Plattenkritik

Satellite Stories - Phrases To Break The Ice

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Release Date: 21.09.2012
Datum Review: 14.09.2012

Satellite Stories - Phrases To Break The Ice

 

Es gab eine Zeit, da wurde Indie süßer, poppiger und tanzbarer. Zu schnell ging hierbei der Trend aber in Richtung computergenerierter Sounds, um die Quietschigkeit des Gesamtkonstruktes und damit die vermeintliche Tanzbarkeit zu erhöhen. Nur wenige Bands schafften es diese Trendwelle nicht surfen zu wollen und zu müssen und bodenständig zu bleiben. KAKKMADDAFAKKA oder RETRO STEFSON erlagen dem Trend als neue Bands, wurden zwar zu Recht abgefeiert, aber irgendetwas ging doch verloren. Tanzbarer Indie kann doch auch ohne Fiepen, Quietschen und Dosenbeats funktionieren. Oder? JA!

Sehr erfreulich, dass es Bands wie SATELLITE STORIES eben ohne viel Schnickschnack schaffen, die Tanzbeine zu motivieren. In kleinen finnischen Dörfern ist es im Winter zwar lange dunkel, dennoch scheint man das Abfeiern nicht vergessen, sondern vielmehr zu perfektionieren zu wissen. So kann man auf den von ihnen kreierten leichten aber nicht belanglos klingenden Gitarren- und Bassläufen getrost und leichtfüßig in den Herbst tanzen.

Ebensowenig wie auf Computer müssen SATELLITE STORIES auf andere Musikstile zur Anreicherung ihrer Klangbreite zurückgreifen. Es reichen die vorhandenen Spielarten des klassischen Indiepops. So ist ihnen eine reine, wunderbare Indieplatte gelungen, die auf Anhieb den Weg in die Gehör- und Tanzgänge findet. Hatte man ja auch schon lange nicht mehr in der Rotation. "Mexico" kann mit Mandolinen und unsortiert wirkenden aber sympathisch tönenden Bläsern FRISKA VILJOR die Hand reichen. "Helsinki Art Scene" hört sich so leicht an, dass man gar nicht an endlose wirkende finnische Winternächte denken mag (textliche Parallelen zu Kettcars "Schrilles buntes Hamburg" lassen die Herzen sich die Hand reichen). Der Überhit "Sirens" wurde bereits ausgekoppelt und zeigt dass Hitpotential durchaus auch über markante Gitarren verfügen kann und Mitsingen nicht gleich Hitparade heißen muss. Etwas anderes bleibt einem spätestens beim zweiten Hören dieses Songs nämlich eh nicht übrig.

Tanzbare Rhythmen, klare, treibende, rastlose Gitarren, melodische Bassläufe, Stopps an den richtigen Stellen um nochmal Luft zu holen vor dem totalen Abzappeln. SATELLITE STORIES laden wahrhaft zum Abschütteln allen Überflüssigen ein, ohne peinlich zu wirken oder etwas ins Lächerliche ziehen zu müssen. Sie klingen nach einem Herzen voller Spaß und Bewegungsdrang. "Foreverest" bildet da die obligatorische Ausnahmeballade.

Briten wären für diesen Stil zu gut erzogen, doch in Skandinavien scheint man zu wissen, dass man die Feste feiern muss, wie sie fallen. Man darf auf die Livekünste gespannt sein. Und beim nächsten IMMERGUT dürften sie auf keinen Fall fehlen.

Tracklist:
1. Anti- Lover
2. Kids Aren´t Save In The Metro
3. Mexico
4. Helsinki Art Scene
5. Costa Del Sol ´94
6. Foreverest
7. Blame The Fireworks
8. Sirens
9. Family
10. Come Back Conversation

Autor

Bild Autor

Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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