Plattenkritik

The Wedding Present - El Rey

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Release Date: 13.06.2008
Datum Review: 22.06.2008

The Wedding Present - El Rey

 

„Die Hälfte des Geldes, das ich verdient habe, ist für Alkohol, Frauen und Autos draufgegangen, den Rest habe ich einfach verprasst“. Dieses inzwischen wohl legendäre Zitat geht auf George Best, mittlerweile verstorbener Ex-Fußballprofi von Manchester United mit Hang zum ausschweifenden Leben, zurück. "George Best" lautete auch der Titel des Debüt-Albums von THE WEDDING PRESENT aus dem Jahre 1987. 21 Jahre später existiert die Band immer noch – das heißt Sänger/Gitarrist David Gedge ist nach gefühlten zweitausend Besetzungswechseln die einzig verbliebene Konstante. Mit George Best wiederum verbindet "El Rey" auf lyrischer Ebene diese gewisse Form von leicht übertriebener Genusssucht, auf dem Album dargestellt durch den modernen Sündenpfuhl Los Angeles. David Gedge geriert sich jedoch als vorsichtiger Beobachter. Ein English man in L.A. sozusagen.

Das Album beginnt mit 'Santa Ana Winds' ziemlich grandios: schummerige Gitarren, ein analog-transparenter Schlagzeug-Beat, wie man ihn wohl nur in Steve Albinis Electrical Audio Studio hinproduziert bekommt, dazu diese die britisch-aufgeräumte Stimme von David Gedge. Man stelle sich Moz in ein bisschen weniger pathetisch vor. THE WEDDING PRESENT gewinnen auf 'El Rey' vor allem in den atmosphärischen Momenten, wie dem leicht angeschrägten 'I Lost the Monkey' oder 'Palisades' mit seinem verzweifeltem Refrain („You don´t love my anymore“), der einmal mehr von Gedges Hang zum Direkten zeugt. In einem anderen musikalischen Kontext hieße das heutzutage wohl Emo. Neben diesen zweifelsohne großen Momenten schälen sich dennoch phasenweise etwas langatmig wirkende Passagen heraus, welche 'El Rey' ganz knapp an einen Tipp vorbei musizieren lassen. Letztendlich beweisen THE WEDDING PRESENT, dass sie in puncto Songwriting mit den jungen Emporkömmlingen Großbritanniens immer noch mithalten können, ihnen in Sachen Dichte das trendverseuchte Wasser oftmals sogar abgraben. Ob es für ein ausschweifendes Leben Best´scher Art ausreicht, bleibt hingegen abzuwarten. Ist ja auch nicht unbedingt erstrebenswert…


Tracklist:

01: Santa Ana Winds
02: Spider-Man On Hollywood
03: I Lost the Monkey
04: Soup
05: Palisades
06: The Trouble With Men
07: Model, Actress, Whatever…
08: Don´t Take Me Home Until I´m Drunk
09: The Thing I Like Best About Him Is His Girlfriend
10: Boo Boo
11: Swingers

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René

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