Plattenkritik

Silverstein - This Is How The Wind Shifts

Redaktions-Rating

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Release Date: 08.02.2013
Datum Review: 17.02.2013

Silverstein - This Is How The Wind Shifts

 

Auf ihrem letzten Album stand als letzter Track „When The Wild Wind Blows“. Wir sprechen hier natürlich von IRON MAIDEN, der allerletzten Bastion des originären Heavy Metals. Was hat das mit SILVERSTEIN zu tun? Nun, außer dass sie ihr 7. Album ähnlich feierlich gefühlvoll interpretationsfähig mit “This Is How The Wind Shifts“ betitelten, haben wir es bei den Kanadiern auch um eine Bastion zu tun. Über dieser thront in fetten Buchstaben Emo / Hardcore / Metal , und oft wurde versucht, diese zu erobern bzw. zu verunglimpfen, doch bisher ist es keinem gelungen, sie für sich einzunehmen. Wobei die Bastion gemeint ist. Denn die Band hat viele Anhänger für sich eingenommen, da sie es wie keine andere versteht, butterweiche, sehr poppige und mit einer Charakterstimme intonierten Refrains/Parts mit harten Shouts/Parts abzulösen und auch mal harsch neben sooooo süß zu stellen. Auch die Tempoverschiebungen, die Energie und das Gespür für griffige Hooks mithin von Geradlinigkeit haben sie zu einer Dauerinstitution im modernen Post-HC/Metal seit 2000 gemacht, die nicht mehr hinweggedacht werden könnte, ohne das einem ein Stück Musikherz fehlen würde.

“This Is How The Wind Shifts“ ist wieder ein Konzeptalbum (Stichwort "A Shipwreck In The Sand") mit dem roten Faden geworden, wie nur ein Ereignis das Leben eines Menschen für immer nachhaltig verändern kann. Alle Tracks des Albums durchleuchten diesen Event auf eigene Art und Weise, wobei dadurch alle textlich miteinander verwoben sind. Als im September 2012 die Band bekannt gab, dass Gitarrist Neil Boshart nicht länger Bestandteil des Quintetts sein werde, ging ein Raunen durchs Publikum, denn gerade sein unwiderstehliches Riffing machte oftmals den Unterschied. Aber gleich „Stand Amid The Roar“ zeigt, dass seine Trademarks auch vom neuen Mann an den Saiten, Paul Marc Rousseau, manifestiert werden. Und der Song ist ein typischer SILVERSTEIN, beherbergt er doch alles oben Gesagte und noch einen Schuss Dreckigkeit in Form von leicht angerotzter Härte. Auch „On Brave Mountains We Conquer“ zeigt sich von einer Geradlinigkeit in Sachen Aggressivität, die dem Album innewohnt. Ja, sie sind wieder härter geworden, allerdings nicht aufdringlich, sondern gut verpackt und dosiert. Zudem klingen die Shouts wieder räudiger und sind gemessen am letzten "normalem" Album wieder vermehrt aus dem Keller geholt worden. Bei dem bekannten „Massachusetts“ scheint dann Shane Told wieder die Sonne aus der Kehle und ohne wenn und aber gehört diese Stimme zum Besten, was das Genre Post HC/Metal (im weitesten Sinne) zu bieten hat. Auch „A Better Place“ und „Hide Your Secrets“ sind typische SILVERSTEIN Nummern, die auf der einen Seite gut rein- und auf der anderen relativ schnell wieder rausgehen, wobei das rein- auch nach diversen Durchläufen weder schmerzt noch zu Verunreinigungen führt.

Die erste größere Überraschung (neben der Wiederaufnahme der unscheinbaren Aggressivität) ist dann „In A Place Of Solace“, denn hier ist das tot zitierte Genre des Post HC/Metal endlich mal auch ohrenscheinlich Bestandteil der Tracklist geworden. Leicht apokalyptisch schwingen sie hier die Keule für all diejenigen, die sie bisher nur als belanglose Schönwetterfront kannten oder darauf reduzieren. „Wir können auch anders“ setzt sich dann sofort auch im Eröffnungsriffing vom nächsten Song fort und der Songs dreht einfach mal die ansonsten zelebrierte Reihenfolge um und die Bridge ist klar und der pre-Refrain shoutig, wobei der Hauptchorus dann beide hintereinander ran lässt. Auch ein alles anderer als zu erwartender SILVERSTEIN Song. „California“ beinhaltet dann genau das, was der Titel suggeriert und der Song macht aus deshal Spaß, weil sie das Tempo rausnehmen und im hinten liegen langsameren Part ihre Emo-Keule tätscheln. Wenn sie in "To Live and to Lose" nach langsamer Einleitung ausbrechen kratzen sie an der Genialität von „Discovering The Waterfront“, was bei der 14. Songs umfassenden Tracklist von “This Is How The Wind Shifts“ ein ums andere Mal der Fall ist. Die vorletzte Etappe ist dann ein mit Geschwindigkeitswechseln durchzogener Track, der einige Zeit braucht, um sich gerade in der Hookline zu erschließen. Das abschließende „Departures“ ist dann eine quasi-Zusammenfassung der Fülltracks Nr. 4, 7 und 11, kann, muss der Hörer nicht unbedingt haben.

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass SILVERSTEIN in ihrer momentanen Fassung nicht vor die Karre gelullert werden kann und dieses Album interessanter als z.B. „Rescue“ gestrickt wurde. Alle Nerds werden die Kanadier auch jetzt noch mit Verunglimpfungen brandmarken, alle anderen werden verdammt viel Spaß mit “This Is How The Wind Shifts“ haben.


Trackliste:

01."Stand Amid the Roar" 3:04
02."On Brave Mountains We Conquer" 2:36
03."Massachusetts" 2:57
04."This Is How" 1:23
05."A Better Place" 3:08
06."Hide Your Secrets" 3:57
07."Arrivals" 1:16
08."In a Place of Solace" 3:11
09."In Silent Seas We Drown" 3:30
10."California" 3:46
11."The Wind Shifts" 1:20
12."To Live and to Lose" 3:58
13."With Second Chances" 3:43
14."Departures" 2:33

Alte Kommentare

von für meine begriffe.. 18.02.2013 18:31

..leider viel zu clean und sauber gesampelt. aber das ist bei nahezu allen alben der heutigen zeit (leider) der fall. 7 von 10 sind gerechtfertigt, mehr aber nicht!

von Alex 19.02.2013 07:51

Das letzte album war schon sehr gut und bei weitem nicht mehr so weichgespühlt!

von Sascha 19.02.2013 14:46

Die Cover-Gestaltung eines jeden SILVERSTEIN-Albums ist der Hammer. Besonders, wenn man sich das in der Reihe anguckt. Ganz groß.

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Clement

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Ich fühle mich zu alt

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