Plattenkritik

The Spittin´Cobras - Year Of The Cobra

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Release Date: 20.03.2012
Datum Review: 03.04.2012

The Spittin´Cobras - Year Of The Cobra

 

 

Genau gesagt, sind diese sechsunddreißig Minuten bloß offen, ehrlich und fernab von jedem Täuschungsversuch: Nach zurückgelehntem Lounge-Jazz kräht sicher kein Song, der „10.000 Broken Bodies“ heißt. Und möge sich „Built For Speed“ auch eher dem Lebenswege ihres heißgeliebten Tourmobils „Big Betty“ widmen anstatt illegale Aufputschunterfangen zu propagieren – bei einem Zusammenschluss von vorbelasteten Lebern und Trommelfellen sind die musikalischen Schienen beinahe auf die Stirn tätowiert.


Zum Glück hat „The Year Of The Cobra“ aber nach Ausklang des finalen RAINBOW-Klassikers „Long Live Rock´N´Roll“ mehr gehalten als es das flache Coverartwork zunächst verspricht: THE SPITTIN´ COBRAS aus Seattle zünden nicht an, sie haben bereits nach dreißig Sekunden die Brandherde auf ihrer Seite. „All The Way“ oder „Criminal Mastermind“ stolpern nach übermäßigem ZEKE-Konsum mit MOTÖRHEAD-Schirmchen im Glas einfach durch die Betonwand - Frontmann Alx Karchevsky keift sich dabei einen höhenlastigen Zacken aus der Krone, der trotz anklopfender Stimmmonotonie für Action und den verdienten Geschwindigkeitsrausch sorgt. Überhaupt bieten sich für Tracks wie „10.000 Broken Bodies“ oder – logischerweise – das mächtige „Built For Speed“ keine besseren Schauplätze als der leere Freeway im Abendrot – stets dem nächsten Exzess oder zumindest noch geöffnetem Liquor Store entgegen.

Nicht immer können die vier Nordamerikaner auf ihrer Überschlagsfahrt mit Hooklines wie in „Coup D´Etat“ trumpfen oder zumindest mit „Throw Your Horns“ einen zarten Aufräumversuch starten. Trotzdem geht den Mitgliedern mit Nebejobs bei THE DWARVES oder KMFDM weder die Puste aus noch der Nachdurst flöten. „Last Chance Saloon“ zwinkert, mit Abschied per Covertrack frönen THE SPITTIN´ COBRAS noch schnell den Wurzeln aus Hardrock, denen Punkrock und Metal gleichziehen müssten. Energie und Überlebenswille zeigt dieses Debüt, ohne zuvor das Kleingedruckte gelesen zu haben – in dem auf keinen Fall von „Lounge Jazz“ oder ähnlichen Party bremsenden Audiolastern die Rede sein darf. Kommt´s dennoch hart auf hart – wird ein bisschen Cobra-Speichel die Wunde schon richten.

Trackliste:

1. All The Way
2. 10,000 Broken Bodies
3. Coup D’Etat
4. Criminal Mastermind
5. Throw Your Horns
6. Hooker With A Heart Of Gold
7. Built For Speed
8. Last Chance Saloon
9. Long Live Rock N’ Roll


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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.