Plattenkritik

THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE AND I AM NO LONGER AFRAID TO DIE - Harmlessness

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Info

Release Date: 25.09.2015
Datum Review: 29.09.2015

Tracklist

 

01. You Can't Live There Forever
02. Blank #11
03. January 10th, 2014
04. The Word Lisa
05. Rage Against The Dying Of The Light
06. Ra Patera Dance
07. Mental Health
08. Wendover
09. We Need More Skulls
10. Haircuts For Everybody
11. Willie (For Howard)
12. I Can Be Afraid Of Everything
13. Mount Hum

Band Mitglieder

 

David Bello - Vocals
Josh Cyr - Bass
Derrick Shanholtzer-Dvorak - Guitar, Vocals
Steven Buttery - Drums
Chris Teti - Guitar, Trumpet
Dylan Balliett - Guitar, Vocals
Katie Shanholtzer-Dvorak - Keyboards, Vocals
Tyler Bussey - Guitar, Vocals
Nick Kwas - Violin, Vocals

THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE AND I AM NO LONGER AFRAID TO DIE - Harmlessness

 

Vom Sonnenstrahlen zusammenkratzen und nachts vorsätzlich den letzten Bus verpassen: Die Band mit dem eigentlich schon alles sagenden Namen verrät mit ihrem zweiten Album noch mehr. "Harmlessness" lauert dort, wo alle Hoffnung eigentlich längst aufgegeben schien.
 
Einmal tief einatmen, dann könnte es für THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE AND I AM NO LONGER AFRAID TO DIE reichen. Tut es aber nicht, denn das Kollektiv denkt um mehr Ecken, als sie sich mit Emocore, Indiefolk oder Postrock abstecken lassen. Zumindest ist das der Fall in der Konzentration der dreizehn Stücke, die vereinnahmen und entzücken, erhellen und ermutigen. Trotz einer beachtlichen Sammlung von Split-Releases, Singles und EP-Formaten ist "Harmlessness" erst das zweite Album der Band aus Connecticut. "You Can't Live There Forever" eröffnet jenes bedacht zwischen Winterschlaf und Frühjahrsklüngeln und formt sich erst nach zweieinhalb Minuten zu einer Symbiose aus theatralischen Emotionen, Hoffnung und ernstem Wachrütteln.
Das wahnsinnige "January 10th, 2014" stopft Spannung und Groove in über fünf intensive Minuten, denen der (nicht nur hier) zweistimmige Gesang von Katie Dvorak und David Bello die Oberhand gewährt. Musikalisch driften THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE AND I AM NO LONGER AFRAID TO DIE zwischen melancholisch-warmen Momenten der frühen Emowelle ("Haircuts For Everybody") und knackigem Postrock ("Rage Against The Dying Of The Light") - ohne jemals gesichtlos Kollegen wie CHRISTIE FRONT DRIVE, MEWITHOUTYOU oder THE ANNIVERSARY zu zitieren.
 
Zu "Harmlessness" in seiner knapp einstündigen Pracht gehört ein gutes Getränk oder zumindest ein hochwertiger Kopfhörer. Eine verabreichte Selbstbelohnung in Form von Zeit und Geduld, die der Platte zugesprochen werden will. Denn ein persönliches, hinterfragendes Pamphlet wie "Mental Health" gehört nicht zwischen Tür und Angel. Ebenso wenig die Momente, in denen die Band das verschachtelte "We Need More Skulls" mit Atmosphäre und einer einzigen inhaltlichen Dringlichkeit füllt: "We set out to make up all the mistakes of our parents and their friends / We set up a safety net, but it was above our heads".
Einen Song wie "I Can Be Afraid Of Everything" gilt es gleich auf mehreren Ebenen zu entdecken: Der seichte Gitarrenrock, der mit hellen Harmonien und eleganter Orgel den Anfang macht wird nach einem Drittel gepeitscht von Dvoraks Backgroundvocals und einer hymnischen Bandbreite, die so auch COHEED AND CAMBRIA schmecken würde. "I really dig my own hole" sieht David Bello ein und zieht die Spannungskurve noch ein weiteres Mal fest an, bevor die gestapelten Gesänge in das epische "Mount Hum" steuern. Über knapp neun Minuten besiegeln THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE AND I AM NO LONGER AFRAID TO DIE ein Album, welches in Sachen Intensität und Persönlichkeit alle Berge erklimmt. Die Definition von "Harmlessness": erfahren, verpacken, verzaubern.

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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