Plattenkritik

The Dillinger Escape Plan - One Of Us Is The Killer

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Info

Release Date: 17.05.2013
Datum Review: 06.06.2013

The Dillinger Escape Plan - One Of Us Is The Killer

 

Die ersten Mal in denen „One Of Us Is The Killer“ rotiert, ist es so wie mit jedem neuen Album von THE DILLINGER ESCAPE PLAN – man hört praktisch nur Lärm. Dennoch entwickelt sich auch das fünfte Album der Herren rund um Greg Puciato und Ben Weinman ähnlich wie seine Vorgänger. Desto länger man sich darin vergräbt, desto zugänglicher wird es und offenbart dem Hörer an vielen Stellen wunderschöne Momente zwischen all den Tempo- und Dynamikwechseln.

Spätestens mit dem 2010er Werk „Option Paralysis“ haben die Kalifornier ihren Stil perfektioniert und eigentlich fragt man sich, warum THE DILLINGER ESCAPE PLAN überhaupt noch neues Material aufnehmen, denn vermeintlich haben sie schon alles gesagt. Kompromisslose aber dennoch eingängige Tracks wie der Opener „Prancer“ kennt man vom Räumkommando bereits zu Genüge - „Farewell, Mona Lisa“ anyone? Auch an gradlinigen, „poppigen“ Arrangements – Wenn man im Zusammenhang dieser Band davon überhaupt sprechen kann – wie in „Nothing Funny“ hat man sich in der Vergangenheit extensiv probiert.
Dennoch weiß der Fünfer auch auf „One Of Us Is The Killer“ immer wieder zu überraschen. Ihren Kosmos haben THE DILLINGER ESCAPE PLAN zwar kaum erweitert, jedoch die Kombinationen der einzelnen Elemente ein wenig variiert. Der Titeltrack beispielsweise steht in direkter Nachfolge zu Tracks wie „Setting Fire To Sleeping Giants“ oder „Black Bubblegum“ und überrascht mit seinem recht simplen Aufbau. Hier stehen THE DILLINGER ESCAPE PLAN immer kurz vor dem großen Ausbruch, lassen dann das Lied aber immer wieder zur Ruhe kommen und spielen so mit den Erwartungen des Hörers. „Magic That I Held You Prisoner“ geht genau den umgekehrten Weg. Hier spiegelt man zuerst Chaos vor, bevor man das Schaffen in klare Bahnen lenkt. Eine Mischung aus „Milk Lizard“ und „Widower“ stellt „Crossburner“ dar – Der atmosphärische Höhepunkt der Scheibe. Das wohl experimentellste Stück des neuen Albums ist „Understanding Decay“. Hier bietet man von Drum'N'Bass, über Sprechgesang bis hin zu epischen Hintergrundchören nahezu alles, was eigentlich nicht zusammen in einen Song passt.
Die Versatzstücke sind alle bekannt, die Mischung macht die Sache interessant und hörenswert!

Insgesamt loten THE DILLINGER ESCAPE PLAN auf „One Of Us Is The Killer“ „nur“ ihre Grenzen ein kleines Stück weiter aus. Für „Calculating-Infinite“-Fans wird das neue Werk ein weiterer Schritt in Richtung Kommerz sein, denn nach einiger Zeit entpuppt es sich (wie jedes Album der Kalifornier seither) als wahres Hit-Feuerwerk. Warum sie sich nicht wirklich signifikant weiterentwickelt haben? Nun, anzunehmen ist, dass die Jungs einfach nicht wollten, denn es steht außer Frage, dass THE DILLINGER ESCAPE PLAN gekonnt hätten.

Trackliste:

01. Prancer
02. When I Lost My Bet
03. One Of Us Is The Killer
04. Hero Of The Soviet Union
05. Nothing's Funny
06. Understanding Decay
07. Paranoia Shields
08. Ch 375 268 277 Ars
09. Magic That I Held You Prisoner
10. Crossburner
11. The Threat Posed By Nuclear Weapons

Alte Kommentare

von spargel 07.06.2013 10:39

finde die "ire works" bisher am gelungensten, die aktuelle enttäuscht (wenn auch auf sehr hohem niveau).

von WOLOLOOO 07.06.2013 13:07

Für mich die perfekte Symbiose aus Chaos und Pop-Appeal und damit auch der Höhepunkt ihres Schaffens. Große Klasse.

von Absolut 08.06.2013 09:35

Grandioses Album. Ballert ab dem ersten Moment wieder alles weg, was seit Option paralysis wieder aufgerichtet werden konnte.

von Henno 14.07.2013 16:30

Ich würde eigentlich behaupten sie haben sich weiterentwickelt auf dem neuen Album. Das Titelstück zum Beispiel hat mit "Black Bubblegum" und "Setting fire to Sleeping Giants" zu tun, nur weil diese Lieder halt zu den melodischsten der Band gehören kann man sie doch noch lange nicht in eine Schublade stecken? Ich kenne die Aufnahmen von TDEP alle relativ gut und kann mich an keinen Song erinnern der eine ähnliche Atmosphäre durchgängig so solide aufrecht erhalten hat wie dieser Song und dann in genau dem gipfelt was man erwartet. Auch gibt es bei "Understanding Decay" und "CH 375 268 277 ARS" Riffs und Patterns wie TDEP sie seit ihren ersten Alben nicht mehr geschrieben haben, die unter der neuen Spielart und der guten Produktion der Band viel mehr aufgehen, so das die Songs mehr "aus einem Guß" wirken. Für mich auf jeden Fall eines der stärksten Alben des Jahres!

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Manuel

Autoren Bio

Ich schreibe Artikel. Manchmal schlecht, manchmal gut, immer über seltsame Musik.

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