Plattenkritik

The Cinematic Orchestra - Ma Fleur

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Release Date: 04.05.2007
Datum Review: 22.04.2007

The Cinematic Orchestra - Ma Fleur

 

Neben BEIRUT und ARCADE FIRE gab es wohl keine Band, die die Feuilleton-Schreiber dieser Welt so sehr begeistern konnte wie THE CINEMATIC ORCHESTRA. Jason Swincoes 2002er Album „Everyday“ vereinte auf gekonnte Weise Jazz, Soul, Fontella Bass („Rescue Me“ – so ein 1965 Hit, kennt man vielleicht aus Sister Act und Werbung), Loops und Samples zu einem äußerst dichten Ganzen. In der Zwischenzeit hat man mal eben mit „Man With A Movie Camera“ die Filmmusik zum gleichnamigen Film geschrieben.

Dieses Mal ist es so ähnlich. „Ma Fleur“ soll das Album sein, das ein Leben von Geburt bis zum Tod beschreibt, und zeitgleich eben auch als Soundtrack zu einem Film über ein Menschenleben dienen soll, der unter gegenseitiger Beeinflussung entsteht. Das klingt größenwahnsinnig. Das ist größenwahnsinnig. Aber auf merkwürdige, vielleicht nicht ganz perfekte, aber dafür umso schönere Weise gelingt es. Das Leben läuft eben nicht unbedingt so, wie man es sich vorstellt. Und wer hätte gedacht, dass das Leben mit einem lupenreinen COLDPLAY Song beginnt? „To Build A Home“ ist eine, nun, grenzwertige Nummer, die dermaßen dreist kopiert wirkt, dass man schon fast Chris Martin mit Pianomann Ben Folds auf der Bühne tanzen sieht, während KEANE auch irgendwo durchs Bild wackeln. Nein, das Leben sollte nicht so beginnen. Nach diesem Stimmungsdämpfer geht es aber durchweg positiv weiter. Fornica Bass singt die Parts der alten Charaktere, Mercury Preis nominierte, absolut unglaubliche Lou Rhodes (LAMB uvm.) die „mid-parts“ und Patrick Watson aus Montreal übernimmt den Rest. Allen voran begeistern die wundervoll unaufdringlichen „Familiar Ground“ und „Child Song“. Ambient-Jazz mit leichten Trip-Hop Elementen scheinen sehr prägend gewesen zu sein, sodass sich Vergleiche zu NIGHTMARES ON WAX und vor allem vom Effekt auf den Hörer: AIR, aufdrängen (das kann man bei letzteren aber kaum sagen, also vielleicht eher…beschleichen). Als pure Begleitmusik ist das aber schon fast zu schade, dazu ist es zu schön. Und wenn dann Lou Rhodes auf „Time And Space“ die Stimme erhebt, ist es sowieso um einen geschehen.

Rotwein. Kamin. „Ma Fleur“ ,brüchiger Sonnenschein durch ergrünende Bäume, und irgendwo in der Ferne, ganz leise, Donnergrollen. So und nicht anders.



1. To Build A Home
2. Familiar Ground
3. Child Song
4. Music Box
5. Prelude
6. As The Stars Fall
7. Into You
8. Ma Fleur
9. Breathe
10. That Home
11. Time And Space

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Dennis

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