Plattenkritik

Terrorgruppe - Inzest Im Familiengrab

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Release Date: 29.08.2014
Datum Review: 19.08.2014

Terrorgruppe - Inzest Im Familiengrab

 

Zehn Jahre lang hat die TERRORGRUPPE versucht, ihren Platz auf dem Anti-Trittbrett des deutschen Punkrock zu überschreiben. Zehn lange Jahre in denen sich Mitstreiter und Nachzügler be- und abgemüht haben, größtenteils ohne auch nur eine rostige Schraube erfolgreich zu lockern. Jetzt verliert auch ein Herr Motherfucker langsam die Geduld.

Schwer macht es der Schirmherr der Rollbrettstaatsform zusammen mit Zip Schlitzer, Johnny Bottrop und Schlagzeuger Kid Katze seinem wiederzubelebenden Wählerkreis: "Na Endlich" behält zwar das frech-pöbelnde und eindeutig zuzuordnende TERRORGRUPPE-Gen in seinen Lyrics bei, daneben sorgen ein klimperndes Kneipenpiano und garagig-swingende Drums a la THE MOVEMENT für eine eher zurückgelehnte und feuerfreie als offensive "Deutschland schafft sich ab..."-Kampagne. Auch der Titeltrack kommt bei der direkten Gegenüberstellung mit fruehen Kraftpaketen wie "Gestorben auf dem Weg zur Arbeit" oder "Keine Airbags für die CSU" ins Straucheln: Der perfektionierte Humor neben dem "Leckt-uns-alle!"-Banner und auch das musikalisch blutige bis rücksichtslose Gerüst von Ska bis Knüppel, was die Berliner über Jahre so angenehm anders machte, tauscht "Inzest im Familiengrab" bei "Bulimie-Bettina" gegen Mod-Pop mit lauwarmen Strophenreim-Skills, bei "Kotzende Teenager" sogar gegen Americana-gestriegelte Slidegitarren. Die vier neuen Songs (aufgeteilt vom Quartett höchstpersönlich in "Opa-Punk"-A- und "Teen-Pop"-B-Seite) machen es alten Punkerfans, denen die TERRORGRUPPE Kreuzberg, Filmrisse und die eigene Jugend ein gutes Stück näher brachte, sicher nicht leicht. Schön, dass sich "Inzest im Familiengrab" den Wandel so unverkrampft und offen zutraut. Noch schöner außerdem, nicht bloß ein Lebenszeichen in Form von belächelten Comebackkonzerten aus dem Hut zu zaubern. Schwierig allerdings wird es mit der TERRORGRUPPE anno 2014 für alle die, die eine logische Reinkarnation von Aggropop, Fatpitaph-Skatepunk oder "Schöner Strand" erwarten. Hier liefern die Auch-Profi-Pausierer von WIZO dieser Tage verlässlicheres und grantigeres Hörgut.

Trackliste:

1. Inzest Im Familiengrab
2. Na Endlich
3. Bulimie-Bettina
4. Kotzende Teenager

Alte Kommentare

von richtig so 22.08.2014 10:04

lieber WIZO hören!

von bloss kein... 06.09.2014 21:41

...WIZO hören. Das ist ganz, ganz doofe Musik.Die neue TG ist schon verdammt cool und nicht so 90er reinkarniert. Das macht WIZO wiedermal extrem verklemmt und peinlich!

Wer schon vor 15 Jahren lieber WIZO an Stellevon gutem Punk gehört hat, der muß natürlich auch heute in der Art schreiben. Und bloß nicht an so schlimme Dinge wie Veränderung denken. ;-)

von Ich mag... 07.09.2014 16:05

...den neuen Terrorgruppe Sound. Und so gross ist die Veränderung gar nicht. Textlich steht der Band subtilere Texte auch nicht schlecht.Aber die TG mit WIZO zu vergleichen ist Frevel. Das hat die Terrorgruppe nie verdient.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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