Plattenkritik

The Weakerthans - Reunion Tour

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Release Date: 21.09.2007
Datum Review: 05.12.2009

The Weakerthans - Reunion Tour

 

Ja, ich gebe es zu. Ihr habt ja recht. Diese Rezension hat lange auf sich warten lassen. Zu lange?! Vielleicht…. Vielleicht aber auch genauso lange, wie es nötig war. Manche Dinge brauchen halt ihre Zeit. Und beeilt haben sich die vier fabulösen Kanadier, die zusammen diese fabulöse Einheit namens THE WEAKERTHANS bilden, ja auch nicht wirklich mit den Aufnahmen ihrer eigenen "Reunion Tour".

Musikalisch knüpft die Band eigentlich nahtlos an "Reconstruction Site' an. Ob eruptiv nach vorne rockend und an ihre Punkroots gemahnend ('Relative Surplus Value'), getragen und auf das Wesentliche reduziert ('Virtute The Cat Explains Her Departure') oder um Effekte erweitert, deren Einsatz bei vielen anderen Bands in die Hose gehen würde (die Pedal Steel-Gitarre in 'Utilities'), die WEAKERTHANS agieren einmal mehr allein auf weiter Flur. Bezogen auf die lyrische Seite der Band lässt sich mittlerweile schon fast von einem "John K. Samson-Effekt" sprechen: Nicht immer versteht man jedes dieser mit hübschen Alliterationen und passenden Bildern versehenen Gedichte, dennoch beschleicht einen unweigerlich das Gefühl: der Mann bringt´s auf den Punkt. Und, wer sich dabei solch sympathisches Understatement à la "seems the most I have to offer doesn´t offer much" (aus: 'Utilities') bewahrt hat, der kann kein schlechter Mensch sein.


Die Erkenntnis, dass die Musikindustrie immer auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse und Entwicklungen ist, ist eigentlich trivial. Allerorten wird rationalisiert, werden schnelllebige Trends kreiert, alles schön kompakt und in gut verdauliche Portionen gepackt. In solchen Zeiten tut es immer gut, wenn es noch Konstanten gibt. Konstanten wie die WEAKERTHANS. Auch, wenn sie manchmal länger auf sich warten lassen…

Tracklist:

01: Civil Twilight
02: Hymn Of The Medical Oddity
03: Relative Surplus Value
04: Tournament Of Hearts
05: Virtute The Cat Explains Her Departure
06: Elegy For Gump Worsley
07: Sun In An Empty Room
08: Night Windows
09: Bigfoot!
10: Reunion Tour
11: Utilities

Alte Kommentare

von Daniel 18.11.2007 18:19

Ja, in der Tat. Der John K. Samson Effekt steht als verlässliche Konstante für Texte bei denen man gerne genauer hinhört, und das in Zeiten in denen die lyrische Qualität dessen, was uns Tag für Tag im Radio vorgesetzt wird stetig nach unten geht. Man könnte es auch als musikalischen "Paternoster-Effekt" bezeichnen, aber egal wie man es nennt, die Scheibe ist ihr Geld wert!

von kjoeti 19.11.2007 10:05

album des jahres 2007.

von blake schwarzenbach 19.11.2007 11:18

schöne renzension! wobei ich hinzufügen muss, dass pedal-steel klänge auch, und das sogar häufiger, als der autor zu glauben scheint, gut in das gesamtbild eines songs passen. beispiele hierfür wären die chuck ragan platte oder aber auch diverse skandinavische singer/songwriter, wie christian kjellvander, karl jacob rasmussen, kristofer aström, etc.

von René / allschools 19.11.2007 11:48

@Blake: Stimmt. "The Boat" vom guten Chuck beispielsweise lebt ja auch irgendwie davon. Muss halt akzentuiert eingesetzt werden. Über Tipps aus dem Singer/Songwriter-Bereich bin ich übrigens immer sehr dankbar, finde ich besagte Alben von CHUCK RAGAN oder auch ROCKY VOTOLATO ziemlich großartig.

von blake schwarzenbach 19.11.2007 13:43

ich kann dir, neben den drei genannten, noch folgende bands/künstler empfehlen: the walkabouts, townes van zandt, midnight choir, jennie lofgren, damien rice, elliott smith, die erste favez platte und natürlich rumbleseat! wobei du schnell merken wirst, dass das eher weniger mit singer/songwriter zu tun hat. aber wenigstens haben alle mal 'ne pedal steel gitarre benutzt (meines wissens nach).

von René / allschools 19.11.2007 14:08

Die "0" von Damien Rice läuft seit Tagen auch wieder regelmäßig bei mir. Elliot Smith sollte man sowieso kennen, den Rest werde ich aber definitiv mal anchecken. Besten Dank. Die neue Favez ist übrigens (meiner Meinung nach) auch sehr gelungen...

von blake schwarzenbach 19.11.2007 18:59

ich wusste gar nicht, dass es die favez noch gibt. wann kam die platte denn raus?

von René / allschools 19.11.2007 19:10

Kommt am 23.11. Über Gentlemen Records...

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