Plattenkritik

TALCO - Silent Town

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Info

Release Date: 06.11.2015
Datum Review: 12.12.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Il Tempo
02. Neverdad
03. Sombra
04. Nel Varieta
05. Rotolando
06. Silent Town
07. Via Da Qui
08. Intermondo
09. Dalla Pallida Miro
10. Nella Strada
11. Ovunque
12. Malandia

TALCO - Silent Town

 

Ein herzhafter Griff in die Steckdose und die Hummeln im Hintern beginnen wieder zu summen. "Silent Town" nennen TALCO ihren Zugang zu diesem Spektakel und erlauben auch Gesundheitsbewussten Tanzwütern einen Ehrenplatz in den verschwitzten Pits Europas. Im Jahre fünfzehn nach Gründung der Bläserpunks hat sich kaum ein Blatt gewendet.
 
TALCO koennten es sich einfacher machen auf ihrem sechsten Album und die Uhren auf “La Cretina Comedia” oder “Gran Galá” zurueckstellen. Lieber aber knöpft sich die Band aus dem venezianischen Maghera ein weiteres wasserdichtes Konzept vor und erklaert den Alltag in der erdachten "ruhigen Stadt", deren realistische Lebensart keinesfalls dem Klischee-Italien aus Strandgammeln und Nudelteig gleicht. Eher versumpft die Heimat der "Punk Chanka"-Band um Frontmann Dema in einer ekelhaften Masse aus Rassismus, Korruption und sozialen Ungerechtigkeiten, die die Band (eigentlich gegensaetzlich) in imposanten Skapunk eintuetet. "Neverdad" oder die seemannstaugliche Ballade "Ovunque" sind traditionell und protestierender Punkrock zugleich. Durch den Titelsong streifen Melancholie und beherzte Zweifel, zu "Nel Varieta" schleicht sich eine gestriegelte, Klezmer-atmende Instrumentierung ein und platziert TALCO grosszuegig zwischen SKA-P und jungen MAD CADDIES. Leider entkommt "Silent Town" seiner auferlegten Ska-Schublade so selten, wie es die Gerechtigkeit gut mit dem ehrlichen Buerger meint: "Dalla Pallida Miro" kann sich mit seiner Standard-Hookline doch nicht freispielen - die zweiundsechzig instrumentalen, Akkordeon-stampfenden Sekunden von "Rotolando" sind leider bloss Mittelmass und wurden schon energischer und infektioeser vorgetragen. TALCO sind Profis auf ganzer Linie, nur traut sich das Sextett waehrend der zwoelf Songs nur gelegentlich aus dem schuetzenden Schatten von Blaeser-Schemata und Offbeat. "Via Da Qui" ist da ein frischer Wind, auch das eroeffnende "Il Tempo" strotzt vor Sprint- und Feuerwerksmomenten. Kaum zu glauben, dass TALCO mit ernster bis angepisster Mine an den Start gehen, wo das Dutzend Songs eher nach Irokesen-Suff klingt. Dema reizt die inhaltliche Lage sogar noch weiter aus: Er will die Thematiken des Albums auch in Buchform weiterfuehren. Ganz sicher lassen sich so einfacher oder zahlreicher Parallelen ziehen, als es die Songs auf "Silent Town" untereinander zulassen.

Autor

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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