Plattenkritik

TWITCHING TONGUES - Disharmony

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Info

Release Date: 30.10.2015
Datum Review: 21.10.2015
Format: CD Vinyl

Tracklist

 

1. Disharmony 5:34
2. Insincerely Yours 3:44
3. Asylum Avenue 4:29
4. Love Conquers None 4:34
5. Insatiable Sin 3:22
6. Cannibal 4:16
7. Sacrifice Me 3:28
8. Arrival 3:08
9. The End Of Love 4:17
10. Cruci Fiction 8:22

Band Mitglieder

 

Colin Young - Vocals
Taylor Young - Gitarre, Vocals
Leo Orozco - Leadgitarre
Kyle Thomas - Bass
Michael Cesario - Drums

TWITCHING TONGUES - Disharmony

 

Während aktuell genreübergreifend jede dritte Band zwanghaft versucht, sich mit Hilfe der neuentdeckten Liebe zum neunziger Jahre Sound neu zu definieren, ersäuft die Hälfte der Beteiligten dabei am Mangel an der eigenen Kreativität. Eine Band die sich dieser Leidenschaft bereits seit mehreren Jahren verschrieben hat, liefert mit seinem dritten Album eine meisterhafte Mustervorlage für alle Gescheiterten.

 

Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis sich eines der großen Metallabels die wohl kreativste und ambitionierteste Combo des amerikanischen HC-Geschehens unter den Nagel reist. Die Rede ist von TWITCHING TONGUES aus Los Angeles. Kaum eine andere Band hat es in der Vergangenheit geschafft, ein so eigenes und innovatives HC-Metal-Gemisch zu kreieren und dabei so viele Anhänger auf seinen Sound zu einen. Ihr schwer zu definierbarer Stil bedient sich stark am Metal Crossover der frühen Neunziger und reicht von den Namensgebern Only Living Whitness, Type O Negative bis hin zu der Bostoner Crossover Combo Sam Black Church. Angereichert mit kompromißlosem Hardcore haben TWITCHING TONGUES seit 2009 zwei Alben veröffentlicht, die das Genre mit dieser Mixtur reichhaltig bereicherten.

Mit „Disharmony“ erscheint nun das Metalblade Debüt des Quintetts und beweist, dass TWITCHING TONGUES mit dem allerorts hochgelobten Vorgänger „In Love There Is No Law“ noch lange nicht die Grenzen ihrer Kreativität erreichten. Was wie der Anfang eines Horrorfilms klingt, ist die Einleitung in den gleichnamigen Titeltrack. Mit mystisch, morbiden Synthesizern inszeniert startet der Fünfer in sein neues Werk und zieht seinen Hörer gleich zu Beginn in eine beklemmende Atmosphäre, bevor das Bollwerk mit einem Mix aus Bolt Thrower, Slayer und der Unerbittlichkeit des Dooms anfängt, alles platt zu walzen. Wenn „Insincerely Yours“ dann auch bereits im zweiten Song mit seinen einleitenden Gitarren zu Maiden Harmonien greift, sollte eigentlich jedem klar sein, dass die Young Brüder mit „Disharmony“ keine halben Sachen beabsichtigen. Ein Eindruck, der sich auch mit Fortlauf des Albums im weiter bekräftigt. Es ist schier eindrucksvoll, wie es TWITCHING TONGUES einerseits schaffen, völlig unvorhersehbare und abwechslungsreiche Songs zu schreiben und dabei niemals die Absicht aus den Augen verlieren, damit auch die Anhänger im Pit ins totale Chaos zu treiben. Und dabei klingen sie niemals auch nur annähernd so stumpf, wie ihre ehemaligen Tourmates von CODE ORANGE, die mit ihrem aktuellen Set jedes Beatdown Festival Headlinen könnten. Selbst die schon stark ins EBM schielende Nummer „Arrival“ passt perfekt in das in Gesamtkonzept des Albums und wirkt keinesfalls deplatziert. Neben all der Abwechslung ist es auch der zu den Vorgängern stark gestiegene Einfallsreichtum der Gitarristen T. Young und Orozco, die eine wirklich starke Performance abliefern. Textlich immer noch angelehnt an die leidigen und Leiden bringenden Themen wie Tod, Liebe und Religion, demonstriert Sänger Colin Young, dass er mit seiner unvergleichlichen Stimme aktuell zu den Ausnahmeerscheinungen der Szene gehört.

Sehr natürlich produziert und druckvoll gemischt in den eigenen Pit Studios haben TWITCHING TONGUES ein meisterliches Album veröffentlicht, welches selbst nach mehrmaligen Hördurchgängen stetig wächst und auf vielen Ebenen bestens unterhält. Ganz gleich, ob man sich nun dem reinen Hardcore oder den Extremen des Metal zugehörig fühlt.

 

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Mulder

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