Plattenkritik

Sevendust - Alpha

Redaktions-Rating

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Release Date: 21.12.2007
Datum Review: 24.01.2008

Sevendust - Alpha

 

Ist Nu-Metal im Jahre 2008 ein Anachronismus? Ist Metalcore der neue Nu-Metal, quasi "New Nu-Metal", wie Kollege Utecht es in seinem Jahresrückblick prophezeite?! Ist Hardcore in seiner Gesamtheit heutzutage immer noch glaubwürdiger und integrer als das, was Bands wie KORN, die DEFTONES (wenn man sie diesem Genre zurechnen möchte) oder LIMP BIZKIT Mitte der Neunziger kreierten??! Fragen über Fragen. Fakt ist jedoch: Nu-Metal ist ein streitbares – manch einer würde behaupten belangloses – Genre. Was dereinst von Ross Robinson und Co. als Frischzellenkur für eine vor sich hindümpelnde, sich ständig selbstzitierende Musikrichtung gedacht war, trug im Laufe ihrer Entwicklung immer abstrusere Züge. Und teilweise erhärtete sich der Eindruck bestimmte Bands führten mit dem Popularitätsschub des Genres einen Wettbewerb, wer von ihnen es als erste in die Vorhölle der anatomisch aufgepimpten Blasehasen schaffte, in welcher der graumelierte, viagra-verstärkte Oberguru stets lediglich einen Bademantel trägt. Steigt man von seinem hohen Pauschalisierungsross und versucht ausschließlich die Musik auf sich wirken zu lassen, fällt das Ergebnis leider nicht viel positiver aus.

"Alpha" ist ein überdick produziertes Album vollgestopft mit muskelbepackten Riffs, tiefergelegtem Bass, sporadischen "abgefahrenen" Elektronik-Spielereien und im Booklet wurde auf sterilem Weiß massig Blut verspritzt. Selbst, wenn man den Bass an seinem Verstärker fast komplett runterdreht, wackeln die Wände. Nur rühren tut sich nichts. Und genau hier liegt das Problem mit SEVENDUSTs mittlerweile sechstem Studioalbum: Es wird tief in die Trickkiste des aufpolierten Metals gegriffen, die wahren Emotionen scheinen während das Aufnahmeprozesses jedoch verloren gegangen zu sein. Hinzu gesellen sich holzschnitt-artige Texte, welche heutzutage (leider) auch im Hardcore vielerorts zum guten Ton gehören. Lediglich Lajon Witherspoons markant-"souliges" Organ – immer schon Aushängeschild der Band - vermag Kontrastpunkte zu setzen auf einer Platte, welche ansonsten vollends in die Belanglosigkeit abdriften würde. Exemplarisch für die Uninspiriertheit steht bereits das Albumcover – ein unverhohlenes Derek Hess-Rip Off, wobei der Künstler Hess immerhin als Einfluss benennt. Das komplette Klang- und Artworkbild gemahnen somit insgesamt eher an die frisch desinfizierte Arztpraxis von nebenan. Irgendwie beschleicht einem bei diesem Geruch ein Gefühl des Unbehagens…


Tracklist:

01: Deathstar
02: Clueless
03: Driven
04: Feed
05: Suffer
06: Beg To Differ
07: Under
08: Story Of Your Life
09: Confessions Of Hatred
10: Aggression
11: Burn
12: Alpha

Bonus Tracks:

13: The Rim
14: Abuse Me

Alte Kommentare

von ballou 24.01.2008 15:42

DIE DEFTONES SIND KEIN NU-METAL. Und sie sind bestimmt glaubwürdig, authetisch und kreativ.

von René / allschools 24.01.2008 16:27

Das hab ich bestimmt nicht in Abrede gestellt. Bin seit der "Adrenaline" großer Fan. Sie wurden jedoch oft - vielleicht auch aufgrund der damaligen Freundschaft zu KORN - in diese Schublade gesteckt. Daher auch der Zusatz in Klammern...

von FKK 24.01.2008 16:30

Geiles Cover

von MUnkvayne 24.01.2008 17:04

alpha war bzw. ist wieder besser als die schwache next. mit krachern wie z.b. der animosity aber nich zu vergleichen. von daher bin ich mal auf die neue scheibe welche im april kommen wird gespannt!

von the elephant 24.01.2008 19:17

@ Ballou Deine Aussage steht für die Aussage vieler Leute die NuMetal einfach nur Scheisse finden und nur Casting-Bands in deren sehen. Alles was gut ist "kann" nicht NuMetal gewesen sein. Dabei ist die "Adrenaline" aber vor allem die "Around The Fur" mit den gleichen Elementen versehen wie viele Leute an die Erweiterung/Weiterführung/Fortschritt von Crossover erinnert = NuMetal genannt. Ich möchte damit keinesfalls behaupten das Deftones eine Vorzeige-NuMetal-Band waren - dennoch - mit den ersten 2-3 Releases passt denke ich vieles in die Schublade rein. Am krassesten hört man das in dem Song "Back To School", der zwar im nachhinein von den Jungs als Fehler bezeichnet wird - aber dennoch - es ist wie es ist. NuMetal hat irgendwann angefangen - oft heißt es mit der "Burning Red" von Machine Head. Dabei werden allerdings auch Bands wie zB Korn, Limp Bizkit, Incubus zu Zeiten von "S.c.i.e.n.c.e", Spineshank oder Slipknot und in der Neuzeit Linkin Park. Wenn man sich alle Bands mal anhört zu deren Zeiten von 1999 bis 2002 - da klingt das nicht 5 verschiedenen Musikrichtungen - und dennoch wurden alle unter einem Banner, NuMetal, promotet. Ob du das jetzt wahrhaben willst oder nicht. Das hat nichts damit zu tun ob ich Deftones mag (und verdammt ich mag sie sehr) - sondern einfach damit, das ich solche Aussagen nicht nachvollziehen kann. Nicht alles was NuMetal genannt wurde war Scheisse. Aber vielleicht kannst du mich vom Gegenteil überzeugen, wenn du mir klar erklären kannst wie sich NuMetal deiner Meinung nach definiert. Den meiner Meinung nach war das ein Wort für eine Welle von Bands und es wurde vieles in den Topf geschmissen. Es gibt einige Riffs - die ich persönlich zu NuMetal zählen würde - die spielen aber auch Bands wie Fear Factory (zB Lichpin) oder Bury Your Dead, Scars Of Tomorrow,... Und zu dem Sevendust-Cover: Das ist schon sehr assig und einfach nur geklaut. 1:1 Kopie - bis auf die Bluttropfen, die total scheisse aussehen. Sorry für den langen Text.

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René

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