Plattenkritik

Stone Sour - "The House of Gold & Bones Part II"

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 05.04.2013
Datum Review: 14.04.2013

Stone Sour - "The House of Gold & Bones Part II"

 

STONE SOUR preisen ihre neueste Veröffentlichung an: „House of Gold & Bones Part II“, das Folgealbum zu dem vorangegangenen „House of Gold & Bones Part I“, welches Teil eines großen Konzeptes ist, dass auch einen Comic beinhaltet und die Geschichte der Protagonisten visualisieren soll (wer mehr darüber erfahren möchte, sollte an dieser Stelle das Review zum Vorgänger lesen). Das Comic habe ich nie gelesen und bzgl. der Musikvideos nicht bewusst darauf geachtet, ob es dort Querverweise zur Geschichte gibt. Wäre vielleicht hinsichtlich der Beurteilung des Albums interessant gewesen. Die Musik kann aber ohne Zweifel auch ohne den entsprechenden Kontext beurteilt werden.

Und wie ist diese? Nun, ich fand auf „Audio Secrecy“ bereits den einen oder anderen Track, der sich mir nicht erschließen wollte. Nicht in musikalischer Hinsicht, sondern auf der affektiven Ebene. Bei „HoG&B I“ war es dann ebenso. Kontrovers die Aussagen Roots zu SLIPKNOTs „All Hope Is Gone“, dass er Thrash-Metal und Co. nichts mehr abgewinnen könne. Nun, man darf seinen Geschmack auch ändern, denn mit einigen Songs des Vorgängers ging man extrem in diese Richtung (siehe Review). Auf „Part II“ nun ist das wohl wieder Geschichte, wie die Aussage des Gitarristen. Natürlich macht es auch für mich Sinn auf Teil 2 nicht dieselbe musikalische Herangehensweise zu verfolgen, wie zuvor, doch ob diese Fortsetzung wie „Terminator 2“ einschlägt oder eher dem „American Pie“ Prinzip folgt (nämlich abwärts in der öffentlichen Wahrnehmung) lässt sich zu diesem Punkt noch nicht antizipieren. Aber ich für meinen Teil finde diese, ja, 'Post-Pop-Rock-Metal“ Scheibe zwar recht progressiv, aber ich kann nach dem ersten Hören nur zwei Songs ausmachen, die mir wirklich gefallen:
„Do Me A Favor“, ein moderner Rocksong mit einer eingängigen Hook, der zwar typisch für STONE SOUR klingt, somit auf jedem Album (mit Ausnahme des Debus) hätte erscheinen können, aber neben einem experimentellen Gitarrensolo alle angenehmen Aspekte dieser Band aufweist: Ein gewisser Grad an Härte, gepaart mit einem groovenden Drive und eingängigen Melodien.
Der zweite Song ist „The Conflagration“ - ebenso ein typisches Stück Musik für die Herren aus Des Moines, Iowa. Diese Powerballade weist oben genannte Aspekte auf und ist mit Sicherheit bereits als Single-Auskopplung geplant. Denn er geht unter die Haut (allein durch die stets wirksamen Streicher) und verbeißt sich (wie einst „Say You´ll Haunt Me“ oder das längst überhörte „Through Glass“) im Kurzzeitgedächtnis fest.
„Sadist“ fällt dann noch auf. Nicht nur wegen des aufmerksam machenden Titels, sondern auf Grund seines, ich nenne es mal 'theatralischen' Charakters, wodurch dieses Lied auch Teil einer Rock-Oper sein könnte.

Die restlichen Stücke folgen alle dem Schema eines Konzeptalbums, was hier der Definition folgt: „Hinsetzen, anhören, der Geschichte folgen“. Allerdings ist diese Platte isoliert betrachtet nicht eine dieser Scheiben, die dich an deinen Stuhl fesseln. Obwohl sich die Band alle Mühe gegeben hat einen Kontrast zu erschaffen, der dennoch alle (melodiösen, bzw. rockigen) Stärken des (mittlerweile nur noch) Quartetts aufweist. Aber „über den grünen Klee loben“ kann ich „House of Gold & Bones Part II“ noch weniger, als seinen Vorgänger. Gegen das latente Empfinden einer gewisse Eintönigkeit, die wenig mit dem tatsächlich anspruchsvollen Songwriting zu tun hat, kann ich mich nicht wehren. Auch nach dem zweiten Hören rauschen viele Songs einfach durch, was schade ist, will ich doch keineswegs die Arbeit der Band schmähen. Aber rezensieren heißt nun mal, auf subjektiver Grundlage ehrlich zu bewerten.

Corey Taylor ist einer meiner Lieblingsentertainer und Sänger. Ich war immer der Meinung das die Reunion dieser Rockband als notwendiges Gegengewicht zu SLIPKNOT notwendig war. In jeglicher Hinsicht, menschlich und musikalisch. Auch konnte ich volles Verständnis dafür aufbringen, dass auf den letzten Knot-Platten ebenso Einflüsse von der Rockband, die nach einem Cocktail benannt wurde, zu finden waren. Wer will sich schon ewig selbst kopieren? Doch hier habe ich ein bisschen das Gefühl, dass genau das passiert ist. Wenn man bedenkt, dass da noch (das von mir sehr geschätzte) Akustik-Set-Programm 'CMFT' bei YouTube zu finden ist (was heißt: Der Mann hat mehr als nur Hummeln im Hintern), könnte man wohlwollend argumentieren, dass es der Arbeitswut Taylors geschuldet sein könnte, dass das Konzept zu „House of Gold & Bones“ für mich nicht ganz aufgeht.

Im ersten Review habe ich schon „laut“ ausgesprochen was ich denke: Manchmal ist weniger mehr und das kann auch auf das Thema Arbeit projiziert werden. Vielleicht sollte man sich eine Auszeit gönnen, um zu neuer Stärke zurück zu finden, sodass das nächste Album mehr Songs wie „The Conflagration“ oder härterer Gangart wie „30/30-150“. Denn der Titeltrack geht zwar in die Richtung, ist aber leider überhaupt keine Überraschung. Wie gesagt: Ich mag was Corey und Co. machen und schlecht wäre ein zu hartes Wort für dieses Album. Aber leider in keinster Weise überraschend. Ich bezweifle auch, dass es da viele Songs auf „Part II“ gibt, die man live performen wird. Naja, bei einem ansonsten sehr guten Backkatalog vielleicht nicht so das Problem.

6 Skulls

Linc

Tracklist

1. Red City
2. Black John
3. Sadist
4. Peckinpah
5. Stalemate
6. Gravesend
7. ´82
8. The Uncanny Valley
9. Blue Smoke
10. Do Me A Favor
11. The Conflagration
12. The House of Gold & Bones II

Autor

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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