Plattenkritik

The Hold Steady - Heaven Is Whenever

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 30.04.2010
Datum Review: 13.05.2010

The Hold Steady - Heaven Is Whenever

 

Der Grund dafür, dass THE HOLD STEADY noch immer in kleinen Bars auftreten, in denen das Publikum aus der Mid-Life Crisis derer besteht, die an SPRINGSTEEN‘s „Born To Run hängen geblieben sind, ist der, dass sie ihre wundervollen Texte nicht in den schwungvollen Punk packen, den THE GASLIGHT ANTHEM eben spielen. THE HOLD STEADY wollen das auch gar nicht, vielmehr sind sie ziemlich zufrieden in dem Ü-40 Gestus und das ist im Grunde auch gut so. Denn lernen kann man auch hier eine Menge, zum Beispiel über Städte, Frauen und auch Hardcore. Dass das auf dem neuen Album von THE HOLD STEADY nicht ganz so hitgeladen ist wie auf dem Vorgänger ist dennoch nur bedingt zu verzeihen.

Was war „Stay Positive“ aber auch ein Befreiungsschlag. In erster Linie hat Craig Finn da ja wenig anders gemacht als auf „Heaven Is Whenever“, aber die Band war irgendwie mehr auf Zack. „Heaven Is Whenever“ lebt im direkten Vergleich ein bisschen mehr von Text und Sprache, wo „Stay Positive“ tatsächlich von positiver Euphorie überladen war und animierte, auch im Wohnzimmer den Zeigefinger lächelnd gen Lampe zu recken. Solche Momente bleiben diesmal leider aus. Kein Hit, kein Punch. Das beginnt schon im krassen Kontrast beim Opener. Wo „Constructive Summer“ einen der wohl großartigsten, energiegeladensten und euphorischsten Punksongs aller Zeiten darstellt, hält „The Sweet Part Of The City“ erstmal inne und zeigt, welch großartiger Songwriter Finn doch ist. Da wird die Stadt beschrieben und während die Band erstmal auf Sparflamme agiert. Auch nett, muss man sich eben nur dran gewöhnen. So richtig gut und erwähnenswert wird es dann erst beim großartigen „The Weekenders“. Hier wirkt man andächtig euphorisch, beruft sich erneut auf das textliche Talent und zaubert so das Albumhighlight, viel zu früh, auf den Rohling. Was danach kommt ist erneut alles nett und schön, jedoch zu sehr an Bar-Rock angelehnt, als das der geneigte Holzfällerhemdenträger hier sein Bier durch die Gegend wirbeln würde. Gute Momente kommen natürlich trotzdem nochmal. „Hurricane J“ ist eine rührende Geschichte um eine Bardame und „Barely Breathing“ schon das zweite YOUTH OF TODAY Zitat in der HOLD STEADYschen Zeitrechnung. Und wie Recht Finn hat: „no one wins at violent shows“. Muss man sich merken, so eine Zeile. Mit „Our Whole Lives“ drehen THE HOLD STEADY dann nochmal auf, was auch bitternötig war, um dieses Album noch in den Bereich rund um das Wort „toll“ zu hieven. Textlich wie auch musikalisch sehr hübsch aufgemachtes Schlusslicht, auch wenn der eigentliche Punkt mit „A Slight Comfort“ gemacht wird. Jedoch ist dieser Track tatsächlich so ein „Goodbye“, so eine kleine Hommage, die man nicht so recht versteht, wenn man noch nicht in New York City war, so wie ich. Glaube ich. Alles in allem ist „Heaven Is Whenever“ also nicht das, was man nach „Stay Positive“ erwartete, aber sicherlich genau das, was die Band machen wollte und das hört man zu jeder Sekunde raus. Und tolle Momente gibt es ja auch trotzdem. Auch ohne Chöre, Keyboards und Saxophone. Der Kerl mit Halbglatze, der noch immer den Tag mit „Born To Run“ beginnt, wird sich jedenfalls freuen. Von mir jedenfalls wirklich gute und gut gemeinte 6 Pyramiden.

Tracklist:

1. The Sweet Part Of The City
2. Soft In The Center
3. The Weekenders
4. The Smidge
5. Rock Problems
6. We Can Get Together
7. Hurricane J
8. Barely Breathing
9. Our Whole Lives
10. A Slight Discomfort

Alte Kommentare

von ben 18.05.2010 15:50

wirklich nicht ihr bisher bestes. hat ein wenig an drive verloren. man merkt dass fran nicolay deutlich mehr punkeinflüsse miteingebracht hat.

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Raphael

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