Plattenkritik

Shining - VI - Klagopsalmer

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Release Date: 15.06.2009
Datum Review: 03.08.2009

Shining - VI - Klagopsalmer

 

Einer der außergewöhnlichsten Black Metal Kapellen der letzten Jahre, oder sagen wir: Jahrzehnte, kommt aus Schweden. In der Szene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, werden Shining auch vermehrt für Anhänger anderer Musikstile interessant. Black Metal goes Easylistening also? Weit gefehlt.

Kvarforth ist ein Spinner. Oder zumindest ein guter Schauspieler. In Interviews propagandiert er Suizid und Gewalt, lässt sich auf Deutschlandtournee schon mal mit eingeritzten Hakenkreuz blicken lassen oder lobt einen Auftritt als Ideal, bei dem sich möglichst viele Menschen verletzt haben – und er dabei in höchstem Elan die Bühne vollkotzt. Seiner Musik tat dies jedoch nie einen Abbruch, denn statt sich hier auf Oberflächlichkeiten zu Besinnen oder sie einfach als Mittel zum Zweck zu gebrauchen, bleibt dieser fortgehend ambitioniert. Und konnte man den Erstlingswerken noch eher das Prädikat „Soundwand“ (was ja auch nicht schlecht ist) zuordnen, so ist spätestens ab „IV – The Eerie Cold“ eine gewisse musikalische Fragilität und Dynamik zu vermelden. Der nun sechste Teil der Shining-Saga führt diese Ambition fort und lässt spätestens hier die Black Metal Vergangenheit weitestgehend hinter sich – auch, wenn es immer noch das alte Feeling ist.

Die Machtergreifung seitens akustischer, fast schon progressiver Elemente ist längst vollzogen und das alte Black-Metal-Gewitter dient höchstens noch zum Zwecke des Kontrastprogrammes und der gewissen Dynamik. Man bemüht sich um höchste Homogenität, und da man diesen völlig gelösten und uneinzuordnenden Stilmix nicht erst seit gestern zelebriert gelingt er selbstverständlich auch hier. Man ist mutig: Und scheut nicht mal einer ungewohnt eingängigen, da mit Refrain versehenen Nummer wie „Fullständigt Jävla Död Inuti“ – oder einen epischen, siebzehnminütigen Finale, mit unzähligen Facetten, Wendungen und Schönheiten, die im Detail liegen. Auch wie immer markant bleibt das Solospiel, welches immer noch durch seine teils rockige, teils harmonische, teils aber auch fast schon an Slayer erinnernde Art den Nummern einen gewissen Wiedererkennungswert gibt.

„Klagopsalmer“ versprüht natürlich noch immer dieses gewisse Unbehagen, und selbstverständlich passt die leicht plakative Suizid-Schublade auch hier. Jedoch ist „Klagopsalmer“ nicht wie seine Vorgänger eine pure Depression, ein tiefes, schwarzes Loch; es ist vielmehr ein Wechselbad der Gefühle. Und es sind nicht mehr nur noch negative Emotionen, ja, Shining wirken zuteilen ungewohnt nett und optimistisch – so zumindest meine Interpretation. Ob das allen Fans schmeckt, ist eine andere Frage; atmosphärisch – und vor allem qualitativ überragend und unantastbar – bleiben sie jedoch auch auf ihrem sechsten Longplayer. Wer die neugewonnene Offenheit der letzten beiden Werke begrüßt oder gar gerade durch diese zu dieser Band Zugang gefunden hat, dürfte jedoch auch mit „Klagopsalmer“ so manch intensive Stunde verbringen, nein: erleben dürfen.

1. Vilseledda Barnasjälars Hemvist
2. Plågoande O'Helga Plågoande
3. Krossade Drömmar Och Brutna Löften
4. Fullständigt Jävla Död Inuti
5. Ohm - Skoj Att Leva
6. Total Utfrysning

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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