Plattenkritik

The Haven Theory - The Art Of Sharing Lies

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Release Date: 01.01.2009
Datum Review: 22.04.2009

The Haven Theory - The Art Of Sharing Lies

 

Sich vom Talent dieser Band bei einer ihrer leider (noch) recht sporadisch gestreuten Liveshows zu überzeugen war einfach. Ungestellt und mit Freude am eigenen Brachialsound konnte einiges an positiven Publikumsreaktionen provoziert werden. Nun liegt mit "The Art Of Sharing Lies" die erste Veröffentlichung vor, sieht man vom gelegentlich gefütterten Myspace-Auftritt einmal ab.

Für einen Moment soll hier das Negativsubstrat des Metalcore-Genres suspendiert werden. Ohne dieses können sich THE HAVEN THEORY zugute halten, musikalisch-handwerklich einwandfrei zu agieren, ja sogar eine für die meisten jüngeren Bands ungewöhnliche hohe Präzision zu erreichen. Stimmig und von anhaltender Spannung getragen intoniert jeder der sieben Songs plus Intro sein eigenes Thema (Anspieltipps: "Bridgend Pleasant View" und "The Art Of Sharing Lies") und auch die meisten Gesangsparts wissen den Druck der Instrumentenfraktion weiterzutragen. Die gesanglichen Koordinaten, die die Sänger Stephan und Thomas in den Songs verbinden, erinnern teilweise stark an Marcus Bischoff (HEAVEN SHALL BURN) und Roughton Reynolds (ENTER SHIKARI). Beileibe keine schlechten Referenzen. Mit teils vertrackten, dann wieder die Hookline tragenden Rhythmen und Songstrukturen wirken THE HAVEN THEORY dem Knick in der Aufmerksamkeitskurve der Hörer bis auf wenige Ausnahmen souverän entgegen, selbst nach etlichen Hördurchgängen. Die hier und da noch etwas hüftsteifen Lyrics sowie die ein oder andere zuschnappende Klischeefalle lässt sich da gut verkraften. Schade ist allerdings, dass dem Artwork nur wenig Liebe zuteil wurde: Eine kaum ansprechende, schwarz-weiße Klappseite und eine fehlerhaft abgedruckte Songreihenfolge auf der Inlaycard sind wenig ansprechend und spiegeln in keiner Weise die musikalischen Leistungen dieser Band wider (per Email wurde jedoch versichert, dass die nachzuordernden Auflagen mit korrigiertem Artwork kommen werden).

Vor dem Hintergrund, dass Metalcore ob seines gigantischen Volumens selbst die solidesten Genreneulinge mit Aufmerksamkeitsentzug abstraft, lässt sich vermuten, dass es THE HAVEN THEORY noch schwer haben werden. Zu fest haben Genrehelden wie UNEARTH, AS I LAY DYING, HEAVEN SHALL BURN, KILLSWITCH ENGAGE oder von mir aus auch EVERGREEN TERRACE das Geschehen in der Hand und verdammt groß ist die Menge derer, die ebenfalls in dieses Segment strömen. Aber eine Band an den Maßstäben etablierter Genregrößen zu beurteilen, ist doch reichlich unfair. Genauso unfair ist es ihnen anzukreiden, einer Leidenschaft nachzugehen, die sie noch mit (vielen) anderen teilen. Daher: Im Auge behalten, und ein Ohr riskieren.

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Sebastian K.

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