Plattenkritik

The James Cleaver Quintet - That Was Then, This Is Now

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Release Date: 20.01.2012
Datum Review: 27.01.2012

The James Cleaver Quintet - That Was Then, This Is Now

 

Wieder einmal sind es die Engländer, die der Welt die Tatsachen erklären und hämische Fragezeichen aus dem Weg räumen. Aufgehorcht – denn schon der Albumtitel klugscheißt nicht ohne Berechtigung: Wo fängt die Musik an? Chaos, Postcore oder loungiger Salsarock? Kommt doch eh alles aus demselben Verstärker.


„We´ll Hold Onto This Anyway – We Know How.“ Heißen THE JAMES CLEAVER QUINTET ihre Hörer im Cover-Inneren willkommen. Auf dem Silberling selber tut dies das kratzige „Golfing Pros, Bitches and Hoes“, welches in zweieinhalb Minuten Metzelei weder Raum zum Luftholen, noch zum Nachfragen lässt. Die fünf (wer hätte´s gedacht!) Täter aus dem britischen Eastbourne leben im Inneren klar den Punk, können sich aber auf Teufel komm raus nicht mit Scheuklappen oder engstirnigem Songwriting anfreunden.
„That Was Then, This Is Now“ schließt als Gesamtwerk mit der düsteren Vergangenheit der Band ab und buttert mit dem hektischen „Think Or Swim“ oder dem zerbröselndem „Mock The Weak“ mächtig aufs Brötchen. Was in einer Sekunde mosh-reif rockt wie aufgeweckte EVERY TIME I DIE, findet sich im nächsten Moment mit einem exklusiven Cocktail in der Hand an der edlen Hotelbar wieder – so geschehen zum Beispiel im knapp sechsminütigen „Trading Water“. Die vielen (ernstgemeinten) Einwürfe von Jazz über Metal, Rock´N´Roll, oder Bossa Nova bis zum eigentlichen Kern des Quintetts lassen weiter und weiter neue Gimmicks aufblitzen - und nicht jedermann traut sich die 180°-Wende, die das nichtsahnende „The JCWho“ aus dem Regen und in die Traufe reißt.

Bodenständig und sicher brüllt, kreischt und kredenzt Sänger Jacky Udon seine hochkonzentrierten Kollegen durch „Eyes For Ears“ und „Snakes“ in Richtung des kinnladenunfreundlichen Finales „Lower Than A Bastard“, dessen Titel lediglich ein Drittel der Wahrheit verrät. Die Briten schmücken „That Was Then, This Is Now“ mit verschnörkeltem Hardcorepunk, der sich durch persönliche und zugleich kranke Note nicht bloß als solcher abstempeln lässt. „Don´t Just Stare At It, EAT IT!“ wirkt da mit durchgängigem Rückgrat beinahe „normal“, „Eyes For Ears“ kombiniert so ansteckend bloße Power mit unentschiedenem Auf und Ab wie zuletzt LETLIVE. auf „Fake History“. Oftmals taugt eben die klare Unentschlossenheit und wirkt – erstmal überwunden - Wunder. Es muss ja nicht immer alles in Los Angeles passieren.

Trackliste:

01. Golfing Pros, Bitches And Hoes
02. Chicken Shit (For The Soul)
03. Think Or Swim
04. Don´t Just Stare At It, Eat It
05. THe JCWho?
06. Pinks & Blues
07. Trading Water
08. I
09. Eyes For Ears
10. Mock The Weak
11. II (Reprise)
12. Snakes
13. Lower Than A Bastard

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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