Plattenkritik

There'll Be Blood - There'll Be Blood

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Release Date: 05.12.2014
Datum Review: 22.12.2014

There'll Be Blood - There'll Be Blood

 

Der Sänger der längst aufgelösten Bands My Hero Died Today und Paint The Town Red hat nach langer künstlerischer Schaffenspause eine neue Band am Start. „Ist wohl stilistisch moderner Hardcore“ wird die Erwartungshaltung der meisten sein, wenn es um Marco Walzels neues Projekt geht. Weit gefehlt, ganz weit…
Die „Band“ heisst There’ll Be Blood und hat gerade ihr selbstbetiteltes Debut veröffentlicht. Allerdings ist schon die Bezeichnung Band im Kontext von There’ll Be Blood zu hinterfragen. Konkret sind nämlich nur zwei Personen an diesem Projekt beteiligt: Marco Walzel und Erik Weingarten. Musikalisch geht Marco mit There’ll Be Blood, wie er im Gespräch mit Allschools erklärte gänzlich andere Wege. Denn eigentlich wollte Marco nie wieder in einer Band spielen und wenn, dann sollte es sich um stilistisch um etwas gänzlich anderes als Punkrock, Hardcore oder Metal handeln. Heraus kam ein noisiges, düsteres, streckenweise verzweifelt depressives und zähes Elektro Werk mit ein paar Gitarren, die hier und da einmal etwas präsenter sind und auf einigen Tracks gänzlich fehlen. Keine Gangshouts, keine Moshparts, keine Soli sondern eher Synthies, Drum Computer, ab und an eine lärmende Gitarre im Hintergrund und ganz dezente Industrial Anleihen. Musikalisch bieten There’ll Be Blood eine sehr tiefgehende und vielschichtige Platte, die einerseits einem roten Faden folgt, aber dennoch viel Abwechslung liefert. So geht beispielsweise „Sympathy For No One“ als sehr guter Noise Rock Song durch, der von elektronischen Akzenten lebt. Andererseits ist könnte „Destroy“ auf einer Massive Attack Platte veröffentlicht werden ohne dort als Fremdkörper wahrgenommen zu werden. There’ll Be Blood liefern mit ihrem Debut somit eine atmosphärisch dichte Scheibe ab, auf der es musikalisch viel zu entdecken gibt und die auch nach dem zwanzigsten Durchlauf nicht langweilig wird. Allerdings gibt es einen kleinen Kritikpunkt: Die Vocals. Hier muss Marco noch ein wenig an sich arbeiten und ein wenig mehr Zurückhaltung aufbringen. In einigen Songs wirken die geschrieenen Parts gefühlt 20% zu überambitioniert und zu aggressiv.
Neben der herausragenden Musik haben There’ll Be Blood jedoch noch weitaus mehr zu bieten, denn man muss den Erik und Marco eine gehörige Portion Mut attestieren. Das einzige physische Release ist ein auf 125 Stück limitiertes und mit 50 Euro bepreistes Vinyl Release, welches neben zwei grün schwarz gefärbten 7’’es ein aufwändig gestaltetes Buch mit Hardcover Bindung besteht. Inhaltlich bietet das Buch sehr geschmackvolle schwarz-weiss Fotos, gepaart mit den Lyrics auf schwerem geprägten Papier. Zudem gibt es noch einen Download Code mit der Musik und einem sehr gelungenen Surround Mix, der zumindest auf einer Sonos Sourround Anlage sehr amtlich klingt. Betrachtet man nun dieses Gesamtkonstrukt so wäre es infam, There’ll Be Blood’s Debut als reines Musik Release abzutun. Schlussendlich ist das Ganze eher als sehr gelungenes Gesamtkunstwerk zu betrachten.

Wie wird es weiter gehen mit There’ll Be Blood? Im persönlichen Gespräch mit Allschools deutete Marco nur bedingte Live-Ambitionen an: Wenn es eine Show geben sollte, dann müssten dafür die Rahmenbedingungen stimmen. Eine altes Gemäuer wäre zum Beispiel im Sinne von Marco und Erik. Die beiden gehen das Thema There’ll Be Blood sehr zurückhaltend an: es soll nichts erzwungen werden, es gibt keinen ausgefeilten Marketingplan, kein Merch-Kollektionen oder ähnliches.

Zusammenfassend finde ich There’ll Be Blood sehr erfrischend: die Musik ist, wenn man mal abseits der Metal- und Hardcore Pfade die Scheuklappen ablegt sehr gut aber auch perspektivisch verbesserungs- und entwicklungsfähig. Dafür würde ich 8 Punkte ziehen. Allerdings spricht mich die Arbeitsweise der Band sehr an: erstens beweisen die beiden eine Menge Mut. Ich will nicht wissen, was die Produktion dieses äusserst aufwändigen Vinyl Packages bei einer Stückzahl von 125 Stück kostet und ob sich diese Anzahl an Leuten findet, die 50 EUR für ein solches Package bei einer Newcomer ausgeben werden. Allerdings ist klar festzuhalten: das physische Release ist das Geld wert und damit kommen wir zum zweiten Punkt warum ich die Arbeitsweise der Band sehr mag. There’ll Be Blood limitieren sich nicht nur auf Musik sondern legen ebenso viel Wert auf eine ansprechende visuelle Untermalung selbiger. Dafür gibt es nochmal einen Punkt drauf. Macht in Summe 9 absolut verdiente Punkte. Gebt der Band ne Chance, wir brauchen mehr solche Bands wie There’ll Be Blood, die den Schwerpunkt auf die Kunst selbst und nicht auf Facebook- oder Instagram-Likes legen.

Autor

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Michael P.

Autoren Bio

Allschools Gründer und Programmierer

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