Plattenkritik

Set It Off - Duality

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Release Date: 14.10.2014
Datum Review: 23.10.2014

Set It Off - Duality

 

Fuer Schwiegermama beginnt der Alptraum bereits beim Artwork. Niedlich, wie diese junge Band aus Tampa, Florida sich hier gibt. Dabei haben es die Scheitelpopper faustdick hinter den Ohren und wollen das auf "Duality" mit allen Mitteln, viel weniger (Punk?-)Rockwurzeln und um jeden Preis beweisen.

Mit dreikoepfigem Produzententeam im Nacken geht es den elf Songs also an den Kragen. Dabei moechte man von Seiten des Formatpop am liebsten alle Luecken schliessen anstatt bloss den Initiatoren im Kleinbus hinterherzureisen. Zumindest liesse sich dieser Eindruck nach dem eindeutigen "The Haunting" ableiten. Die Comic-Dramatik von MY CHEMICAL ROMANCE durchzieht den Opener genauso eins zu eins wie sich "N.M.E." eine Spur zu tief vor aktuellen FALL OUT BOY verbeugt. Die Produktion ist derartig gespickt mit synthetischen Streichern, perfekt zusammengetriggerten Drums und bewaehrten Glockenspiel-Keyboards, dass sie einem splitternackten Namedropping nicht entkommen kann. Die Kinderchoere neben den eher blauaeugig-verspielten Vocals von Cody Carson machen vielleicht die ersten Reihen im "Warped Tour"-Autogrammzelt voll, klingen auf "Duality" aber mehr als einmal zusammengepanscht und larifari. Waere da nicht dieser klebrige Pomp, der "Why Worry" anhaftet wie die Stump/Wentz-Duftmarke. Oder diese elektronisch glattradierte "Arme-in-die-Luft"-Garantie namens "Bleak December", die bis auf ihre Schimpfwortausfaelle keinerlei Pulsmoment beinhaltet. Das konnten SET IT OFF aus dem (eben noch) Jugendzentrum gar nicht von Null erschaffen. Brandon Paddock (u.a. AVRIL LAVIGNE, PANIC! AT THE DISCO) , Tommy English (WE ARE THE IN CROWD, BLITZ KIDS, WE CAME AS ROMANS) und Matt Appleton (u.a. GOLDFINGER) bilden da den perfekten Background.

"Ancient History" bringt die Seichte von SILBERMOND und die Naivitaet von POWERSPACE an einen Tisch, "Wolf In Sheep’s Clothing" sogar William Beckett ans Gastmikrofon. Dem Regler-Tetris des Nachfolgers zu "Cinematics" haetten ihrer Zeit nicht mal dessen THE ACADEMY IS... standgehalten - und auch Carson und Co. haben mit der Gewichtung ihres zweiten Albums zu kaempfen. Der Titelsong gaehnt nebst Handclaps und Kopfstimme, und "Tomorrow-uuh-oh-oh-oh-ohuu" haengt bereits nach den ersten zehn Sekunden wie ein spitzer Brotkruemmel im Hals fest. Apropros "Fest": sicher laesst sich es sich zu "Forever Stuck In Our Youth" frech und losgelassen feiern und spaeter zu "Miss Mysterious" toll und ehrlich schmollen. Wer keine Einladung zu "Duality" erhalten hat - nicht verzweifeln: Partys wie diese haben andere schon zuhauf geschmissen. Und sind am naechsten Morgen wieder aufgestanden.

Trackliste:

The Haunting
N.M.E.
Forever Stuck In Our Youth
Why Worry
Ancient History
Bleak December
Duality
Wolf In Sheep’s Clothing
Tomorrow
Bad Guy
Miss Mysterious

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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