Plattenkritik

Three Minute Record - Three Minute Record

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Release Date: 10.09.2011
Datum Review: 25.10.2011

Three Minute Record - Three Minute Record

 

 

„No Surrender“ – ein schier zeitloses Motto in Jahren eines angepissten Klimas, des wirtschaftlichen Umschwunges oder einer unter Oberflächlichkeit gefangenen und stagnierenden Musikszene. „No Surrender“ – auch 1984 schon ein dringlicher und ganz und gar nicht oberflächlicher Song eines Arbeiterklassehelden aus dem rauen New Jersey, in dessen Strophe sich nicht nur die Zeile „ We learned more from a three minute record than we ever learned in school“ findet, sondern auch die hoffnungsvolle Äußerung „ Well maybe we could cut some place of our own - with these drums and these guitars“ in die Welt posaunt wird. Musik als Zufluchtsort, das passt 2011 genauso auf die Menükarte wie schon vor über 27 Jahren...

THREE MINUTE RECORD machen keinen Hehl aus ihrer Liebe zum Boss und genauso wenig zu deren musikalischen Aushängerben die dieser Tage zwischen Untergrundszene und Stadionbühne tingeln. „When We Were Young And Wild“ heißt es da im Opener – und Frontmann Sammy ebnet mit ehrlicher aber unsicherer Stimme den Weg in eine knappe halbe Stunde zwischen Blues und Punkrock, zwischen wahrem Leben und erzählten Träumen. Der Sound der Düsseldorfer ist trocken und unaufgebläht, was „Coldblooded Kate“ oder „The Trunk“ leidenschaftlicher klingen lässt, als viele der überheblichen Nachahmer und Mitläufer im Flannelhemd.
An „All My Heroes Are Gone“ haftet jedoch trotz rockendem Fundament und Stilnote eine Unbeständigkeit, die THREE MINUTE RECORD zu dünn und reserviert klingen lässt, trotz das Melodie und Arrangements gut über die Runden kommen. Auch wird nicht jeder mit einer Stimme wie der von Brian Fallon geboren und bekommt die romantische und einmalig feinfühlige Art, sich lyrisch auszudrücken in die Wiege gelegt. Im Falle von Sven, Nico, Sammy und David klingt das Produkt eher nach Herz und Spaß bei der Sache, als nach den scheinbar selbst auferlegten „Einflüssen“. „Into The Wild“ schafft es im Endspurt noch mal keuchend den Berg hinauf, den gelebte Inhalte mit unverzerrten E-Gitarren zusammen aufschütteten, bevor Bruce Springsteen eine Musikrichtung und Countryeinflüsse der heißeste Scheiß waren.
Solange bedienen THREE MINUTE RECORD den Hörer mit mittelprächtigem Liedgut, dass sich vor Einsatz und Charakter nicht verstecken braucht. Denn in der Realität sind es eben diese Drums und diese Gitarren, die Sonne in den läppischen Alltag zaubern. In Düsseldorf genauso wie in Ashbury Park.

Trackliste:

1. Young And Wild
2. Coldblooded Kate
3. All My Heroes Are Gone
4. Wrong Boy
5. The Trunk
6. Into The Wild

Autor

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.