Plattenkritik

Surfer Blood - Astro Coast

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Release Date: 19.01.2010
Datum Review: 19.02.2010

Surfer Blood - Astro Coast

 

Schön, dass es sowas noch gibt. Platten, deren Gegenwart man einfach genießen kann. Die einen umschmeicheln, anstatt mit Vollgas durch die Vordertür zu scheppern. Bei denen die Welt sich gerne auch mal etwas langsamer drehen kann, nur damit die Sonne noch ein paar Augenblicke länger ihren Glanz auf die Straßen werfen kann. Die so unaufgeregt daher kommen, dass man sie leicht verpassen könnte, die aber bei ausgiebigerer Beschäftigung dennoch bis ins Detail durchdacht wirken.

„Astro Coast“ ist so ein Album. Voll mit kleinen, aber feinen Hits. Dabei ist das alles im Grunde „nur“ eine weitere Gitarren-Pop-Platte der leicht verschrobenen Sorte. Selbstverliebtes Muckertum sucht man vergebens. Einfach die Musik fließen lassen, wie sie kommt. Zumeist bedeutet das: gradlinig. Ganz die Finger lassen vom neuen Trend zur ver-Indie-isierten Weltmusik können zwar auch SURFER BLOOD nicht, man höre sich nur das locker-leichte „Take It Easy“ mit seiner verspielten Rythmik an. Doch auf die gesamte Länge übertragen bleiben derlei Momente die Ausnahme. Stattdessen liefert das Quartett aus dem sonnigen Florida, das nach eigener Aussage keinen einzigen surfenden Musiker in seinen Reihen aufweisen kann einfach leicht schrammeligen Gitarren-Pop. Ab und an leicht angeschrägt, wenn beispielsweise der Gesang bei „Swim (To Reach The End“, eigentlich ein veritabler Song für Millionen, nahezu im Hall erstickt. Doch insgesamt bleibt „Astro Coast“ vor allem eine melodieverliebte Sechssaiter-Platte der charmanten Art.

Was genau SURFER BLOOD nun eigentlich so großartig anders machen als die unzähligen Bands, die sich an ähnlich gelagerter Musik versuchen ist nur schwer festzumachen. Vermutlich ist es aber tatsächlich ihr Understatement, das die Jungs so sympathisch erscheinen lässt. „When you told me you were leaving/I wasn't thirsty for revenge./No I wasn't disappointed much at all/Cause you'll be back again.“ heißt es dann folgerichtig auf „Floating Vibes“. Die große Aufregung überlässt man den anderen, hier werden kleine Brötchen gebacken. Dafür umso wohlschmeckendere.

Was wirklich erstaunt: „Astro Coast“ ist trotz fehlender Experimente, trotz seiner grundsätzlichen Reduziertheit ein Werk mit Substanz, welches bei jedem Hören weiter wächst. Nach und nach erschließen sich die kleinen Details und jeder Song gewinnt eine eigene Identität. SURFER BLOOD verlassen sich nicht auf ein, zwei Hits, sondern haben tatsächlich ein Album aufgenommen. Eines, das wie aus einem Guss wirkt und von Anfang bis Ende formidabel unterhält und zum träumen und entspannen genau so geeignet ist wie zur Hintergrundbeschallung der ersten Strandparties, wenn sich dieser verdammte Winter endlich mal verzieht. Die aufregendste unaufgeregte Platte der letzten Zeit.


Tracklist:

1. „Floating Vibes“
2. „Swim (To Reach The End)“
3. „Take It Easy“
4. „Harmonix“
5. „Neighbour Riffs“
6. „Twin Peaks“
7. „Fast Jabroni“
8. „Slow Jabroni“
9. „Anchorage“
10. „Catholic Pagans“

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Manuel F.

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Eher so der Kumpeltyp.

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