Plattenkritik

The Dear Hunter - Migrant Reprise

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Release Date: 18.02.2014
Datum Review: 01.03.2014

The Dear Hunter - Migrant Reprise

 

 

Neunzehn intensive Songs laesst es sich Casey Crescenzo kosten, stilvoll vom Jaeger zum Gejagten zu werden. Nicht selten spuert man dabei deutlich, dass dem gezeichneten Kuenstler kaum etwas anderes als Musik durch Hirn, Herz und Hinterhand zu fliessen scheint.


THE DEAR HUNTER nennt Casey Crescenzo sein Baby, mit dem er ausleben kann woran er waehrend seiner Zeit bei THE RECEIVING END OF SIRENS gehindert wurde. Vorangig kann hier allerdings kein Stempel helfen: Von Pop bis Pomp dauert die zureuckgelehnte Reise durch einen Lebensabschnitt Crescenzos, der eigentlich bloss zwoelf Songs andauert, auf "Migrant Reprise" aber um einige Bonusbeitraege aus dem bisherigen Schaffen des 31-jaehrigen ergaenzt wurde. Von softem Orchesterrock im Opener "Bring You Down" geht es mit der Unterstuetzung von Blaesern, behutsamem Piano und einer vielseitigen Stimme ueber SMASHING PUMPKINS-Momente bei "Whisper" bis zur tiefenentspannten (Country-)Popballade "Shouting At The Rain" - einem der schlicht aber schoen gehaltenen Songs des Albums. Bemerkenswert druecken sich THE DEAR HUNTER mit einer Vielzahl liebevoll platzierter Instrumente von einem Genre ins naechste - so puckert ein lebendiger Bass durch den hellen Chorus von "The Kiss Of Life" - spaeter klingt das progressive "Let Go" wie aus einem komplett anderen Guss.


Stets ist der sympathische Barttraeger darauf bedacht, seine Songs trotz ihrer gereiften Ausarbeitung nicht mit Detail und Protz zu maesten - wichtiger gilt auf "Migrant Reprise" das Gesamtbild, was seine Zeit zur Entfaltung benoetigt. "Cycles" schwebt von vertraeumtem Intro durch eine lebendige Strophe mit viel Gefuehl und hymnischem Finalmoment, "Shame" findet zuvor abgeklaerter aber genauso melodramatisch seinen Platz auf dem mittlerweile fuenften Studioalbum der Band.

THE DEAR HUNTER funktionieren genauso in aufbaeumenden Momenten wie "An Escape" als auch zu Zeiten voelligen Rueckzugs, den das Sextett etwa bei "Sweet Naiveté" antritt. Wo die Band musikalische Ansaetze verschiedenster Natur auszuarbeiten beginnt, zeigt sich das Ergebnis oft als bunter, ausgefeilter Hund zwischen Emorock und Indiepop. Sollte Crescenzo nach den zahlreichen Ups und Downs seiner musikalischen Laufbahn wahrlich sein Zuhause gefunden haben, gehoert dem Energieschub "Migrant Reprise" ein bedeutendes Stueck vom Kuchen: Fuer Ventile wie "Girl" hat sich der lange Weg gelohnt.


Trackliste:


01. Bring You Down
02. Whisper
03. Shame
04. An Escape
05. Shouting at the Rain
06. The Kiss of Life
07. Girl
08. Cycles
09. Sweet Naiveté
10. Let Go
11. This Vicious Place
12. Don't Look Back
13. Dig Your Own Grave
14. Middle Ground
15. Like Crazy
16. Old Demons
17. Owl
18. The Love
19. Girl

Autor

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.