Plattenkritik

Spaceman Spiff - ...und im Fenster immer noch Wetter

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Release Date: 18.04.2011
Datum Review: 18.06.2011

Spaceman Spiff - ...und im Fenster immer noch Wetter

 

Wenn Calvin mit den Bedrohungen des realen Lebens nicht mehr zurecht kommt, dann wird er zu Spaceman Spiff, hat ein supertolles Raumschiff mit Laserkanonen und all dem Schnickschnack, den es so braucht, um den bösen, außerirdischen Monstern mal ordentlich eines auf die Mütze zu geben. Calvin heißt in diesem Falle Hannes, kommt aus Würzburg, ist nun wohnhaft in Hamburg und wird von Zeit zu Zeit zu SPACEMAN SPIFF. Seine Laserkanonen sind geladen mit Worten und wundervoller Musik. Da könnte man nöhlen: „Oh, Schon wieder so ne studentische sentimentale Scheiße.“ Aber seien wir doch mal ehrlich: zwischen den ganzen Aufs- Maul- Schreihardcoreplatten findet sich auch immer so etwas wie LEONARD COHEN im Schrank und wenn sie sich in der zweiten Reihe versteckt. Man kann nicht immer nur schreien. Irgendwann ist man heiser und dann braucht man etwas Kamillentee und Salbeibonbons für die Seele. Womit wir wieder bei SPACEMAN SPIFF wären, der all dies zu bieten hat, zuzüglich Photonenkanonen gegen böse, außerirdische Monster. Wenn die roten Ampelmännchen die Arme öffnen, dann darf man stehen bleiben. „Einen Schoß zum Ruhen und ein wenig Zeit zum Atmen“, wie TOMTE schon wussten.

Ganz so puristisch ist SPACEMAN SPIFF ja auch gar nicht. Ganz im Gegenteil. Hannes´ Musik klingt teilweise als hätte er nicht nur eine Reise zu den inneren Worten gemacht, sondern auch eine nach draußen, mit dem Aufnahmegerät. Die Gitarre als dominierendes Instrument zwar und die Stimme, aber dahinter, daneben, davor, dabei eine Vielzahl von akkustischen Eindrücken aus der näheren Umgebung. Das Knirschen und Knacken des Lebens gebannt auf den Silberling, das Meeresrauschen ist eine Spülmaschine und erfüllt ihren Zweck ebenso. Melodica, Banjo, Cello, leises Schlagwerk, lautes Schlagwerk. Mal sich vor melancholischen Schmerzen auf dem Boden windend, mal heiter unterm Klavierkonfettiregen tanzend. Da verstecken sich Worte so scharf wie Scherenhände und Wortwitz im Schnee von gestern, der es leichter zu ertragen macht. GISBERT ZU KNYPHAUSEN hat die Vorzüge der Technik entdeckt, CLICKCLICKDECKER hat einen Schritt weiter gemacht, so ungefähr. Kryptischen Mist haben KETTCAR schon äußerst erfolgreich zusammengetextet. Es gibt viel zu entdecken in den Galaxien des SPACEMAN SPIFF. Bis zur Elbe sind es vielleicht nur drei Kilometer, doch bis in sich hinein dauert es länger. Vielleicht auch mal länger als 40 Minuten. … und hier drinnen immer noch ich.

Tracklist:
1.Straßen
2.Treibsand
3.Hamburg
4.Zeit zu bleiben
5.Mit Scherenhänden
6.Photonenkanonen
7.Schwarz Weiß
8.Elefanten
9.Irgendwo ist immer anders
10.Schnee
11.Ab heute immer jetzt

P.S.: Und einen Bonuspunkt fürs Artwork, das muss an dieser Stelle auch mal wieder gesagt werden. Rundes Ding.

Alte Kommentare

von Olivier H. 19.06.2011 16:18

schönes review zu ner schönen platte. den spaceman kann ich übrigens live jeden ans herz legen - wunderschön! (vor allem, wenn er instrumental nicht alleine auf der bühne steht)

von Jule 19.06.2011 16:32

merci! schau mal in die showreviewsektion, womit ich deine aussage auf jeden fall unterschreiben würde.

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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