Plattenkritik

The Felice Brothers - Celebration, Florida

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Release Date: 27.05.2011
Datum Review: 08.06.2011

The Felice Brothers - Celebration, Florida

 

Zwei Blicke braucht es. Ein Feier für Florida und ein kleiner fröhlicher Gymnast - von wegen. Celebration ist eine Planstadt des Walt Disney Konzerns in Florida und der kleine Junge lässt mit seinem leeren Gesichtsausdruck eher an die hochgezüchteten Kindermodels aus Little Miss Sunshine, als an eine glückliche Kleinfamilie denken. Passend das die Felice Brothers direkt im ersten Song ein Feuer bei einem Schönheitswettbewerb heraufbeschwören. Ein Kinderchor presst dazu „Everybody calm down, please stop shouting“ aus vielen kleinen Kehlen.

Ihr viertes, reguläres Album präsentiert die vormals um die drei Brüder gescharte Band in neuer Besetzung. Simone Felice ging nach Yonder Is The Clock und vergnügt sich mit seiner lauen Softrockband The Duke And The King. Aber auch ansonsten hat sich einiges getan. Versanken gerade die ersten beiden Alben noch im tiefverwurzelten Americana-Sound, mit grandiosen Songs wie „Ruby Mae“ oder „Roll On Arte“, so erscheint Celebration, Florida in neuem Gewand.

Schon bei dem Auftakt Song „Fire At The Pageant“ gesellen sich Drum Machine und elektronische Verfremdungen neben dem bereits erwähnten Kinderchor zum abgestaubten Sound der Band. „Honda Civic“ lässt nochmals einige alte Roots durchblicken, kommt aber nicht viel später mit funkigen Blechbläsern und Vocoder um die Ecke, um zum Ende doch wieder in der versifften Eckkaschemme zu landen.
Man merkt, dass es durchaus noch fast die gleiche Band ist, welche auch Adventures Of The Felice Brothers Vol.1 vollbracht hat. Der angekratzte, sich manchmal leicht überschlagende Gesang erdet sämtliche elektrische Ausflüge, genauso wie das Akkordeon und das polternde, manchmal knapp am Takt vorbeipreschende, Schlagzeug.
In diesem Zusammenhang passen dann sogar die nach vorne preschenden Synthesizer zum Ende von der ersten Single „Ponzi“. Fast schon Laptopfolk ist dann „Back In The Dancehalls“ mit einem warmen programmierten Beat, um den sich dann Fiedel, ferne Bläser, ein Chor oder auch perkussive Gläser scharen.

Ein düsteres, durch die angereicherten elektronischen Verfremdungen latent aggressives Album ist Celebration, Florida geworden, welches man so von den Felice Brothers nicht erwartet hätte. Waren die drei Vorgängeralben noch musikalisch wie textlich anachronistisch beseelt, so öffnet sich die Band hier breit in alle Richtungen. Textlich werden hier vor allem die Medien, der Glamour und die Stars rangenommen, von der Kleinstadt bis zur Wall Street. Erst zum Ende wird es wieder klassisch rootslastig. „Best I Ever Had“ und das epische „River Jordan“ hätten so auch auf den Vorgängeralben ihren Platz gefunden. Verwirrend, überraschen, gewöhnungsbedürftig, versöhnlich und spannend ist Celebration, Florida, aber auch die schwächeren Momente des Albums in denen der neue Sound etwas erzwungen wirkt haben Anerkennung verdient. Mal sehen welcher Weg weiter beschritten wird.

Tracklist:

1. Fire At The Pageant
2. Container Ship
3. Honda Civic
4. Oliver Stone
5. Ponzi
6. Back In The Dancehalls
7. Dallas
8. Cus’s Catskill Gym
9. Refrain
10. Best I Ever Had
11. River Jordan

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Kilian

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