade auf, Band rein, Schublade zu und schnell noch den Sticker “Parental Advisory! Crushing Boredom“ angepappt. Ist das fies? Mitnichten, denn Alternative oder auch Post-HC haben durchaus sehr leidenschaftliche Musik zu bieten, nur leider hat das dann nichts mit der vorliegenden Langrille zu tun.

Einzelne Songs herauszupicken aus diesem plätschernden Sog der Lethargie ist so gut wie unmöglich; zwar trauen sich die Gitarren hin und wieder kleinere unscheinbare Akzente zu setzen und auch das Drumming wirkt zumindest teilweise engagiert, aber der wirklich unterirdische Gesang zerstört mit einem nicht mehr erträglichen Geleier jeglichen atomar aufkeimenden Spannungsbogen. Überhaupt sollte man für den Herrn am Mikrofon eine Crowdfunding-Kampagne starten und ihm davon zumindest einige Stunden Gesangsunterricht finanzieren. Und am Besten den Tontechniker, der die Vocals aufgenommen hat, gleich mit hinzu packen, denn entweder war der gute Mann an den Reglern taub, besoffen oder es war ihm schlicht total egal, weil sein Schmerz monetär abgegolten wurde. Eigentlich unfassbar, aber so geschehen auf diesem Gourmet-Happen.

Fassen wir also zusammen: SAN ANGELUS servieren auf ihrem Debüt Interludes, normale Songs und einen instrumentalen Song (oder waren es doch zwei? Oder drei?), die allesamt musikalisch derart mitreißend sind, dass die Leidenschaft schier unerträgliches Leiden schafft. Wer es schafft, dieses Album in einem Stück ohne narkoleptische Anfälle durchzuhören kann sicherlich auch übers Wasser gehen oder Selbiges zu Wein verwandeln. Dann aber bitte bei mir melden, denn nach Wein dürstet es mich nach dieser Anstrengung doch sehr. Und nach Vergessen.

Tracklist:
1.One Hand On The Wheel
2.Enslin
3.Splitting Differences
4.Interlude
5.For What It's Worth, It's Already Broken
6.Ad Astra Per Aspera
7.Break The Stars
8.All Bets On The Slow Kids
9.The Best I Can Do For You
10.Without You...(I Am Everything You Said I'd Never
11.Uncomfortable Silences
12.Waiting For Accidents To Happen

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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