Plattenkritik

The Forecast - Late Night Conversations

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 01.01.1970
Datum Review: 29.04.2005

The Forecast - Late Night Conversations

 

Victory Records signen ja bekanntlich seit einiger Zeit so einiges an Neuentdeckungen vom Markt weg und haben gerade Genretechnisch ihr Portfolio breiter denn je gefächert. Der jüngste Fang des Labels trägt den Namen THE FORECAST und wird via "Late Night Conversations" duch wunderschönem Indie-Rock mit einer hitverdächtigen Portion Pop erstmals auffälig. Das Quartett aus dem ruhigen Peoria, Illinois ist ganz klar von den älteren Sachen von THE ANNIVERSARY, jedoch ohne Keyboards, und Ikonen wie THE PROMISE RING oder BRAID beeinflusst. Intensive, rockige Soundwände mit eingängigen Arrangements entfalten eine eher ungewöhnliche jedoch äußerst angenehme emotionale Dichte. Verstärkt wird diese Wirkung durch die unglaubliche Intensität der zweistimmigen Mann-Frau Vocals von Gitarrist Dustin Addis und Bassistin Shannon Burns, die gemeinsam ein wundervoll melodisches Klangspektrum für ausgesprochenes Gänsehaut-Feeling aufspannen. Lyrisch wurden THE FORECAST von Alltäglichkeiten ihrer Verwandten und Bekannten sowie dem Leben in der Kleinstadt beeinflusst. Ein "Seating Subject To Availability" erzählt von der Aufgaben von Träumen und Passionen für den Alltag mit einem geregelten Job und Familie, während "These Lights" sich mit der Schönheit einer nächtlichen Autofahrt unterm Himmelszelt befasst. Die aus dem Leben gegriffenen Geschichten von THE FORECAST überzeugen über die gesamte Distanz von "Late Night Conversations" - so schnell verlässt diese Scheibe meinen CD Player nicht mehr.

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Victory Records beglückt den EMOtionalen Abiturienten auch 2005 mit schmissigen Alben, die "indie" genug sind, um nicht auf irgendeinem "Fetenhits" bzw. "Kuschelrock"-Sampler zerwurstet zu werden. Zu zynisch? Die entnervende Debatte um Herkunft und Zukunft des verflixten EMO-Begriffs lässt die Lorbeeren, die The Forecast bereits allerseits ernteten, als Makel erscheinen. Und das ist unfair.

The Forecast haben in gesundem Masse ihre Hausaufgaben gemacht und sich auch in Ruhe in den Proberaum verzogen, um dort etwas eigenes zu erschaffen. Die Arrangements sind sicher, die Dramaturgie der Songs passt auf die Texte. Während sich Jimmy Eat World langsam aber sicher aus dem Emo-Kosmos verabschieden, in dem sie nie so wirklich beheimatet waren, beackern The Forecast ein wie gesagt bekanntes und doch noch immer reichhaltiges Feld. The Promise Ring, Samiam, Taking Back Sunday standen Pate für ein selbständiges Werk ohne echte Ausrutscher. Neben den männlichen Vocals sorgen gleichrangige Sangesleistungen
der Bassistin für Abwechslung. Hier liegt einer von zwei kleinen Wermutstropfen - die Dame mag nett sein, da sie in einer coolen Band spielt, aber kann sie auch andere Tonlagen treffen? Zu gleichartig ist ihre Darbietung, so dass sie weit unter ihren Möglichkeiten bleibt, die man ihr sicher unterstellen darf. Die Vocals machen allerdings des öfteren Platz für wenig neue und doch treffende Instrumentalstrecken. Als zweiter kleiner Schnitzer kann das Fehlen eines echten Herzbrechers gesehen werden. The Forecast könnten ein wenig Langsamkeit wagen und sich an einem zweiten "Mud Hill" versuchen. Diese Platte rettet nicht das Sternensystem, aber unter Umständen diesen Sommer. Acht von Zehn Punkten.

by Ben

Alte Kommentare

von Hank Scorpio 11.08.2005 09:51

Wohl das ehrlichste und geschlossenste Album was ich in den letzten 12 Monaten gehört habe. Geht in die Beine und ins Herz.

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