Plattenkritik

The Brains - Drunk Not Dead

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Release Date: 11.11.2011
Datum Review: 25.10.2011

The Brains - Drunk Not Dead

 

Setzt die Energiezufuhr für das menschliche Gehirn gerade Mal ein paar Sekunden lang aus, kann das bereits fatale Folgen haben. Dieses kanadische Trio um Fronttolle Rene D La Muerte hat die Gefahr erkannt und mit Hilfe von markant platzierter Pomade, einem hackenden Stand Up Bass und erklärenden Kneipenempfehlungen für extreme Mexikotouristen gebannt. Gott sei Dank ist es am Ende nur der Suff der sich genüsslich die Hände reibt.

THE BRAINS, das sind der oben bereits erwähnte Gitarrist und Sänger La Muerte und seine ebenso denkfähigen Mitstreiter Colin The Dead am Bass sowie Pat Cadaver an den Fellen. Klar braucht es zuerst einen fähigen Künstlernamen, der dem Ruf der Musik mindestens auf Augenhöhe nebenher eilt – aber auch das eigentliche Produkt „Drunk Not Dead“ hat mit seinen 13 Songs eine gute Portion Feinschliff und hektische Power infiltriert bekommen. „We Are The Brains“ klingt düster und bollert sich mit dem slappenden Bass inbrünstig an gedanklichen MISFITS-Momenten vorbei, „Take What I Want (Souvenir Of Monte Christo)“ oder „Drunk Not Dead“ halten sich an klassische Muster und sind nicht zwingend angewiesen auf Überraschungen oder vorlautes Getue. Deutlich und direkt mögen es „Four Beast Ride“ mit schaurig und imposant zitternder Stimme und „Premonitions“ mit poppig befreitem Chorus, ohne dass wichtige Psycho-Weggefährten wie z.B. hallende Gitarrensoli vernachlässigt werden. „High On Speed“ etwa braucht keine zwei Minuten unter kreischendem Chaos, bevor THE BRAINS zum lyrischen Weltenbummel laden: „Gato Calavera“ und „Pourquoi Me Laisser“ folgen dem „Drunk Not Dead“-Raster auf spanisch und französisch und klingen dabei nicht mal nach Angeber-LK oder Notlösung.
Leider verliert sich die Dichte um Melodie und Gaspedal etwas zu schnell, um ganz vorne am Lattenzaun stehend die internationalen Gesten zwischen Ur-Form-Rock´n´Roll, dreckigem Punkrock und gebürsteten Rockabilly-Tunes in den Nachbargarten zu rotzen. La Muerte glänzt trotzdem mit Saiten- und Vokalarbeit, während Sahnehaubenmomente wie „Six Rounds“ sich hämisch grinsend auf die Knie schmeißt und Ohr um Ohr kämpferisch erobern.

Zu aufgedreht für NEKROMANTIX, zu hell und klar für die TIGER ARMY (wer hier mit Namen umwälzen möchte...), findet das Gespann aus Montreal doch unumständlich seine Nische, welche nicht bloß durch einen mikroskopischen Spalt zwischen Hirnschalen x und y definiert sein will. Nur „Drunk“ – nicht „Dead“.

Trackliste:

01. Horsemen
02. Four Beast Ride
03. Take What I Want (Souvenir Of Monte Christo)
04. We Are The Brains
05. Six Rounds
06. Oh Murder!
07. Premonitions
08. High On Speed
09. Gato Calavera
10. Drunk Not Dead
11. Pourquoi me laisser
12. I'm Your Nightmare
13. In League

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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