Plattenkritik

Superheaven - Ours is Chrome

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 04.05.2015
Datum Review: 18.05.2015
Format: CD Vinyl

Tracklist

 

1. I've Been Bored
2. Next to Nothing
3. Room
4. All the Pain
5. Leach
6. Downswing
7. Blur
8. Gushin' Blood
9. Dig Into Me
10. From the Chest Down
11. Poor Aileen

Band Mitglieder

 

Taylor Madison - git & voc
Joseph Kane - git & vic
Jacob Clarke - bass
Zack Robbins - drums

Superheaven - Ours is Chrome

 

Wenn man ein solches Debüt hinlegt wie SUPERHEAVEN es auf „Jar“ getan haben, dann steht man beim Zweitwerk nicht gerade vor einfachen Aufgaben. Ziemlich genau zwei Jahre später, also relativ zeitnah, steht jedoch mit „Ours is Chrome“ ein Album in den Startlöchern, das den Erwartungen trotzen soll.

„Jar“ brachte SUPERHEAVEN einen Vertrag bei SideOneDummy Records ein, was rückblickend nicht verwundert. Es ist weder übertrieben noch vermessen, diese Platte als eine der ganz großen im momentanen Grunge-Revival anzuführen, strotze sie doch vor Energie, Emotionen und gut verpackten Verneigungen vor der ersten Grunge-Welle der 90er-Jahre. Doch wie bereits der zuvor mit einem Video veröffentlichte Song „I’ve Been Bored“ vermuten ließ, klingt „Ours is Chrome“ eben nicht nach „Jar“ Volume 2.

Nach dem ersten Durchgang hat es bei mir Wochen gedauert, bis ich diese Platte wieder angerührt habe. Das muss seine Gründe gehabt haben. Und auch beim zweiten, beim dritten Versuch wollte da kein Funke überspringen. Das klang alles monoton und uninspiriert, und so lasen sich auch die Texte von Taylor Madison. Beim Chorus von „All the Pain“ rollten sich mir fast die Fußnägel hoch. Ernüchterung machte sich breit. Ich kann enttäuschte SUPERHEAVEN-Fans verstehen, die „Ours is Chrome“ nach einiger Zeit weglegen und es dann nicht mehr anrühren. Es liegt nahe, das Album als ausgewaschene und ideen- sowie kraftlose Version des Vorwerks anzusehen. Doch wenn man genauer hinsieht, ist da dann doch mehr. Zum Glück. Von einer schlechten Platte zu sprechen, das wäre zu voreilig.

Vielmehr sollte man „Ours is Chrome“ als ein kompromissloseres Album als „Jar“ ansehen. Denn diese zehrende Lustlosigkeit und diese Mid-Tempo-Monotonie sind Markenzeichen des Grunge. Man sollte sich endgültig von der Vorstellung verabschieden, dass SUPERHEAVEN im Jahre 2015 nochmal Songs schreiben, die mit ihrer Power und ihrer Schnelligkeit fast wieder in den Hardcore driften, so wie auf den vier EP’s vor „Jar“. Ebenso wie das Vorgängeralbum klingt „Ours is Chrome“ wie aus einem Guss, wofür man sicherlich ein weiteres Mal das Produktionsgenie Will Yip loben darf. Doch auch Madisons nasale Stimme wirkt wie ein Kit, der die facettenreichen Songs zusammen hält, die songwriting-technisch viele Experimente wagen. Am eindrucksvollsten ist diesbezüglich ohne Zweifel „Gushin‘ Blood“, das zumindest außerhalb des Refrains musikalisch stark an Nirvana erinnert, während lyrisch die makabre Vorliebe für Menschenfleisch ausgeführt wird, die bereits damals in „Hungry at a Funeral“ thematisiert wurde (dies noch unter dem Bandnamen Daylight). Doch auch abseits dieses auffallenden Songs beherrschen SUPERHEAVEN auf „Ours is Chrome“ das kluge und versierte Spiel mit der Dynamik, mit verschiedenen Tempi und Songideen. Die Gitarren bieten ein kohärentes Gemisch aus stoischen Powerchords, hohen Gitarrenriffs und harmonischen, oft auch komplett clean gespielten Akkorden. Es ist schwer, herausragende Lieder zu benennen, denn fast alle Tracks auf „Ours is Chrome“ weisen diese Mischung auf, die SUPERHEAVEN inzwischen perfektioniert und zu ihrem Soundgewand gemacht haben. Keiner der Songs ist wirklich schlecht, für mich stechen allerdings nochmal „Leach“ aufgrund seines Ohrwurm-Refrains und das seltsam berührende und beklemmende „From the Chest Down“ heraus. „Poor Aileen“ ist als Rausschmeisser sehr gut platziert, macht aber nur im Kontext des ganzen Albums Sinn und ist für sich alleine ein sehr unspektakulärer Song.

 

„Ours is Chrome“ ist unter dem Strich für mich einfach ein paradoxes und verwirrendes Album. Es überkommt mich einfach nicht die Lust, diese Platte immer und immer wieder anzuhören, wie das bei „Jar“ 2013 so war. Dafür ist sie zu zehrend und ermüdend. Dennoch lohnt es sich, einzutauchen. Dennoch muss man SUPERHEAVEN zugestehen, dass sie als Band weiter gewachsen sind, sich vor neuen Wegen nicht scheuen  und ein Zweitwerk vorgelegt haben, das sehr eigenständig und ausgeklügelt ist. „Ours is Chrome“ wird die Vorreiter-Stellung von SUPERHEAVEN als Band, die es von dem Untergrund in Gefilde geschafft hat, in der man sich auch getrost vor die Tausender-Hallen stellen könnte, weiter untermauern.

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Marcel M.

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