Plattenkritik

The Race - Ice Station

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Release Date: 15.05.2007
Datum Review: 02.09.2007

The Race - Ice Station

 

Gefangen sein. Das Eingezwängtsein in Strukturen, aus denen ein Ausbruch unmöglich scheint und die dazu im Gegensatz stehende Freude an den kurzen Augenblicken der Schönheit des Lebens waren die zentralen Themen in Solschenizyn Nobelpreis gekröntem Roman „Ein Tag im Leben des Iwan Dennisowitsch“. Gefangen im Gulag Arbeitslager fristet besagter Iwan einen von Kälte und Hunger bestimmten Überlebenskampf – und steht ein für das Gute im Menschen.

Schnitt auf das Chicago von heute. Man muss nicht unbedingt in Sibirien gestrandet sein, um sich gefangen zu fühlen. Grund genug für THE RACE ein von Solschenizyn inspiriertes Album aufzunehmen. Kein Konzeptalbum, eher eine LP mit Konzept, denn viel geändert hat sich im THE RACE Klangmosaik nicht. Dafür gibt es dann seit längerer Zeit Musik, die wieder nach New York klingt. Stumpfe Beats und perlende Gitarren begleiten die Texte vom großen Traum nach Freiheit, und der Monotonie der Eingesperrten. Darunter liegen natürlich wieder Vergleiche mit den ewigen JOY DIVISION („Crack Goes The Lake“) nahe, auf diese einzige Spielart des 80’s Indie-Rock lassen sich THE RACE dann aber glücklicherweise doch nicht festnageln. „Feathers“ etwa poltert in bester STROKES Manier nach vorne und bei Titeltrack „Ice Station“ mit treibendem Basslauf und zackigen Gitarren fehlen nur noch ein paar Jumpsuits zum vollständigen DEVO Glück.

Wenn der Rest junger Chicagoer Bands auch nur annähernd so gut ist wie THE RACE, dann steht einem Gegengewicht zum omnipräsenten Omaha nichts im Wege. Auch wenn „Ice Station“ kein Meisterwerk, kein genialisches Manifest geworden ist, es ist wundervolle Musik, die in Songs wie „Standby“ tieftraurige Soundgemälde mit dem Mut zur Poesie ausbreitet.

1. Feathers
2. Shortest Way To China
3. Ice Station
4. Odessa
5. Evil Love
6. Wall
7. Evil Dove
8. Crack Goes The Lake
9. A Kind Of Solution
10. Standby
11. Wandering Eye

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Dennis

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