Plattenkritik

Subinterior + Selaxon Lutberg - The Meeting

Redaktions-Rating

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Release Date: 12.02.2010
Datum Review: 07.02.2010

Subinterior + Selaxon Lutberg - The Meeting

 

Musik fängt im Kopf an und genau dort endet sie auch, selbst wenn es vordergründig und auf den ersten Blick gar keine Musik ist. Ambient ist definitiv eine Sache, mit der sich nicht jeder anfreunden kann. Es fordert einfach zu viel von seinem Hörer ab, als das man sich einfach nur beschallen lassen könnte, in der Hoffnung, auch nur im Ansatz zu verstehen, um was es geht. Viel mehr erfordert es vollste Konzentration und die Möglichkeit, sich komplett auf das Gehörte einzulassen, es aufzusaugen und darüber nachzudenken. Wenn wir ehrlich sind, ist Ambient für viele nicht mehr, als eine Aneinanderreihung von Geräuschen, ohne Struktur, ohne jeglichen Sinn und vielleicht sogar ohne zwingendes Können. Das aber doch viel mehr dahinter stecken kann beweisen zwei Acts aus Italien: SELAXON LUTBERG und SUBINTERIOR.

„The Meeting“ beschreibt ein ganzes Jahr und die dazugehörigen Jahreszeiten. Das ganze ist in vier Meetings, beginnend mit Winter, übergehend zum Frühling und Sommer und endend mit dem Herbst unterteilt. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter und so haben es auch die Stücke, die sich mit ihnen beschäftigen. Tatsächlich stellt sich „The Meeting“ als eine gesamte Soundlandschaft dar, in der vordergründig nicht viel passiert. Melodien? Fehlanzeige. Packende Instrumentierung? Fehlanzeige, zumindest größtenteils. Dynamik? Schon eher, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Was ist es dann, was einen an dieser Doppel-LP so dermaßen fasziniert? Die Antwort ist einfacher als man denken mag. Es ist die alles überschattende und stets anwesende Atmosphäre, die von diesem Gesamtwerk ausgeht. Ob das nun der Regenfall mit dazugehörigem pfeifenden Wind im Winterteil ist, der bedrohlicher nicht hätte ausfallen können, oder doch eher die etwas „versöhnlicheren“ Töne zu den schöneren Jahreszeiten, ist völlig egal. Man ist gefangen und will sich eigentlich gar nicht befreien. Die Kraft des Minimalistischen ist allgegenwärtig und zeigt sich an bestimmten Stellen mal mehr, mal weniger intensiv. So wird man beispielsweise während „Prayer Behind The Sun“ durch ein vom Wind gespieltes Glockenspiel, welches immer intensiver und durch andere fast fremdartige Geräusche bereichert wird, aus der Trance gerissen und in angsterfüllte Schutzhaltung versetzt. So schnell wie das Glockenspiel aufgetaucht ist, verschwindet es auch schon wieder und nur der Wind und ein diffuses im Hintergrund agierendes Grollen bestimmen die Szenerie.

Meist sind es nur einzelne Elemente, wie Schritte auf dem Kies, die das Kopfkino auslösen und den Streifen, der abläuft bestimmen. Zu weiten Stellen könnte man tatsächlich meinen, dass hier ein Film der Marke David Lynch vertont wurde, denn genau so abstrakt wie die Storylines seiner gedanklichen Auswüchse sind, gestalten sich auch die einzelnen Stücke auf dieser Doppel-LP. Im Sommer findet dann auch die erste Instrumentierung statt. Während man nach dem dazugehörigen Treffen noch im Dunkeln tappt, ertönt während „Il Sole Muore E Noi Con Lui“ eine Gitarre, die immer wieder die gleiche hypnotische Melodie spielt, dann im Nichts verschwindet und urplötzlich wieder auftaucht, als wäre sie nie fort gewesen. Im Allgemeinen gestaltet sich der sommerliche Part eine Spur intensiver, als der Rest. Dadurch wird man ein wenig aus der Dunkelheit, die bislang vorherrschte entführt, bis man sich im konstanten Grillengezirpe einer lauen Nacht wieder findet. Allzu lange sollte man diese musikalischen Temperaturen aber nicht genießen, denn es ist klar, das die noch fehlende Jahreszeit, der Herbst, folgen muss. Hier steigert sich das Werk in seiner Bedrohlichkeit letzten Endes bis ins Unermessliche.

Für Leute, die dem Ambient tatsächlich etwas abgewinnen können, ist „The Meeting“ ein absolutes Muss und wird über kurz oder lang als Referenzwerk der neueren Zeit dieses Genres eingehen. Es gibt nicht viel in diesem Bereich, zumindest meiner Kenntnis nach, was eine solche atmosphärische Dichte aufweisen kann und über die gesamte Spielzeit zu überzeugen weiß, ohne auch nur einen Hauch von Langeweile aufkommen zu lassen. Klar ist aber auch, dass man sich sehr viel selber dazu denken und die Platte im Kopf weiter gestalten muss. Die Klänge wollen mit Bildern gefüllt werden, das sollte aber, sofern man sich darauf einlässt, kein großes Problem darstellen. Wer sich nun die, mit einem absolut tollem Artwork ausgestattete, LP zulegen möchte, sollte sich beeilen, denn die Auflage ist sehr stark begrenzt (insgesamt 500 Stück).

Tracklist:
LP1:
1. WINTER MEETING
2. LAST DAY
3. NOVEMBER
4. SPRING MEETING
5. APRIL
6. PRAYER BEHIND THE SUN
LP2
1. SUMMER MEETING
2. IL SOLE MUORE E NOI CON LUI
3. JULY
4. FALL MEETING
5. LOST DIALOGUE
6. OCTOBER

Alte Kommentare

von twin 07.02.2010 11:38

verdammt ich habs mir schon bestellt! wollte es hören und dann hier n großen geheim tipp anpreisen. und jetzt hab ich ein review gelesen und die punktevergabe gesehen, wie war das noch gleich mit dem unvoreingenommen...so eine sch**** aber ich freu mich trotzdem wie sau drauf

von Olivier H. 07.02.2010 12:38

Hört sich verdammt interessant an. Muss ich mir unbedingt mal geben!

von asdf 08.02.2010 17:03

Das lässt sich ja zu 2/3 auf der labelseite streamen. Hab mi das mal komplett angehört. Atmosphäe ist schon sehr seh geil. Werd mir das bestellen. Danke!

von simtz 27.02.2010 16:48

denovali ist echt nen gutes label!

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Alex G.

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