Plattenkritik

Talking To Turtles - Oh, The Good Life

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Release Date: 19.08.2011
Datum Review: 11.08.2011

Talking To Turtles - Oh, The Good Life

 

Vor einigen Jahren lebten die Turtles noch in New York, interessierten sich für Pizza und Gerechtigkeit und bestritten ihren Alltag mit Kampfkünsten an der Seite einer schlauen Ratte. Heute reisen Claudia Göhler und Florian Sievers aus dem Indiepop-Herzen Deutschlands bis ans gegenüberliegende Ende der USA um mit eingemummelten Themen und soften Herbstsongs die Gesprächsnähe zum Amphibienwesen zu suchen. Leonardo, Donatello und Co. dürfte dieser Ausflug am Allerwertesten vorbeiziehen - denn Pizzapartys und Großstadtgossen klingen anders.

In den heiligen Hallen des Avast!-Studios (u.a. BAND OF HORSES, SOUNDGARDEN, DEATH CAB FOR CUTIE) im Herzen Seattles angekommen, machen TALKING TO TURTLES dann direkt Nägel mit Köpfen: Zusammen mit Jonathan Warman werden feinperlige Akustikausflüge wie „Crumbs“ oder „Wonky Cradle“ auf Band gerastert, die ein gemütliches und zugleich stimmiges Gerüst für „Oh, The Good Life“ bilden. Das zweite Album des Duos, welches live auf Quartettgröße anschwillt, erzählt die gemächlichen Seiten des Lebens und des Alltags. Mit Xylophon, stellenweise zarten Drums und verträumten Gesangspassagen von Florian und Claudia laden diese zum Kaffeetrinken inklusive nächtlichem Verweilen ein. Während „I Am In Numbers“ später als Gute-Nacht-Lied läuft, will „Short Stories Long“ vorher noch zum Kollektivseufzen mit Wohnzimmercharakter überreden – Augen schließen erlaubt! TALKING TO TURTLES verschönern sich ihre Welt mit bunten Bauklötzen aus Banjo und Cello, bieten aber treuen Zuhörern auch kurzlebige Brachialtrips an („Men In Trees“). „Grizzly Hugging“ oder „In The Future“ wollen nicht im Stau aus dem Autoradio krächzen, sie plänkeln lieber aus dem alten Plattenspieler auf dem Dachboden des Cover-Anwesens, während der Kamingeruch durchs Haus zieht und man in der Ferne zusehen kann, wie sich die Tannen im Wind schütteln.

Um „Oh, The Good Life“ als Gesamtwerk zu schätzen, müssen alle Tonfetzen aus jeder noch so feinen Ritze zusammengeführt und mit ruhiger Hand ans Ohr gehalten werden. Was bei anderen Künstlern einfacher und eindeutiger zum Genuss führt sehen TALKING TO TURTLES als kleine Herausforderung. Von Seattle über New York bis Leipzig ist es eben doch nicht allzu weit.

Trackliste:

01. In The Future
02. Crumbs
03. I Am In Numbers
04. Wonky Cradle
05. Grizzly Hugging
06. Men In Trees
07. Short Stories Long
08. A Car A Beer Cigarettes
09. Fingers Crossed
10. REM

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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