Plattenkritik

The Lawrence Arms - Metropole

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Release Date: 31.01.2014
Datum Review: 15.01.2014

The Lawrence Arms - Metropole

 

Dass ihm die Worte nicht einfach so mir-nix-dir-nix zufliegen, klärt Brendan Kelly gleich zu Beginn unverfroren in "You Are Here" auf. Acht Jahre fühlen sich trotzdem wie achthundert an, wenn "Metropole" erst einmal die Kontrolle über Ohrmuschel und Punkerherz übernommen hat.

Schön, dass im Hause THE LAWRENCE ARMS weiter offen gesprochen wird. Älter werden, sein Umfeld genauer beäugeln, das eigene Leben aus einem verrotteten, manchmal kaum noch wiederzuerkennenden Faden zusammenstricken. Legt man die Karten hier nicht offen auf den Tisch, hören einem bald bloß noch Schnapspulle und Skyline zu. So geschehen bekanntermaßen auch schon vor "Metropole", dem insgesamt sechsten und eben ersten Album der Chicagoer seit knappen fünfundneunzig Monaten. In der Zwischenzeit ließen sich beim jährlichen THE FEST in Gainesville jedoch nicht weniger geflügelte Sanduhr-Tätowierungen erspähen, und auch "Buttsweat & Tears", SUNDOWNER oder THE FALCON machten ihre Schritte auf der (Sideproject-)Landkarte. Man kann dem Dutzend Songs auf "Metropole" also guten Gewissens alle Erwartungshaltung vor die Füße werfen.
Das mittlerweile über die USA verstreute Trio rückt mit "Chilean District" ruckartig aus der Versenkung - die melancholischen Kettenraucherstimmen im Schlagabtausch, die Harmonien stets kurz vorm Hinschmeißen.
Ob THE LAWRENCE ARMS sich abmühen um ihren Wiedererkennungswert zu behüten, verraten auch "Hickey Avenue" oder "Acheron River" nicht: Der grantige aber dauermelodische Sound hat nichts eingebüßt, lediglich vom Rotz aus alten Tagen haben Kelly, Gitarrist und (Haupt-)Sänger Chris McCaughan und Drummer Neil Hennessy stellenweise einige Gramm verschenkt. "Don't kill all the beautiful things" fleht der Chorus von "Beautiful Things" passenderweise gegen Ende der A-Seite. "Metropole" nimmt diesbezüglich keine Opferrolle ein: THE LAWRENCE ARMS klingen 2014 nach THE LAWRENCE ARMS, und halten auf ganzer Linie an ihren
Werten und Qualitäten fest. "Drunken Tweets" bestimmt den kurzen, deutlich ans Bein pissenden Prozess, während "The YMCA Down The Street From The Clinic" unmittelbar danach wieder von der Offen- in die Defensive springt.

Wer die hymnisch-tagträumerischen Punkrocknummern nach "Oh! Calcutta!" bereits im Kamin hat verdampfen sehen, wird mit "Paradise Shitty" eines besseren belehrt. Wen die bekennenden Lyrics des Trios auch zwischen den Zeilen stets mit Schauern versorgt haben, findet beim emotional gespickten Titelsong oder "Seventeener (17th And 34th)" neue Hoffnung. Wenn so die Heimat Chicago klingt, will diese Stadt mitsamt ihrer hallenden Riffs und der verstörten Hoffnung am Horizont weggeatmet werden. Vielleicht ein Experiment für 2022 - es sei denn, THE LAWRENCE ARMS kehren dauerhaft zur Vernunft zurück. Ansätze sind auf "Metropole" wie Sand am Meer zu finden: "The traffic lights blinks a million times / I blink twice and twenty years went by". Bei Sinnen und Verstand sind die Windy-City-Punks also alle Male.

Trackliste:

01. Chilean District
02. You Are Here
03. Hickey Avenue
04. Seventeener (17th And 34th)
05. Beautiful Things
06. Acheron River
07. Metropole
08. Drunk Tweets
09. The YMCA Down The Street From The Clinic
10. Never Fade Away
11. Paradise Shitty
12. October Blood

Alte Kommentare

von beex 15.01.2014 21:59

Nix für ungut, aber als alter Fanboy muss ich einschreinten: Brendan Kelly - Bass, Gesang Chris - Gitarre, Gesang Neil - Drums Und auf die im Intro verwiesene Zeile kommt eigentlich auch 80% des Gesangs von Mr. McCaughan...aber genug klug geschissen. Neue Larry Arms Scheibe YAAAY!!

von Moppi 15.01.2014 22:57

Ausgebessert!

von ben 16.01.2014 13:18

ich find die platte iwie lahm. fast alle songs haben das gleiche tempo, die abgedämpften gitarren sind fast gänzlich verschwunden, brendan kelly krächzt kaum noch, sondern macht auch auf storyteller. die besseren songs waren auf calcutta und greatest story.

von surecamp 16.01.2014 23:01

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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